ABC für Jungpferde: Junge Pferde sorgfältig ausbilden – geduldig und konsequent

Jetzt im Herbst beginnt für viele junge Pferde der Ernst des Lebens. Wenn sie von der Sommerweide in den heimischen Stall kommen, steht gewissermaßen die „Einschulung“ auf dem Kalender. Bevor die Pferde über die Wintermonate angeritten werden, müssen sie zunächst das ABC für Jungpferde lernen.

Grundlagen der Pferde-Erziehung

Wenn Du ein junges Pferd hast und es nun auf seine Karriere als Reitpferd vorbereiten willst, solltest Du bereits erfahren im Umgang mit Pferden sein und eine echte Führungspersönlichkeit sein. Schließlich möchtest Du Dein Pferd mit Ruhe und Konsequenz so erziehen, dass ihr viele Jahre gemeinsam durch Dick und Dünn gehen könnt.

Zu den Grundlagen der Pferde-Erziehung gehört, dass Dein Pferd artig im alltäglichen Umgang ist. Es sollte sich anbinden lassen und beim Putzen ruhig stehen. Natürlich ist es wichtig, dass es sich sicher führen und später dann problemlos longieren und anreiten lässt.

Erziehung mit Augenmaß

Die Kunst bei der Pferde-Erziehung besteht darin, ein Gleichgewicht zu finden zwischen souveräner Konsequenz und zwischen unangebrachter Härte. Du willst Dein Pferd ja auf Deine Seite bekommen und es nicht drangsalieren. Deshalb musst Du auch immer wieder Ruhe und Harmonie im Umgang anstreben und deshalb bei gutem Verhalten auch immer wieder loben. Das ist Erziehung mit professionellem Augenmaß. Ein Pferd zu hart oder auch ungerecht zu behandeln, kann durchaus Ärger nach sich ziehen. Pferde haben nämlich Elefantengedächtnis und vergessen nicht wirklich. Zwischen Dir und Deinem jungen Pferd soll nach und nach eine Partnerschaft entstehen und zwar in Form eines hierarchisch geordneten Miteinanders.

Ruhe, Geduld und Konsequenz

Das Wichtigste in der Ausbildung des jungen Pferdes sind neben Fachwissen Ruhe, Geduld und Konsequenz. Behandle Dein rohes Pferd „wie ein rohes Ei“. Sei also sehr achtsam und behutsam. Aber: Packe es nicht in Watte und vor allem: Setz Dich durch!

Bei der Erziehung und Ausbildung Deines Pferdes geht es selten nur problemlos voran. Du wirst immer mal auf Widerstand oder Unverständnis stoßen. Das ist ganz normal. Rückschläge gehören zum „Erwachsenwerden“ dazu. Das ist bei Pferden nicht anders als bei Menschen. Und auch das Tempo, in dem Dein Pferd lernt, ist nicht immer gleich. Mal versteht es seine Aufgaben prompt, mal muss es eine Lektion eben des Öfteren wiederholen. Häufig braucht es tatsächlich auch eine Pause, einen Tag frei, um über die Aufgaben und das Gelernte nachzudenken.

Verständliche Aufgaben

All das, was Du Deinem Pferd beibringst willst, musst du klar verständlich machen und durch unzählige Wiederholungen manifestieren. Wenn es Dir manchmal nicht schnell genug geht, halte Dir vor Augen: Eine gute Grundausbildung ist durch nichts zu ersetzen. Die Fehler, die in der Basis-Erziehung gemacht werden, sind später nur sehr schwer wieder auszumerzen und sie kosten dann letztlich mehr Zeit, als wenn Du jetzt die ein oder andere Aufgabe noch einmal öfter wiederholst. Das gibt Sicherheit.

Tiefes Vertrauen

Im Idealfall hat Dein junges Pferd bereits im Fohlenalter das Einmaleins eines gut erzogenen Pferdes durchlaufen. Häufig aber fehlt dem Nachwuchs leider jedwede Kinderstube. Das ist nicht unproblematisch. Denn natürlich ist es leichter, einem Fohlen das Führen und Anbinden oder das Hufanheben und Berühren beim Putzen beizubringen, als einem fast ausgewachsenen Riesenbaby von 500 bis 600 Kilogramm.

Aber: Wenn Dein Pferd noch gar nichts kann und Du bei Null beginnen musst, begreife das als Chance. Du kannst eben „alles richtig“ machen und Dein Pferd so an alles gewöhnen, dass es angstfrei und voller Vertrauen lernt. Echtes und tiefes Vertrauen, das wirst Du später immer wieder merken, ist das stärkste Band zwischen Pferd und Reiter.

Spielerische Kontaktaufnahme

Bevor Du beginnst, das Anbinden und Putzen im Stall zu trainieren, beschäftige Dich spielerisch mit Deinem Pferd. Gehe zu ihm auf die Weide und berühre und kraule es, so dass es lernt, Berührungen als angenehm zu empfinden. In der Regel lieben Pferde solche Kuscheleinheiten und akzeptieren das Berühren am ganzen Körper. Auch das Aufhalftern ist in der Regel kein Problem. Du kannst das Pferd zunächst am Hals mit dem Halfter abstreichen und dann in korrekter Weise aufhalftern. Dabei musst Du so geschickt sein, dass es kaum merklich in sein Halfter taucht und Du es ihm dann zügig, aber nicht hektisch, überstreifen kannst. Das Halfter darf nicht zu eng geschnallt sein, muss aber so fest sitzen, dass es nicht gleich beim ersten Zug am Strick vom Kopf rutscht.

Junge Pferde richtig führen

Das Führen kannst du bereits im Rahmen von vielen spannenden Aufgaben aus der Bodenarbeit vorbereiten. Viele der Lektionen funktionieren nämlich auch ohne Halfter und Strick nur mittels Körpersprache. Wenn es Dir gelingt, dass Dich Dein Pferd als „Leit-Tier“ akzeptiert, folgt es dir willig – auch ohne Strick. Wie du lernst eine echte „Führungspersönlichkeit“ zu werden, erfährst Du in einem unserer kommenden Beiträge. Versprochen!

Beim Führen sollte Dein junges Pferd weder vor Dir her stürmen noch hinter Dir her trotten. Du solltest es auf Schulterhöhe führen. Gehe energisch vorwärts in gleichmäßigem Tempo. Der Strick hängt dabei leicht durch. Achte darauf, dass er nicht am Boden baumelt – auch das Strickende nicht. Ein gespannter Strick fördert Widersetzlichkeit. Nach dem Motto „Druck erzeugt Gegendruck“ reagieren gerade junge Pferde auf ständiges Ziehen am straffen Strick mit leicht bockigem Gehabe und bremsen, anstatt sich mitziehen zu lassen. Schlimmstenfalls ziehen sie sogar gegen. Natürlich musst Du im Rahmen des Führtrainings auch das Anhalten üben. Bleibe stehen und pariere am Strick, wenn das Pferd weiterlaufen möchte. Gib zusätzlich ein Sprachkommando. „Ho“ oder „Steh“ sind gängig und deutlich besser als „Brr“. Was du auch sagst, sage es laut und deutlich und vor allem nutze immer dasselbe Kommando!

Ruhig stehen beim Anbinden

Damit Dein junges Pferd beim Anbinden ruhig steht, kannst Du ihm die ersten Male sein Lieblingsfutter in einer mobilen Krippe am Putzplatz anbieten. Das lenkt ab und macht das Stehen zu einer verlockenden Angelegenheit. Auch ein Heunetz ist eine willkommene Ablenkung und hilft gegen Langeweile. Das muss allerdings so hoch hängen, dass Dein Pferd, wenn es unruhig anfängt zu scharren, nicht einfußt! Natürlich soll Dein Pferd lernen, das angebundene Stehen zu akzeptieren. Es gibt aber Pferde, die tatsächlich zunächst Panik bekommen, wenn sie fixiert sind und beim Versuch, sich zu lösen, den Druck des Halfters im Genick spüren. Um beim möglichen Losreißen einen Überschlag des Pferdes zu vermeiden, knote zwischen Halfter und Strick ein Strohband. Diese Sollbruchstelle reißt, wenn es wirklich mal zu einer Panikattacke kommt. Wenn Du weißt, dass Dein Pferd Panik beim Anbinden bekommt, ziehe einfach den Strick durch die Anbinde-Öse und behalte das Strickende in der Hand. Je mehr Vertrauen Dein Pferd zu Dir und den neuen Situationen bekommt, desto eher wird es dann auch das Anbinden akzeptieren.

Sanftes Putzen

Schmusen beim Putzen finden viele Pferde toll.
Schmuserei beim Putzen finden viele Pferde toll. Achte aber darauf, dass Dein Pferd dabei nicht übermütig wird und korrigiere am besten konsequent auch kleinere Unarten wie z.B. Knabbereien.

Auch bei der täglichen Pflege gilt das Grundprinzip: Junge Pferde müssen gut erzogen sein und selbst kleinere Frechheiten sollte konsequent geahndet werden. Pferde, die beim Putzen von einem Bein auf das andere treten, nervös scharren oder hyperaktiv herum hampeln, werden konsequent korrigiert. Hören sie mit der Unart auf, wird gelobt. Häufig nimmt das junge Pferd das Putzen zum Anlass, selber auch „aktiv“ zu werden. Schließlich gehört das Fellkraulen in der Herde zu den ganz typischen sozialen Kontakten. Aber: Da Du eben kein Pferd bist, darfst Du selbst kleine Knabbereien nicht akzeptieren. Zu schnell wandelt es sich in ein veritables Beißen, vor allem wenn Du an Stellen putzt, an denen Dein Pferd möglicherweise kitzelig ist. Ein strenges Nein, ein klares Wegschieben des Pferdekopfes, möglicherweise ein sanfter Rüffel in die Seite – all das macht Deinem Pferd deutlich: So nicht!

Putze Dein Pferd mit ruhigen und sanften Bewegungen. Einen leichten Druck kannst Du dabei auf die Bürsten ausüben, aber gerade an knochigen Stellen musst Du sehr vorsichtig bürsten. Was Du genau beim Putzen bedenken musst, erfährst Du in einem unserer zukünftigen Beiträge.

Longieren als Vorbereitung fürs Reiten

Um Dein Pferd an Longiergurt, Sattel und Trense und vor allem an eine erste Hilfengebung zu gewöhnen, eignet sich das Longieren der Youngster. Das sollte allerdings nur in Maßen geschehen. Aus vielerlei Gründen: So fällt es den jungen, noch unausbalancierten Pferden schwer, in einem engen Kreis zu laufen. Weil sie noch nicht „gesetzt“ sind, versuchen sie ihr Heil im Vorwärts um nicht gänzlich aus der Balance zu kommen. Das geht allerdings auf Bänder und Gelenke. Natürlich ist es richtig, dass Du Dein Pferd im frischen Vorwärts longierst, lass es aber nicht rasen und longiere nicht länger als 20 bis 25 Minuten. An der Longe übst Du alle drei Grundgangarten. Du lässt Dein Pferd auf Kommando antraben und angaloppieren und trainierst auch das Durchparieren. Die Pferde lernen dabei die Ausrüstung in Bewegung kennen und auch auf Deine Kommandos zu achten. Was Du beim Longieren insbesondere von jungen Pferden alles beachten musst, steht in einem unserer kommenden Beiträge.


Bei vielen Aktivitäten mit dem Pferd am besten IMMER Handschuhe tragen, damit Du Deine Hände vor Verletzungen schützen kannst.Bei vielen Aktivitäten mit dem Pferd am besten IMMER Handschuhe tragen, damit Du Deine Hände vor Verletzungen schützen kannst.

Erstklassige Ausrüstung hilft

Egal ob beim Putzen, beim Anbinden und Führen oder beim Longieren – für alles solltest Du eine erstklassige Ausrüstung benutzen. Du selber solltest beim Führen und Longieren IMMER Handschuhe tragen. Sie schützen Deine Hände vor schlimmen Verletzungen.

Das weich gepolsterte Nylon-Halfter Supreme mit hohem Wohlfühl-Faktor ist gleichzeitig aber auch sehr robust – ideal also für junge Pferde.
Das weich gepolsterte Nylon-Halfter Supreme mit hohem Wohlfühl-Faktor ist gleichzeitig aber auch sehr robust – also ideal geeignet für junge Pferde.

Nutze zum Führen und Anbinden ein stabiles, aber für Dein Pferd angenehmes Halfter. Es sollte nicht einschneiden, nicht scheuern und nicht bei der ersten Widersätzlichkeit auseinanderreißen. Auch Trense, Longiergurt und Sattel müssen Deinem Pferd gut passen, korrekt verschnallt sein und angenehm sitzen. Dein Pferd soll das Anlegen und Tragen der Ausrüstung schließlich nicht als unangenehm oder gar schmerzhaft empfinden. Die Longe sollte mindestens acht Meter lang sein, damit Du Dein Pferd in einem ausreichend großen Zirkel um Dich longieren kannst. Die Verschnallung muss robust und haltbar, aber leichtgängig sein.

Das Ausbilden junger Pferde ist eine echte Herausforderung. Aber es gibt letztlich nichts Schöneres, als den unerfahrenen Youngster zu einem vertrauensvollen Routinier zu erziehen, mit dem Du dann im täglichen Umgang, an der Hand und unterm Sattel jede Menge Spaß haben wirst. Die alte Weisheit „Immer langsam mit den jungen Pferden“ sollte als Headline über Deinem Training stehen.

Das Team von KIEFFER wünscht Dir dabei gutes Gelingen.

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