Angurten mit Fingerspitzengefühl – so ziehst Du den Sattelgurt richtig nach

Damit der Sattel einen festen aber bequemen Halt auf dem Rücken Deines Pferdes findet, musst Du nicht nur auf den richtigen Sattel und den passenden Gurt setzen, sondern: Du musst den Sattelgurt auch korrekt anziehen. Worauf Du beim Angurten genau achten solltest, erläutern wir Dir in diesem Blog-Beitrag.

Die Basics rund ums Thema Sattelgurt, kennst Du sicherlich schon aus unserem Beitrag „Rundherum bequem – so wichtig ist der perfekte Sattelgurt“.

Hier haben wir die ideale Position für Deinen Sattelgurt erläutert. Nun geht es darum, in welchen Schritten Du am besten angurten und nachgurten solltest und wie fest Du den Sattelgurt ziehen musst.

Aufsatteln – so gurtest Du an

Wenn Du den Sattel auf Dein Pferd gelegt hast und er korrekt aufgelegt und angekammert ist, gurtest Du ihn an. Der Sattelgurt muss sich in der Gurtlage befinden, in sich glatt liegen und darf natürlich nicht verdreht sein. Fixiere ihn beim Angurten zunächst unten oder mittig auf der einen Seite des Sattels und ziehe ihn dann auf der anderen Seite zunächst in einem der unteren Gurtlöcher der Sattelgurtstruppen an, so dass er genügend fest, aber nicht stramm ist. Du solltest nach dem ersten Angurten im Stand des Pferdes noch bequem mit Deiner Hand zwischen Gurt und Pferdebauch Platz behalten und dabei einen leichten Druck spüren.

Für Faulpelze – wann der Gurt am Sattel bleiben darf

Manche Reiter lassen den Gurt auch auf der einen Seite am Sattel festgeschnallt. Das geht, wenn man ein Pad ohne Gurtschlaufen hat oder, wenn man die Schabracke unter dem Sattel belässt. Letzteres ist natürlich praktisch, aber: Die Schabracke muss dafür sauber und vor allem trocken geblieben sein. Ist sie von Schweiß feucht oder staubig, muss sie gewechselt werden. Dazu sollte man auch den Gurt entfernen und diesen ebenfalls zum Trocken aufhängen und gegebenenfalls reinigen.

Drei bis viermal – wieso häufiges Angurten pferdefreundlich ist

Insgesamt solltest Du in drei bis vier Schritten angurten. Direkt nach dem Sattelauflegen zum ersten Mal. Dann solltest Du das Pferd einige Meter führen und wieder angurten, so dass der Sattel genügend Halt für das Aufsteigen aufs Pferd bekommt. Nach dem Schrittreiten, vor dem Antraben, sollte erneut nachgegurtet werden und – bei Bedarf – dann noch einmal vor der Arbeitsphase. Das häufige Nachgurten, Loch für Loch, ist für Dein Pferd viel angenehmer als ein einmaliges, abruptes Festzurren. Dein Pferd gewöhnt sich an den Druck, atmet aus, lässt Luft raus und kommt so gut mit der stabilen Umgurtung klar.

Hoch das Bein – so gurtest Du einen Langgurt vom Pferd aus nach

Um einen Springsattel zu befestigen nutzt man normalerweise einen Langgurt. Um solch einen Langgurt aus vom Sattel aus nachzugurten, nimmst Du Dein linkes Bein nach vorne hoch, so dass das Sattelblatt frei ist. Nun reichst Du über Kreuz mit der rechten Hand über den Sattel greifst das Sattelblatt und hälst es hoch. Mit der freien linken Hand ziehst Du dann erst die eine, dann die andere Gurtstrippe nach. Anschließend lässt Du das Sattelblatt los und bringst Dein Bein wieder in die korrekte Position. Am besten geht das, wenn Dein Pferd dabei ruhig steht. Gerade bei Pferden, die sich ein bisschen fest beim An- oder Nachgurten machen, kannst Du das auch im ruhigen Schritt tun.

Einmal abtauchen – wie das Nachgurten beim Kurzgurt funktioniert

Ein Dressursattel wird meist mit einen Kurzgurt gegurtet. Um den Kurzgurt vom Sattel aus nachzuziehen, solltest Du Dein Pferd am besten immer durchparieren. Hier musst Du Dich in der Regel nämlich schon ziemlich tief herunterbeugen, um die Gurtstruppen ungefähr auf Fußhöhe enger zu ziehen. Damit Du bequem auch an einen Kurzgurt ankommst, muss er lang genug gewählt sein.


Willst Du wissen, welche Sattelgurte sich am bequemsten nachgurten lassen? Unsere Produktempfehlung findest Du hier:

Durch die hochwertige Kieffer-Rollschnalle mit ihrer stabilen Dornführung lassen sich prinzipiell alle Kieffer-Sattelgurte fantastisch an- und nachgurten. Insbesondere was das Nachgurten direkt vom Sattel aus angeht, empfehlen wir Dir unsere Sattelgurte, die mit dem praktischen Elastomerband ausgestattet sind. Dieses drückt den Dorn der Schnalle automatisch von Loch zu Loch und macht das Nachgurten dadurch besonders einfach und sicher. Im folgenden empfehlen wir Dir Sattelgurte, die standardmäßig mit Elastomerband ausgestattet sind. Übrigens: Das Elastomerband kannst Du auch nachrüsten oder bei Verschleiß als Ersatzteil nachbestellen.

Kurzgurte

 

Langgurte


Was tun bei Pferden mit schwieriger Gurtlage

Nicht alle Pferde haben eine ideale Gurtlage. Hier muss man ein bisschen tricksen, damit der Gurt dennoch vernünftig sitzt und dem Pferd keine Unannehmlichkeiten bereitet.

Beim Angurten von Pferden mit schwieriger Gurtlage hilft folgende Methode: Sattel das Pferd auf und ziehe den Gurt normal an. Dann ziehe das linke und das rechte Vorderbein nach vorne, so dass sich die Haut glattzieht und sich vor dem Gurt keine Hautfalten mehr bilden. Auch das Einreiben mit Fettcreme ist eine kleine Hilfestellung.

Nein zu Extremen – das solltest Du beim Angurten unbedingt vermeiden

Weder darfst Du den Gurt so fest angurten, dass das Pferd Atemnot bekommt und Schmerzen erleidet, noch darfst Du so zögerlich angurten, dass der Sattel auf dem Pferd hin- und her rutscht. Letzteres ist bei Pferden mit schlechter Sattellage wie beispielsweise Fjordpferden, Haflingern oder besonders rundlichen Pferden trotz straffer Angurtung leider häufig der Fall. Solche Pferde kann man tatsächlich nicht so angurten, dass der Sattel in seiner optimalen Position verbleibt, schließlich darf man den Gurt nie zu festziehen. Hier hilft zunächst Dein ausbalancierter Sitz im Sattel. Darüber hinaus musst Du beim Reiten Dein Gewicht immer wieder mal so geschickt verlagern, dass der Sattel wieder in die Mittelposition gleitet. Elastik-Anteile sollte ein Gurt für bauchige Pferde mit schlechter Sattel- und Gurtlage möglichst wenige haben!

Welches ist der größte Fehler beim Angurten

Dass man zu schnell und zu stark angurtet, ist der größte und sicherlich auch der gröbste Fehler beim Anziehen des Sattelgurts. Das ist nicht nur fürs Pferd schmerzhaft. Viele Sattelgurte mit Elastikanteilen reißen dadurch mit der Zeit. Als Richtwert, wie stramm ein elastischer Sattelgurt sein sollte, kann gelten: Ein Drittel bis ein Viertel über den normalen Zustand darf man den Gurt ausdehnen. Beim Angurten könnte man den Gurt erst so strammziehen, wie es überhaupt geht und dann wieder zwei bis drei Loch nachlassen. Dann erreichst Du das Idealmaß auch.

NEIN zum Gurtanzieher – was gegen den Gebrauch von Gurtstraffern spricht

Hände weg von Gurtstraffern – warum Du dieses Hilfsmittel nicht benutzen solltest

So genannte Gurtstraffer, waren früher total angesagt und gerade „das schwache“ Geschlecht, meinte, nur mit diesem unsäglichen Hilfsmittel den Gurt fest genug anziehen zu können. Wir können Dir versichern: Solche künstlichen Gurtanzieher sind für Menschen mit zwei gesunden Händen absolut überflüssig!!! Wenn Du nicht in der Lage bist, den Sattelgurt fest genug anzuziehen, um in einem stabil aber komfortabel sitzenden Sattel zu reiten, trainiere Deine Muckis anstatt Deinem Pferd mit Gurtstraffern die Luft abzuschnüren. Denn das passiert mit einem Gurtstraffer schnell. Durch den besonderen Mechanismus des Gurtnaziehers kann der Gurt problemlos und mit wenig Kraft viel zu eng angezogen werden. Wenn Du doch mal einen ganz schwachen Tag hast, oder wenn es darum geht, Kindern beim Nachgurten zu assistieren, einfach einen kräftigen Reiterkollegen um Hilfe bei Angurten bitten…

Aufsteigen und Angurten

Ja, es gilt nach wie vor zum guten Ton, dass man es schafft, vom Boden aus den Sattel zu erklimmen. Aber: Es ist nicht nur viel pferdefreundlicher, von einer Aufsteigehilfe in den Sattel zu steigen. Auch im Hinblick auf die Lage des Sattels und das Angurten, ist die „bequeme“ Variante des Aufsteigens aufs Pferd zu empfehlen. Damit der Sattel nicht verrutscht, wenn sich 60, 70 oder mehr Kilos an Reitergewicht in den Steigbügel stemmen, um in den Sattel zu klettern, muss der Gurt schon sehr straff angezogen sein, um den Sattel am Verrutschen zu hindern. Natürlich sollte der Sattel recht fest sein, bevor der Reiter an sich im Sattel sitzt, aber die Belastung der sich Pferderücken, Sattel und Sattelgurt entgegenlehnen müssen, ist beim Aufsteigen vom Boden aus ungleich höher.

Egal, ob Du nun vom Boden aus aufsteigst, oder von der erhöhten Aufstiegshilfe: Nach dem Aufsteigen musst Du nachgurten!

Beidseitig angurten – mit etwas Übung klappt das

In unserem Blog-Beitrag „Rundherum bequem – so wichtig ist der perfekte Sattelgurt“, haben wir bereits darauf hingewiesen, dass es sehr wichtig ist, den Sattelgurt symmetrisch an- und nachzugurten. Dadurch aber, dass man meist auf der linken Seite des Pferdes aktiv ist – man führt es linksseitig und steigt auf der linken Seite auf – gehört es zur Gewohnheit vieler Reiter, den Gurt nur auf der linken Seite anzugurten. Sowohl wenn man vor dem Aufsteigen angurtet, als auch dann vom Pferd aus.

Das Angurten wechselseitig zu betreiben ist aber viel besser für den stabilen Halt des Sattels und den Tragekomfort für Dein Pferd. Vom Boden aus ist das kein Problem. Im Sattel sitzend kann es sich möglicherweise zunächst etwas ungewohnt anfühlen, wenn Du auch rechts angurtest. Das ist aber alles eine Sache der Übung und schon bald wirst Du genauso geschickt und problemlos rechts sowie links vom Sattel aus nachgurten können.

Achtung Platzangst – warum manche Pferde unter Gurtzwang leiden

Viele Pferde lassen das Angurten nur sehr widerwillig über sich ergehen. Sie legen die Ohren an, stampfen mit den Vorderbeinen und schlagen mit den Hinterbeinen. Dadurch tun sie ihr Unwohlsein deutlich kund. Im schlimmsten Fall bekommen sie regelrechte Panikattacken. Manche Pferde schmeißen sich dabei hin.

Dieses auch als „Sattelzwang“ bekannte Phänomen kann seine Ursache in einem aktuell falschen Sattelgurt und fehlerhaften Aufsatteln genauso haben wie in einer zurück liegenden schlechten Erfahrung mit dem Anziehen des Sattelgurtes. Häufig werden bereits bei der Gewöhnung an Longiergurt und Sattel beziehungsweise Sattelgurt Fehler gemacht, die nachhaltige Folgen haben:

Wenn schon der Longiergurt zu schnell und zu fest angeschnallt wird, wenn er drückt und spannt, dann speichert das Pferd diese negative Erfahrung ab und befürchtet bei jedem Angurten Unannehmlichkeiten

Hast Du ein Pferd, das wirklich panisch auf den Sattelgurt reagiert, bleibe ruhig und geduldig. In der Regel hat das Pferd eben die soeben beschriebenen schlechten Erfahrung gemacht. Nun musst Du diese Erfahrungen löschen und das Pferd muss lernen, dass es gar nicht schlimm ist, wenn angegurtet wird. Beginne zunächst mit einem elastischen Deckengurt zu üben, den Du ohne Decke einfach um das Pferd schnallst.

Das A und O:

Um einer Problematik wie Gurtzwang vorzubeugen, stelle immer sicher, dass die Ausrüstung perfekt zu Deinem Pferd passt und vor allem, dass der Sattel richtig im Schwerpunkt liegt, mit der Gurtlage harmoniert und der Gurt die richtige Länge hat. Letzteres erkennst Du daran, dass der Gurt ohne Spannung und ohne Ziehen ins erste Loch gegurtet werden kann.

Durch den richtigen Schwerpunkt neigen sich die Sattelstrippen automatisch in Richtung der Gurtlage, was bei unseren Dressursätteln mit beweglicher V-Begurtung besonders gut zu erkennen ist. Beim Springsattel liegt der Schwerpunkt durch den flachen Sitz etwas anders und verteilt den Druck von der Mitte her. Beim Sprung entlastet ein weich gepolstertes Sattelkissen temporär aufkommende Druckspitzen durch den Knieschluß.

Durch die ideale Ausgangslage der passenden Ausrüstung und Angurten mit Fingerspitzengefühl sorgst Du dafür, dass der Druck des Sattelgurts gleichmäßig verteilt wird und beugst somit Unbehagen vor.

Erste Hilfe bei Sattelzwang – so gurtest Du schwierige Pferde vorsichtig nach

Dann übe mit einem Longiergurt, den Du sanft über ein Pad gurtest. Die Tragdauer des angezogenen Longiergurts oder Sattels darf am Anfang nicht überspannt werden. Nicht mehr als einige Minuten sollte gerade das junge Pferd zu Beginn mit einem angezogenen Sattelgurt ausharren müssen. Schließlich ist die Gurtlage noch besonders empfindlich und muss sich erst an einen – auch akzeptablen – Druck gewöhnen können.

Nicht immer ist das Abwehrverhalten beim Angurten ein Hinweis auf fehlerhaftes Gurtanziehen oder eine schlechte Gurtlage: „Auch Pferde sind Menschen“ und wissen, dass es jetzt an die Arbeit geht – und nicht alle „Menschen“ arbeiten nun mal gerne… 😀

Achtung: Auch Pferde, die unter Sattelzwang leiden, müssen dennoch so fest angegurtet werden, dass der Sattel nicht bei der kleinsten Bewegung vom Pferd rutscht. Fällt der Sattel aus seiner Position auf dem Pferderücken und hängt plötzlich an der Seite oder schlackert unter dem Pferd, so versetzt das Dein Pferd in Panik. Um diese Situation zu vermeiden, musst Du auch bei Pferden, die unter Sattelzwang leiden, mit sanftem Zug arbeiten – sobald Du es mit einem Sattel ausrüstest. Probiere das also erst, wenn es mit Decken- und Longiergurt problemlos klappt

Last but not least – wie fest solltest Du angurten?

Es ist nicht ganz leicht die ideale Festigkeit für den Sattelgurt pauschal zu bestimmen. Hier ist individuelles Fingerspitzengefühl gefragt. Wie fest der Sattelgurt geschnallt sein muss, hängt unter anderem von der Sattel- und Gurtlage ab. Mitentscheidend ist auch, mit welcher Straffheit des Gurtes sich Dein Pferd wohl fühlt und wozu Du es gerade sattelst. Sicherlich hilft Dir hier fürs erste der Gürtelvergleich, den man anwendet, wenn Du ein Pferd mit „normaler“ Sattellage in einem „normalen“ Training reitest. Stell Dir vor, wie fest Du einen Gürtel schnallen würdest, wenn Du eine Hose nicht nur mit dem Accessoire schmücken würdest, sondern der Gürtel die Hose reell an Ort und Stelle halten müsste, ohne Dir Taille und Hüften abzuschnüren. Übertrage dieses Gefühl dann auf den Sattelgurt.

Willst Du wissen, wie Du die passende Gurtlänge ermittelst? Das erfährst Du hier in unserem Blog in einem Folge-Report, der sich vertiefend mit Gurtlänge und Formen beschäftigt und noch einmal vertiefend damit beschäftigt, wie viel Druck ein Sattelgurt auf das Pferd ausüben darf.

Nun weißt Du, in welchen Schritten Du den Sattelgurt anziehst und wie fest Du anziehen darfst, ohne Deinem Pferd die Luft abzuschnüren. Apropos Luft. Nicht nur Pferde müssen gut Luft holen können beim Reiten. Auch der Reiter sollte befreit durchatmen können. Genau darum geht es in unseren kommendem Blog-Beitrag „Luft zum Reiten – warum tiefes Durchatmen so wichtig ist“.


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