Aufbau des Sattels – aus welchen Teilen besteht der Sattel?

Als Equipment Nummer eins spielt der Sattel eine entscheidende Rolle beim täglichen Reiten. Doch wie ist der „Thron“ des Reiters, der dem Pferd ebenso gut passen sollte wie seinem Reiter, eigentlich konstruiert und aufgebaut? Aus welchen Teilen besteht er und mit welchem Zubehör wird er ausgestattet? Das verraten wir Dir in diesem Beitrag. Er bildet gleichzeitig die Basis für viele folgende Themen, die sich beispielsweise um die perfekte Sattelpassform, die richtige Wahl der Sattelgurte oder um das passende Zubehör drehen. 

Der Lastenträger – wie die Geschichte des Sattels begann…

Der Vorfahr des Reitsattels: ein einfacher Pack- oder Bocksattel für den Transport von Lasten und Gepäck hier an einem Esel (Quelle: Wikipedia)
Der Vorfahr des Reitsattels: ein einfacher Pack- oder Bocksattel für den Transport von Lasten und Gepäck hier an einem Esel (Quelle: Wikipedia)

Bevor der Mensch aufs Pferd stieg und endlich zum Reiter wurde, nutzten unsere Vorfahren nicht nur Rinder und Esel, sondern eben auch Pferde zum Transport von Lasten: Um den Rücken des Pferdes zu schonen, wurde das Gepäck nicht mittig aufs Pferd gepackt, sondern links und rechts vom Pferderücken befestigt. Die Historie des Sattels begann also als stabiler Packsattel, der auch Bocksattel genannt wird. Er bestand aus zwei seitlichen Holzbrettern – zum Fixieren der Last. Diese wurden vorne und hinten jeweils mit einer Art Bügel verbunden. Erst später entstand der Sattel zum Reiten. Beim Reiten bietet der Sattel dem Reiter Halt und Sicherheit. Natürlich macht es total Spaß, von Zeit zu Zeit ohne Sattel auf dem Pferderücken zu sitzen, aber um sicher zu reiten ist ein passender Sattel ganz wichtig.

Viele Sattelarten und Sattelmodelle

Heutzutage gibt es schier unzählige Arten von verschiedenen Sätteln. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen einem Sattel mit Sattelbaum und einem Sattel ohne Sattelbaum, dem sogenannten baumlosen Sattel, zu dem auch einfache Sitzkissen zählen. Dann hat jedwede Reitweise ihren eigenen Spezialsattel. Ja, selbst innerhalb der Reitweisen gibt es noch Sattelarten, die spezialisiert sind, so wie beispielsweise bei der englischen Reitweise den Dressursattel, den Springsattel oder den Vielseitigkeitssattel. Doch damit nicht genug: Jeder Hersteller bietet dann im Rahmen der Spezialisierung noch etliche Modelle an. Wenn Du den passenden Sattel suchst, hast Du also fast unbegrenzte Auswahlmöglichkeiten.

Englischer Sattel – Der Baum als Herz

Der stufenlos kalt verstellbare Exclusive-Sattelbaum von Kieffer besteht aus leichtem, glasfaserverstärkten Kunststoff in besonders hochwertiger Qualität
Der stufenlos kalt verstellbare Exclusive-Sattelbaum von Kieffer besteht aus leichtem, glasfaserverstärkten Kunststoff

Das Herzstück der englischen Sättel ist in der Regel ein fester Sattelbaum. Der Sattelbaum bildet sozusagen das innere Gerüst des Sattels und besteht heutzutage in der Regel aus Kunststoff. Holz wird manchmal noch bei Westernsätteln verwendet, aber auch da ist Kunststoff im Aufwind. Warum das so ist? Kunststoff deswegen, weil er kostengünstig und formstabil ist.

Der Sattelbaum orientiert sich an der Oberlinie des Pferdes. Er muss darüber hinaus so geschwungen sein, dass er den Reiter ideal platziert. Da nicht jeder Sattelbaum denselben Verlauf hat, passt nicht jeder Sattel zur Oberlinie.

Kopfeisen

Das Kopfeisen am vorderen Ende des Sattelbaums stützt den Sattel über dem Widerrist des Pferdes ab, so dass er nicht aufliegt. Die Breite bezeichnet man auch als Kammerweite oder Weite der Sattelkammer. Diese Kammerweite spielt bei der Sattelanpassung eine wichtige Rolle und lässt sich über das Verstellen oder den Austausch des Kopfeisens einstellen. Das Kopfeisen sollte parallel zum Schulterblatt verlaufen. Ist das Kopfeisen zu eng gewählt, so klemmt  es die Schulter des Pferdes ein, hemmt so die Bewegungsfreiheit und die Enden drücken in die Muskulatur. Bei zu weitem Kopfeisen hingegen liegt der Sattelbaum auf dem Widerrist auf und drückt entsprechend. Die Enden des Kopfeisens sind mit flexiblen Ortspitzen versehen. Den Abstand von Ortspitze zu Ortsspitze bezeichnet man als Ortweite.

Kopfeisen austauschen

Kopfeisenwechsel bei einem Kieffer Essentials-Sattel
Kopfeisenwechsel bei einem Kieffer Essentials-Sattel

Einige Hersteller bieten Sättel an, bei denen man das Kopfeisen selber durch ein anderes austauschen und den Sattel so anpassen kann. Eine Veränderung des Kopfeisens kann beispielsweise erforderlich sein, wenn sich Dein Pferd im Muskelaufbau verändert oder Du den Sattel für ein anderes Pferd nutzt. Bei manchen Sätteln kannst Du das sogar selber machen, denn die Hersteller bieten verschiedene Kopfeisen zum Austausch an. Wir raten allerdings: Vertraue lieber Deinem Sattelexperten. Er hat eine entsprechende Ausbildung, ist geschult und kann genau sehen, wie die Kammerweite Deines Sattels eingestellt sein muss, damit der Sattel Deinem Pferd ideal passt. Wir sind jederzeit für Dich da, wenn Du eine Sattelberatung oder eine Sattelanpassung möchtest.

Bitte Platz nehmen – hier sitzt Du richtig

Die Sitzfläche wird vorne vom Vorderzwiesel, hinten vom Hinterzwiesel begrenzt, der so etwas wie die Lehne des Sattels darstellt. Sitzflächen unterscheiden sich in Größe und Schnitt. Die Sitzgröße wird meistens in der Maßeinheit „Zoll“ angegeben.

Gerade Dressurreiter bevorzugen einen Sattel mit extra tiefer Sitzfläche. So sitzt man „tief im Pferd“. Beim Springsattel ist die Sitzfläche üblicherweise deutlich flacher gewählt. Der Vielseitigkeitssattel liegt meistens dazwischen.

Unterhalb der Sitzfläche sorgen Sattelkissen als Polster dafür, dass das Reitergewicht weich abgefedert wird. So wird der empfindliche Pferderücken geschont.

Für eine gleichmäßige Druckverteilung des Reitergewichts, muß dass Sattelkissen gleichmäßig gefüllt sein. Hier bietet sich am besten eine synthetische Polsterwolle an. Diese silikonierte Wolle nimmt keine Feuchtigkeit oder Schweiß auf und verklebt somit nicht so schnell wie eine Naturhaarwolle. Dadurch bleibt die Sprungkraft lange erhalten.

Sind die Sattelkissen nicht ordentlich gefüllt, liegt der Sattel nicht eben auf. Kleine Unebenheiten führen zu punktuellem Druck und verursachen Schmerzen im Pferderücken.

Freiheit für die Wirbelsäule

Ganz wichtig: Zwischen den beiden Kissenhälften, die es in unterschiedlichen Formen gibt, muss auf jeden Fall ein Freiraum bleiben, der sogenannte Kissenkanal: Dieser Kissenkanal sollte ca. vier Finger breit sein. Er sorgt dafür, dass der Sattel nicht direkt auf der sensiblen Wirbelsäule des Pferdes aufliegt. Wenn der Sattel an der falschen Stelle aufliegt – also beispielsweise auf dem Widerrist oder eben weiter hinten auf der Wirbelsäule –kommt es zu schmerzhaftem Satteldruck.

Blatt für Blatt

Ob der Sattelbauer, der die einzelnen Teile des Sattels seinerzeit benannt hat, wohl ein großer Freund von Bäumen war? Schließlich heißt das Gerüst des Sattels SattelBAUM und die Flächen links und rechts der Sitzfläche bezeichnet man als SattelBLÄTTER…

Beim Dressursattel verlaufen die Sattelblätter relativ senkrecht nach unten. Bei einem Springsattel sind die Sattelblätter schräg nach vorne gezogen, man spricht hier auch vom „Vorschnitt“.

Das Schweißblatt bietet dem Pferd Schutz vor den Schnallen und Gurten.

Unter dem Sattelblatt befindet sich auf jeder Seite jeweils ein Schweißblatt. Auch die Gurtstrippen findet man hier auf der Unterseite des Sattelblatts. Es gibt übrigens auch Sättel ohne extra Schweißblätter. Man nennt diese Art des Sattels Monoblatt-Sattel. Wozu man Sattelblätter benötigt? Sie stabilisieren das Reiterbein und fungieren als wirkungsvolles Schutzschild gegen das Scheuern der Gurtstrupfen.

Extra Halt fürs Reiterbein

Ein wichtiger Teil des Sattels sind die Pauschen, die entweder im Sattelblatt integriert sind oder auf dem Kissen angebracht werden.

Links: Pausche auf dem Sattelblatt // Rechts: Pausche unter dem Sattelblatt
Links: Integrierte Pausche auf dem Sattelblatt // Rechts: Pausche am Kissen unter dem Sattelblatt

Diese speziellen Pauschen geben dem Bein des Reiters Führung und zusätzlichen Halt. Pauschen gibt es in vielen verschiedenen Formen und in diversen Höhen und Längen. Sie werden vor dem Reiterbein angebracht, bei Spring- und Vielseitigkeitssätteln zusätzlich hinter dem Reiterbein. Eine Reihe von Reitern schwört auf hohe Pauschen. Sie fühlen sich durch Pauschen unterstützt und haben das Gefühl, ruhiger zu sitzen. Was Du aber nicht vergessen solltest:

Pauschen sollten immer auf die Anatomie des Reiters angepasst sein. Manche zwängen das Reiterbein ein und klemmen Dich in eine starre Sitzform. Zu weit vorne liegende Pauschen geben dem Reiter zu wenig Halt und können ein unruhiges Bein verursachen. So kannst Du nicht locker in der Bewegung mitschwingen und sitzt sehr fest und unbeweglich. Das kann dazu führen, dass Du die Bewegung Deines Pferdes blockierst. Deinen ruhigen Sitz solltest Du Dir in erster Linie durch Balance und das entsprechende Training erarbeiten und nicht durch extra dicke Pauschen! 

Welche Sattelgrößen gibt es?

Bestimmt hast Du schon gehört, dass es Sättel in verschiedenen Größen gibt. Gemessen wird  hierfür als Hauptgröße die Sitzfläche. In der Regel wird die Größe in der Maßeinheit „Zoll“ angegeben. Die Sitzgröße berechnet man aus dem Abstand vom Vorderzwiesel zum Hinterzwiesel. Die gängigen Sitzgrößen bei Englischsätteln liegen zwischen 16 und 18,5 Zoll. Um die richtige Sitzgröße zu ermitteln, müssen mehrere Faktoren berücksichtigt werden: Gemessen werden Länge und Breite des Gesäßes sowie Länge und Umfang der Ober- und Unterschenkel. Auch der Aufbau des Sattels spielt bei der Berechnung eine wichtige Rolle.

Eine zu kleine Sitzfläche zwängt den Reitersitz ein und verhindert das lockere Mitschwingen der Mittelpositur. Bei einer zu großen Sitzfläche findet der Reiter nicht genügend Halt im Sattel und „schwimmt“ auf der Sitzfläche hin und her. Um dennoch einen festen Sitz zu bekommen, klemmen viele Reiter mit dem Bein und verkrampfen sich. 

Drum und dran – welches Sattelzubehör gibt es?

Jetzt weißt Du, wie der englische Sattel aufgebaut ist. Der Grundaufbau des Sattels wird durch entsprechendes Sattelzubehör ergänzt.

Zum Zubehör für Sättel gehört natürlich in erster Linie der Sattelgurt. Sattelgurte gibt es in vielen verschiedenen Formen. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Kurz- und Langgurten. Viele von ihnen sind ergonomisch geschnitten.

Ebenfalls zum Sattelzubehör gehören Steigbügel samt Steigbügelriemen.

Mit einem Vorderzeug kannst Du einem Springsattel zusätzlichen Halt geben.

Um Deinen Sattel sauber und ordentlich zu lagern, schütze ihn mit einem Sattelschoner. 

Übrigens: Wer beim Sattel aufs falsche Pferd setzt, der macht einen folgenschweren Fehler. Denn ein Sattel ist nicht nur eine hochwertige Anschaffung für lange Zeit, er ist auch die wichtigste Schnittstelle zwischen Reiter und Pferd. Er soll verbinden und nicht trennen, soll die Kommunikation reibungslos ermöglichen und übermitteln.

Wie Du erkennst, ob der Sattel tatsächlich perfekt passt, liest Du schon bald in einem spannenden Folge-Artikel.

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