Flott im Leichten Sitz – raus aufs Stoppelfeld

Das Korn ist gedroschen. Gerste, Weizen und Hafer sind eingefahren. Goldgelbe Stoppelfelder so weit das Auge reicht. Nun ist es Zeit für einen frischen Galopp jenseits von Reithalle oder Reitplatz. Am besten im Leichten Sitz natürlich. Doch, wie funktioniert der Leichte Sitz? Worauf musst Du achten, wenn Du im Leichten Sitz reitest? Und: Welcher Sattel eignet sich am besten, um im Leichten Sitz zu reiten? Die wichtigsten Antworten rund um den Leichten Sitz erhältst Du in diesem Blog-Beitrag.

Fragen rund um den Leichten Sitz

Was genau ist der Leichte Sitz und vor allem: Warum heißt der Leichte Sitz „Leichter Sitz“? Ist er etwas leichter zu erlernen als der klassische Dressursitz? Oder wiegst Du im Leichten Sitz vielleicht weniger als wenn Du aufrecht sitzt und im Dressursattel reitest?

Hier die Antworten auf einen Blick:

  • Der Leichte Sitz ist ein Entlastungssitz.
  • Der Leichte Sitz muss genauso erlernt werden, wie der klassische Dressursitz.
  • Nein, Du wiegst im Leichten Sitz nicht weniger, aber: Du machst es Deinem Pferd tatsächlich leichter, Dich zu tragen. Warum das so ist?

Wie unterscheidet sich der Leichte Sitz vom Dressur-Sitz?

Ist der dressurmäßige Grundsitz in relativ feste Form gegossen, so ist der Leichte Sitz ein Sitz, der insbesondere im Oberkörper viel Flexibilität zulässt. Du kannst Dich sehr weit nach vorn beugen oder aber den Oberkörper nur leicht vorneigen. Wann Du Deinen Oberkörper in welchem Maße nach vorne nimmst, ist von der Situation abhängig und von dem Ziel, das Du beim Reiten im Leichten Sitz verfolgst.

Echte Profis differenzieren diese Sitzarten, je nach Neigung des Oberkörpers und der Position des Gesäßes noch einmal. Es wird unterschieden zwischen dem „Entlastungssitz“, dem „Leichten Sitz“, dem Springsitz und dem „Rennsitz“. Die Übergänge sind hier fließend.

Der Oberkörper des Reiters neigt sich leicht nach vorne und das Gesäß kommt ein wenig aus dem Sattel. Die Knie, Oberschenkel und Absätze nehmen dabei mehr Gewicht auf.

Wird das Tempo gesteigert, oder gesprungen, kommt das Gesäß mehr aus dem Sattel. Bei ruhigerem Tempo bleibt das Gesäß leicht in Verbindung mit dem Sattel. 

Dass sich das Maß der Entlastung auch in der Bezeichnung des Sitzes wiederfindet, darauf legt beispielsweise Vielseitigkeitstrainer und Olympiasieger Claus Erhorn, großen Wert. Der Experte sagt: „Es ist wichtig zu unterscheiden zwischen dem leichten Sitz, bei dem das Gesäß am Sattel bleibt, und dem Rennsitz, bei dem das Gesäß aus dem Sattel gehoben wird. Beim normalen leichten Sitz, ist es fehlerhaft, sich zu weit aus dem Sattel heben.“

Im Blick – so geht der Leichte Sitz:

Kurze Bügel – sicheres Bein

Fangen wir beim Blick auf den Leichten Sitz mal ganz unten an. Bei den Steigbügeln: Schnalle Deine Steigbügel mindestens zwei bis drei Loch kürzer, als Du sie normalerweise im Dressursattel nutzt. Wenn Du nicht nur „normal“ im Leichten Sitz reiten willst, sondern auch über Hindernisse springen willst, kannst Du Deine Steigbügellänge auch um vier bis fünf Loch verkürzen. Das fühlt sich im ersten Moment vielleicht seltsam an. Aber in der Regel, gewöhnt man sich schnell an die verkürzten Bügel. Wenn Du Dich unsicher fühlst, verkürze die Steigbügel schrittweise. Und kürze erst sie erst weiter, wenn Du Dich in einer Trainingseinheit sicher gefühlt hast!

Durch die kurzen Bügel hat das Knie eine festere Verbindung am Sattel. Das gibt Dir als Reiter ein sicheres Sitzfundament. Unser Tipp: Nutze für Deinen Springsattel immer Sicherheits-Steigbügel. Diese sollten mit einer griffigen Einlage ausgestattt sein, so dass Dein Stiefel genügend Gripp hat. Trete den Steigbügel minimal weiter aus, als dass Du das im Dressursitz machen würdest. So kannst Du Dein Reitergewicht über den Fußballen am besten abfedern.

Stabiles Dreieck – das Fundament vom Leichten Sitz

Die Basis des leichten Sitzes bilden die fest an den Sattelpauschen anliegenden Knie, die ihre Lage unverändert haltenden Unterschenkel sowie die elastisch nach unten durchfedernden Absätze.

Das stabile Dreieck aus Oberschenkel, Knie und Absatz nimmt beim leichten Sitz vermehrt das Reitergewicht auf und entlastet so den Pferderücken.

Gerade wenn es über einen unebenen Boden geht, kannst Du Deine Unterschenkel im leichten Sitz, ein kleines Stück weit nach vorne positionieren. Das gibt Dir zusätzliche Sicherheit und unterstützt Dein solides und ausbalancierte Fundament im Leichten Sitz.

Nach vorne geneigt – Sei flexibel aber nicht wackelig

Das Vorneigen des Oberkörpers geschieht geschmeidig aus dem Hüftgelenk heraus und passt sich im Grad der Vorneigung der jeweiligen Situation an: So wird beim flotten Renngalopp der Oberkörper deutlich weiter vorgeneigt als beim Aufnehmen zum Anreiten eines Hindernisses. Auf die Lage von Schenkel, Knie und Absatz hat die Position des Oberkörpers keinen Einfluss.

Der Oberkörper des Reiters neigt sich leicht nach vorne und das Gesäß kommt ein wenig aus dem Sattel. Die Knie, Oberschenkel und Absätze nehmen dabei mehr Gewicht auf.

Wird das Tempo gesteigert, oder gesprungen, kommt das Gesäß mehr aus dem Sattel. Bei ruhigerem Tempo bleibt das Gesäß leicht in Verbindung mit dem Sattel.

Dein Oberkörper muss beim Reiten im Leichten Sitz elastisch bleiben. Er darf zwar in der Vorwärs Neigung oder dem Wieder-Aufrichten variieren, aber: Du darfst dabei nicht unkontrolliert hin und her wackeln.

Position der Hände – tief und ruhig

Die weiche aber stete Verbindung zum Pferdemaul muss auch aus dem Leichten Sitz heraus garantiert sein, die Ellbogen liegen leicht am Oberkörper an, die Hände werden tiefer getragen als beim klassischen Sitz. Sie können auch gerne am Pferdehals abgestützt werden. Viele Reiter benutzen beim Reiten im Leichten Sitz die sogenannte Zügelbrücke. Sie unterstützt Dich dabei, Deine Hände tief und ruhig zu halten. Wenn Du mehr über diese Art der Zügelführung wissen möchtest, schreibe uns gern einen Kommentar.

Dein Kopf ist auch beim Leichten Sitz „obenauf“ und schaut aus aufrechter Haltung genau dort hin, wo Du hinreiten willst.

Leichter Sitz – volle Kraft voraus

Zum Einsatz kommt diese auch als Entlastungs- oder Remontensitz bezeichnete Sitzvariante beispielsweise beim Springen, beim Ausreiten oder bei der Arbeit mit jungen Pferden. Auch die Vielseitigkeitsreiter reiten den Cross im Leichten Sitz und jeder, der einmal den frischen Galopp über das Stoppelfeld oder den menschenleeren Strand genossen hat, weiß: Das fühlt sich nur im Leichten Sitz richtig gut an…

Anpassen und abfedern – so bleibst Du in der Bewegung

Im leichten Sitz kann man sich schneller den Bewegungen des Pferdes anpassen als im gestreckten Grundsitz. Dadurch, dass man nicht mehr in den Sattel einsitzt, macht man es einerseits dem Pferd leichter, seinen Rücken beispielsweise über dem Sprung aufzuwölben, oder bei Bodenunebenheiten in der Balance zu bleiben ohne dass der Reiter zu stramm und das Pferd im Rücken stört. Selbstverständlich ist es auch für den Reiter viel komfortabler, Unebenheiten im leichten Sitz abzufedern und unangenehme Stöße im Kreuz zu vermeiden. Das ist nicht viel anders als wenn man aus dem Fahrradsattel aufsteht, wenn man unbeschadet ein Schlagloch oder einen Kantstein überwinden möchte.

Tipps vom Profi – Olympiasieger Claus Erhorn über den Leichten Sitz

Beste Balance

„Das Wichtigste an einem guten leichten Sitz “, so Claus Erhorn, „ist die Balance“. „Der Reiter muss aus einem sicheren Gleichgewicht geschmeidig und rhythmisch mit der Pferdebewegung mitgehen und auch bei unvorhergesehenen Bewegungen nicht ins Straucheln geraten.“

Die Grundvoraussetzung, um den leichten Sitz durchführen zu können, sind die richtig verschnallten Bügel. Für das Parcoursspringen empfiehlt Ehrhorn die Bügel zwei bis drei Loch kürzer als normal zu schnallen. Für das Reiten einer Vielseitigkeitsstrecke sollten die Bügel noch mehr verkürzt werden. „Hier gibt es allerdings kein festes Maß. Das hat vielmehr etwas mit dem Längeverhältnis von Ober- und Unterschenkel zu tun“, erläutert Erhorn. Wichtig sei, dass sich der Reiter mit der Bügellänge noch sicher und wohl fühle.

NO Gos im Leichten Sitz

Zu den häufigsten Fehlern zählt der Mannschaftsgoldmedaillengewinner das klemmende Knie. „Dadurch kommt die Wade vom Pferd weg, und das darf nicht sein. Denn mit der Wade muss der Reiter das Pferd aus dem Sitz heraus führen.

Viele Reiter, die Probleme mit der Balance haben, schauen runter. Das aber ist so nicht korrekt. Der Reiter sollte, laut Erhorn, vielmehr „einen Panoramablick anstreben“– die Augen also weit nach vorn zur nächsten Aufgabe richten. Der viel gefragte Trainer weiß, dass viele der Haltungsfehler beim leichten Sitz aus mangelnder Kondition resultieren. „Für etliche Reiter ist es schlicht zu anstrengend, drei bis vier Minuten im leichten Sitz durchzuhalten. Das geht ganz schön auf die Oberschenkel.“ Sein Trainingstipp: Wechsel in der Galopparbeit aller drei bis vier Tritte vom normalen in den leichten Sitz und wieder zurück.“

Rückenprobleme? Darum tut das Reiten im Leichten Sitz Deinem Pferd gut

Junge Pferde sollte man häufiger Mal im Leichten Sitz reiten! Der Leichte Sitz verhindert das zu frühe Einwirken des kompletten Reitergewichts auf den noch untrainierten Rücken junger Pferde. Der Rücken wird durch dies Art des Sitzes entlastet. Außerdem kann man über mögliche Freudenbuckler oder das ein oder andere Wegspringen, so ganz locker „hinweg reiten“

Vorwärts-abwärts im Leichten Sitz

Gut eignet Sie der Leichte Sitz in seine Funktion als entlastende Sitzvariante für die auch für die Korrektur von Pferden mit Schmerzen in der Rückenmuskulatur. Wenn Du ein Pferd mit Rückenproblemen hast, dann solltest Du es im Rahmen der Regeneration unter dem Sattel vermehrt Vorwärts-abwärts im leichten Sitz reiten. So kannst Du das Reitergewicht fürs Pferd angenehmer verteilen und es kann seinen Rücken befreit aufwölben.

Übrigens: Auch für Reiter mit Rückenproblemen ist der leichte Sitz bisweilen eine Wohltat. Mögliche Stauchungen, die beim gestreckten Sitz direkt in der Wirbelsäule ankommen und dort zum Teil üble Schmerzen verursachen, können im leichten Sitz vom kräftigen Beinfundament abgefangen werden.

Welcher Sattel unterstützt den Leichten Sitz am Besten?

Mit der richtigen Ausrüstung lässt sich der leichte Sitz besonders gut bewerkstelligen: Wenn Du also locker, flott und entlastend durchs Gelände reiten möchtest, dann bist Du in einem Vielseitigkeitssattel oder in einem Springsattel genau richtig aufgehoben. Vielseitigkeits- oder Springsättel haben – anders als ein Dressursattel – schräg nach vorne gezogene Sattelblätter. Zudem geben Pauschen dem Bein im kurzem Bügel eine angenehme Stütze. Der Dressursattel hat lange und gerade Sattelblätter und unterstützt so das lange, gerade Bein beim Dressurreiten ideal.

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