Kappzaum – Zäumung einmal anders

Auf den ersten Blick sieht er aus wie ein Halfter – doch der Kappzaum, dessen Herz sich gewissermaßen auf dem Nasenrücken Deines Pferdes befindet, ist viel mehr als ein schlichtes Halfter. Er ist eine Zäumung, die es – auch ohne Gebiss – durchaus in sich hat. Willst Du wissen, was den Kappzaum so wertvoll macht und worauf beim Arbeiten mit Kappzaum unbedingt achten solltest? Dann vermittelt Dir dieser Blog-Beitrag alle wichtigen Informationen zu dieser traditionellen Art der Zäumung und ihrer Verwendung.

(Kapp)-Zaum für den Kopf – was ist anders als bei einer Trense?

Der Kappzaum ist zunächst einmal eine Zäumung, die in aller Regel ohne Gebiss verwendet wird. Die Kommunikation mit dem Pferd erfolgt beim Kappzaum also nicht wie bei Trensenzäumungen mittels Gebiss über das Pferdemaul. Die Hilfengebung erfolgt in erster Linie über die Nase des Pferdes. Dafür zeigt sich das „Herz“ des Kappzaums, das Nasenstück verantwortlich. Dieses Nasenstück gibt es in verschiedenen Variationen. Die unterschiedlichen Ausführungen bestimmen dann die Zuordnung des Kappzaums in die unterschiedlichen Kategorien und Modelle.

Die Unterschiede des Nasenstücks beziehen sich zum einen auf die „Füllung“ innerhalb der zumeist ledernen Ummantelung, zum anderen auf die äußere Polsterung. Auch die Form des Nasensbügels oder Nasenbands variiert von Modell zu Modell. Darüber hinaus haben manche Kappzäume Ganaschen- oder Backenriemen. Andere hingegen sind mit Kehlriemen versehen.

Der Grundaufbau eines schlichten Kappzaums ist ähnlich dem eines Halfters. Die Backenstücke, in die das Gebiss eingeschnallt werden, fehlen in der Regel – anders als bei der Trense. Viele Kappzäume kommen darüber hinaus ohne Stirnband aus.

Die „Schaltzentrale“ des Kappzaums ist dessen Nasenteil. Auf diesem Element sitzen Ringe in welche Longe, Hilfszügel oder Zügel eingeschnallt werden können. Meist befinden sich drei Ringe auf dem Nasenstück. Manche Modelle allerdings kommen auch mit einem Ring zum Einschnallen der weiteren Ausrüstung aus.

Blick auf die Nase – womit wirkt der Kappzaum

Beim Kappzaum gibt es Modelle, die vom Grundaufbau und von den verwendeten Materialien sehr soft wirken. Wenn man ein breites und abgerundetes Eisenstück in ein weiches Lederpolster versenkt dann ist die Wirkung des Kappzaums „entschärft“.

Manche Kappzäume sind mit einem sehr stabilen Nasenbügel versehen. Dieser besteht zumeist aus einem entsprechend geformten Eisenstück, das von Leder ummantelt ist. Es gibt allerdings – gerade in südeuropäischen Ländern – auch Modelle, bei denen der Nasenbügel ohne eine schützende Lederhülle blank auf den Nasenrücken des Pferdes einwirkt. Es gibt sogar Varianten, die noch einen Schritt weiter gehen und den auch als „Serreta“ bezeichneten Nasenbügel mit kleinen, spitzen Zacken versehen. Serreta heißt  übersetzt, „Kleine Säge“ und allein der Begriff weist klar darauf hin, dass es sich hier um eine unsäglich scharfe und aus unserer Sicht NICHT tolerierbare Form des Kappzaums handelt. Blutige, aufgescheuerte Nasenrücken und später vernarbte Bereiche auf der Pferdenase zeigen, mit welchen Schmerzimpulsen hier gearbeitet wird. Finger weg, von blanken Eisen mit scharfen Zacken!

Neben den Kappzäumen mit einem durchgängigen Nasenbügel gibt es auch Kappzaum-Varianten, die mit einem etwas flexibleren Nasenband arbeiten. Hier ist in der Regel eine Gliederkette von Leder ummantelt. Das Ganze ist überhaupt nicht weniger scharf als der fixe Nasenbügel. Dieses Modell lässt sich beim Verschnallen allerdings besser an den jeweiligen Nasenrücken anpassen, so dass es fest anliegt und nicht absteht.

Passender Kappzaum – volle Funktion

Wie bei jeder Zäumung, kann auch der Kappzaum nur funktionieren, wenn er korrekt verschnallt ist. Denn auch beim Kappzaum gilt es, die empfindlichen Stellen am Pferdekopf zu schonen, auszusparen und dort sensibel anzusetzen, wo der Kappzaum seine Funktion als Spezial-Zäumung entfalten kann. Wenn Du wissen willst, wie der Pferdekopf konstruiert ist und was ihn so besonders empfindsam macht, lies gerne unseren Artikel Pferde mit Köpfchen – der Pferdeschädel im Blick. Hier erfährst du alle wichtigen Basics zum Kopf Deines Pferdes und verstehst, warum es so wichtig ist, dass der Kappzaum perfekt passt und verschnallt wird.

Kappzaum verschnallen Schritt für Schritt

Wenn Du den Kappzaum aufgehalftert hast, passt Du den Nasenriemen so an, dass er ungefähr zwei Zentimeter unterhalb des Jochbeins liegt. Er darf auf keinen Fall auf dem knöchernen Jochbein liegen oder daran anstoßen! Der Bügel soll dicht auf der Nase aufliegen. Er darf nicht abstehen aber auch nicht zu eng aufliegen. Ein „zu eng“ ist auch beim Festschnallen des Nasenbügels zu vermeiden. Du darfst das Nasenteil nur so fest schließen, dass Dein Pferd weiterhin so viel Bewegungsspielraum hat, dass es gut kauen kann. Zu tief darf der Nasenbügel übrigens auch nicht liegen. Denn es gilt: Je tiefer der Kappzaum auf dem empfindlichen Nasenrücken des Pferdes liegt, desto schärfer ist seine Wirkung. Der Nasenbügel des Kappzaums sollte keinesfalls auf dem auf dem Nasenknorpel liegen!

Sicherer Sitz

Anschließend wird der Backenriemen verschlossen. Dieser muss – anders als der Kehlriemen bei der Trensenzäumung – ebenfalls fest anliegend verschnallt werden. Wenn Dein Kappzaum mit Kehlriemen aber ohne Backenriemen auskommt, muss der Kehlriemen entsprechend eng geschnallt werden. Das ist nicht optimal für Dein Pferd.

Warum Du den Backenriemen eng schließen musst? Dieser Backenriemen verhindert, dass die Seitenteile des Kappzaums ins Pferdeauge rutschen. Das kann sonst passieren, wenn das Pferd beispielsweise an der Longe, etwas nach außen zieht. Dann nämlich würde der Kappzaum bei zu lose verschnallen Backenriemen verrutschten.

Wenn Dein Kappzaum einen Stirnriemen hat, muss dieser ausreichend lang sein. Ein zu kurzer Stirnriemen zieht die Seitenteile des Kappzaums nach vorne, so dass sie an die empfindlichen Pferdeohren stoßen. Das ist für Dein Pferd sehr unangenehm. Auch beim Kappzaum sind Modelle mit ergonomischem Genickstück besonders zu empfehlen. Hier ist das Genick so geformt dass der Ohrenausschnitte den empfindlichen Pferdeohren genügend Spiel lässt.

Kappzaum im Gebrauch – darum ist die feine Hilfengebung so wichtig

Grundsätzlich setzt die Nutzung des Kappzaums idealerweise eine Schulung durch erfahrene, feinfühlige Hände voraus. Denn ein Kappzaum kommt zwar ohne Gebiss aus – und schont  daher das Maul Deines Pferdes – aber: Er ist dennoch eine Zäumung mit erheblicher Einwirkung auf Dein Pferd. Die Einwirkung des Kappzaums erfolgt über das Nasenteil. Und der Nasenrücken des Pferdes ist ein sensibler Bereich des Pferdekopfes. Je schärfer das Eisen innerhalb des Nasenbügels, desto achtsamer und feiner musst Du einwirken.

Jung, oder maulig? Hierfür eignet sich der Kappzaum besonders gut

Pferde die Probleme mit den Gebiss haben, weil sie entweder zu scharf getrenst worden sind, sich im Zahnwechsel befinden oder einfach unter Zahnproblemen leiden, kann man zwischenzeitlich sehr gut mit dem Kappzaum arbeiten. So wird das Pferdemaul geschont und auch den Einsatz eines Gebisses ist eine sehr intensive Hilfengebung möglich. Durch die besondere Einwirkung des Kappzaums eignet man den Kappzaum beispielsweise zum Longieren, zur Bodenarbeit, zur Arbeit am langen Zügel oder auch zum Korrekturreiten.

Top ausgerüstet an der Longe – warum der Kappzaum sich so gut zum Longieren eignet

Wir empfehlen, den Kappzaum anstatt einer Trense beim Longieren zu verwenden. Die Materialstärke bei der Trense, insbesondere die der Riemen oder des Backenstücks, ist im Grunde genommen nicht wirklich für das Longieren ausgelegt.

Ein weiteres Argument, das für den Einsatz des Kappzaums zum Longieren spricht, ist das enorme Einwirkungsspektrum, das vom Kappzaum ausgeht. Der Kappzaum wirkt auf den Nasenrücken ein und von dort weiter auf das Genick. Daher werden mit Hilfe des Kappzaums der Pferdekopf und weiterführend Hals und Wirbelsäule des Pferdes korrigiert. Es lässt sich mit Hilfe der Einwirkung über den Nasenrücken also die gesamte Pferdeposition vom Hals bis hin zur Hüfte beeinflussen – und das ganz ohne dass ein Reiter aus dem Sattel heraus das Pferd gymnastiziert.


Blick zurück – der Kappzaum hat Geschichte

François Baucher
François Baucher (Bildquelle: https://de.wikipedia.org/wiki/François_Baucher)

Blickt man zurück auf die Geschichte, so gibt es etliche Hinweise, die eine Verwendung des Kappzaums schon für die Bronze-Zeit belegen. Entstanden ist dieser gebisslose Zaum aus der damals üblichen Zäumung für Lastentiere wie Esel und Kamele.

Große Namen in der Historie des Pferdesports waren ausgewiesene Freunde des Kappzaums. Ob zum Longieren, zur Arbeit am langen Zügel oder beim Anreiten junger Pferde zogen sie den Kappzaum als gebisslose Zäumung dem Zaumzeug mit Gebiss vor. Dressur-Experten wie François Baucher, Salomon de la Broue oder auch der Deutsche Gustav Steinbrecht wussten, welch eine wunderbare Alternative dieser zur Trense darstellte. Seine absolute Hochphase hatte der Kappzaum übrigens während des Barock. Hier wurden zwar scharfe Kappzäume genutzt, diese aber in achtsamer Hand als präzise und besonders feine Hilfe. Heute ist der Kappzaum gar nicht mehr überall bekannt. Echte Profis aber schwören auf die alternative Zäumung als ergänzendes Zaumzeug zu den Klassikern Trense und Kandare.


Kappzäume von Kieffer – diese Modelle empfehlen wir

Wir haben in unserem Sortiment drei verschiedene Kappzaum-Modelle. Zwei schwere Kappzäume und einen etwas leichteren. Ganz wichtig: Wenn wir hier von „leicht“ und „schwer“ sprechen, so beziehen sich diese Angaben ausschließlich auf Gewicht bzw. Konstruktionsweise der Kappzäume. Es bedeutet nicht, dass die Kappzäume im Handling leichter oder schwieriger zu nutzen sind, oder dass die Einwirkung für das Pferd leichter oder schwieriger zu verstehen ist!

Schwere Modelle, ruhiger Sitz

Die beiden „schweren“ Kappzäume Anja Beran und Perfect sind beide mit festem Naseneisen ausgestattet, der bei uns noch einmal abgepolstert wird.

Der Kappzaum Anja Beran ist mit einem Ring für die Longe versehen. Das Modell Perfect verfügt über insgesamt drei Ringe und lässt somit eine zusätzliche Verwendung von Hilfszügeln zu. Sie setzen sich aus Genickstück, Nasen- und Ganaschenriemen zusammen. Letzterer verhindert das Verrutschen des Kappzaums und hält den seitlichen Riemen vom Auge fern.

Kappzäume dieser Art bieten viel Stabilität und helfen dem Pferd, beim Longieren in die richtige Stellung und Biegung zu gelangen. Soch ein Kappzaum mit Eisen ist etwas schwerer als eisenlose Kappzäume, was aber keinesfalls ein Nachteil ist. Denn dadurch ist ein besonders ruhiger Sitz ohne zu verrutschen und mehr Stabilität für das Pferd gewährleistet.

Diese beiden Kappzäume eignet sich für die Arbeit an der einfachen Longe, Doppellonge und für die Bodenarbeit für die Ausbildung junger Pferde, aber auch für die Bodenarbeit mit gut ausgebildeten Pferden.

Leichtgewicht für feine Arbeit

Der „leichtere“ Kappzaum Kieffer Ultrasoft® ist mit einer flexiblen Kette im Inneren des Nasenriemens ausgestattet und mit drei Ringen versehen. Insgesamt setzt er sich aus Genickstück mit Ohrenausschnitt, Nasen-, Ganaschen- und Stirnriemen zusammen und ist weich gepolstert. Bei Bedarf können für die Gebissnutzung zusätzliche Backenstücke mittels Karabiner eingeschnallt werden.

Durch die schmale Kette hat dieser Kappzaum eine präzise, direkte Einwirkung. Achtung: Das kann in falschen Händen durchaus sehr scharf sein. Deshalb ist dieser Kappzaum für eher fortgeschrittene Pferde und Longenführer geeignet. Dieser Kappzaum ist sehr flexibel und kann zum Longieren, für die Handarbeit, die Arbeit am Langen Zügel und an der Doppellonge sowie auch zum Reiten verwendet werden.

Feiner Umgang

Nun kennst Du die Besonderheiten eines Kappzaums und weißt, wie er in Grundzügen einwirkt. Achte immer darauf, dass Du den Kappzaum sehr feinfühlig einsetzt. Auch wenn er das Maul Deines Pferdes schont, weil er ohne Gebiss wirkt, so hat er doch ein erhebliches Einwirkungsspektrum, das über den sensiblen Nasenrücken Deines Pferde verläuft und sich von dort aus über den gesamten Pferdekörper erstreckt.

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