Weiche Zügelhilfen – so findest Du das richtige Gebiss

Vertrauensvoll lehnt sich Dein Pferd leicht ans Gebiss. Es kaut mit geschlossenem Maul und nimmt Deine feinen Zügelhilfen willig an. So sieht das Ideal der Anlehnung aus. Doch wie findest Du heraus, mit welcher Zäumung und welchem Gebiss Dein Pferd sich besonders wohl fühlt? In diesem Blogbeitrag erklären wir Dir, worauf Du achten musst, um ein maulfreundliches Gebiss auszuwählen. Das ist gar nicht so einfach, denn es gibt viele wichtige Faktoren rund um das Trensengebiss, auf die Du unbedingt achten musst und die weit über die reine Gebissform oder die verschiedenen Arten von Gebiss-Variationen für Pferde hinausgehen!

Die perfekte Verbindung von Reiterhand zum Pferdemaul hängt von zwei Dingen maßgeblich ab: Zum einen von einer ruhigen und feinfühligen Reiterhand, zum anderen von genau dem richtigen Gebiss, das in die passende Zäumung eingeschnallt wird.

Doch: Welches ist das richtige Trensengebiss für Dein Pferd? Welche Gebissform passt Deinem Pferd perfekt? Welche Gebissgröße musst Du wählen? Auf welchem Material kaut Dein Pferd am liebsten?

Es gibt viele Fragen rund ums Trensengebiss. Die Antwort, welches Gebiss Du für Dein Pferd wählen solltest, ist absolut individuell, denn sie hängt von einer Reihe wichtiger Faktoren ab:

Diese ACHT Faktoren bestimmen die Auswahl vom richtigen Trensengebiss

– Größe des Pferdemauls
– Form des Pferdemauls
– Zungendicke
– Empfindlichkeit des Pferdes
– Ausbildungsstand des Pferdes
– Reiterliches Können
Zaumzeug
– Einsatz-Zwecke

Bevor wir uns in einem besonderen Blogbeitrag mit der Wirkung der verschiedenen Gebisse beschäftigen, solltest Du wissen: Jedes Gebiss ist immer nur so gut wie die Reiterhand, die es führt. Voraussetzung: Das Gebiss muss zum Maul des Pferdes passen!

In unserem Blogreport Ins Maul geschaut – so fühlst Du Deinem Pferd auf den Zahn haben wir Dir die wichtigsten Infos rund um die Pferdezähne verraten. Mit diesem Fachwissen über die Zähne des Pferdes kannst Du sicherlich am besten verstehen, dass es bei der Auswahl von Gebissen nicht nur auf die Art und Form des Trensengebisses ankommt, sondern eben auch auf die anatomischen Gegebenheiten des Pferdemauls. Und die sind wirklich ganz individuell.

Deshalb ist es ein Fehler, ein Trensengebiss ganz allgemein zu empfehlen. Unsere Informationen zu den unterschiedlichen Arten der Gebisse, sind deshalb auch wirklich nur eine grobe Richtschnur.

Diastema – ist diese Zahnlücke extra fürs Trensengebiss?

Wenn Du ins Pferdemaul schaust, siehst Du zwischen den Schneidezähnen und den Mahlzähnen eine breite Zahnlücke. Diesen Freiraum nennt man in der Fachsprache Diastema.

Die Lücke zwischen den Vorderzähnen und den Backenzähnen hat die Natur im Laufe der Evolution natürlich nicht extra fürs Trensengebiss freigehalten. Deshalb ist und bleibt Gebiss, das der Reiter seinem Pferd ins Maul schnallt, auch immer ein „Fremdkörper“ – der dort an einer doch recht empfindlichen Stelle im Pferdemaul liegt. Hier, in diesem sensiblen Bereich, führen schon kleinste Unpässlichkeiten dazu, dass sich das Pferd mit dem Gebiss nicht wohl fühlt!

Autsch – welche schmerzhaften Schäden falsche Gebisse anrichten

Stört das Gebiss oder verursacht es sogar Schmerzen, führt das zu Maulproblemen. Diese beeinflussen nicht nur Wohlbefinden des Pferdes, sondern selbstverständlich auch die Rittigkeit. Falsche Gebisse, unpassende Gebissgrößen und der unsachgemäße Gebrauch können wirklich drastische Schäden im Pferdemaul anrichten!

Gequetschte Zahnleisten, geklemmte Zungen, gerissene Maulwinkel, blutende Gaumen, ja sogar gebrochene Unterkiefer – falsche Gebisse, unpassende Größen, oder auch der unsachgemäße Gebrauch verursacht diese schlimmen Schäden im Pferdemaul.

Egal, ob das unpassende Gebiss einfach „nur“ unangenehm ist oder ob es tatsächlich massive Schäden im Pferdemaul verursacht – das Pferd wird versuchen, dem Gebiss auszuweichen.

Es sperrt das Maul auf, zieht die Zunge über das Gebiss oder rollt den Hals so weit auf, dass der Reiter keinen Druck mehr aufs Gebiss bekommt.

Passende Gebiss-Größe, ruhige Reiterhand

Damit sich das Pferd mit dem Gebiss wohl fühlt und sich traut, das Gebiss anzunehmen, muss es perfekt passen und souverän gehändelt werden. Nur dann lehnt sich das Pferd im Sinne der klassischen Reiterei an und respektiert das Gebiss.

Wenn das Pferd maulig auf das Gebiss reagiert, solltest einen Experten das Maul Deines Pferdes kontrollieren lassen und Deine reiterliche Einwirkung überprüfen.

Diese fünf Gründe führen zu Maulproblemen durch das Pferdegebiss

– falsches Modell des Trensengebisses
– zur großes Gebiss
– zu kleines Gebiss
– unpassende Kombination aus Trensengebiss und Reithalfter
– unruhige Reiterhand

Mauliges Pferd – suche die Ursache(n)

Grundsätzlich ist es immer richtig nach organischen Ursachen zu suchen, wenn die Reiter-Pferd-Kommunikation nicht so funktioniert, wie man es sich vorstellt. Häufig werden zum Beheben dieser Probleme aber auch wiederholt Gebisse und Reithalfter gewechselt, obwohl es sich eher um reiterliches Unvermögen handelt. Gerade unerfahrene Reiter versuchen manchmal ihre eigene Unfähigkeit mit schärferen Gebissen zu korrigieren, anstatt sich selber besser auszubilden.

Das ist falsch!

Beim Einsatz der verschiedenen Gebisse solltest Du wissen: Viele Gebisse haben übrigens zunächst eine positive Wirkung, doch schon nach ein paar Tagen gibt sich das und es läuft genau so schief wie bisher. Es muss Dein Ziel sein, die Pferde so gut auszubilden, dass normale Gebisse völlig ausreichen. 

Blick ins Pferdemaul – so individuell sieht es aus

Kein Pferdemaul ist wie das andere: Pferde mit großen eher groben Köpfen haben ein größeres Maul als Pferde mit einem kleinen feingliedrigen Kopf. Es gibt Pferde mit breiter Maulspalte und Pferd mit schmaler Maulspalte. Manche Pferde haben ein fleischiges Maul, andere ein knochiges. Bei einigen Pferden ist die Zunge sehr dick, bei anderen eher dünn. Das ist tatsächlich individuell. Aber: Es hat große Auswirkungen darauf, wie viel Platz das Trensengebiss im Maul hat und wie intensiv das Pferde auf das Trensengebiss reagiert.

Maß nehmen – wie Du die korrekte Trensengröße findest

Um genau die richtige Größe für das Trensengebiss herauszufinden, solltest Du das Maul Deines Pferdes vermessen: Du musst ausmessen, wie breit Dein Trensengebiss sein muss und Du musst wissen, welche Gebiss-Dicke Du wählen musst.

Drei Wege um die Breite des Trensengebisses zu ermitteln

Um die korrekte Breite oder auch die Weite des Trensengebisses zu ermitteln gibt es drei Wege:

Nimm ein Strohband und lege es Deinem Pferd ins Maul. Ziehe es straff. An beiden Seiten der Maulwinkel sollten 0,5 Zentimeter überstehen. Nun miss die Bandbreite aus und Du hast die Länge für Dein Trensegebiss. Die richtige Länge ist wichtig, denn ein zu kurzes Gebiss klemmt die Lefzen Deines Pferdes ein. Ein zu langes Gebiss liegt unruhig im Maul und verkantet schnell.

– Lege Deinem Pferd ein extra großes Gebiss ins Maul. Ziehe es sanft in eine Richtung, so dass es auf einer Seite am Maulwinkel anlehnt. Auf der anderen Seite markieren Sie die Stelle, an der das Gebiss wieder aus dem Maul kommt. So haben Sie die Maulweite. Rechnen Sie einen Zentimeter drauf, damit das Gebiss auf jeder Seite einen halben Zentimeter übersteht. Das gilt übrigens nur für Gebisse mit frei beweglichen Ringen. Trensengebisse mit festen Seitenteilen sollten sanft anliegen und nicht überstehen.

– Leih Dir beim Fachhändler einen speziellen Gebissweitenmesser. Diesen gibt es in Pappe oder in Stahl.

Wie messe ich die Gebiss-Stärke – Der Zwei-Finger-Test

Um die Dicke vom Trensengebiss zu ermitteln gibt es einen einfachen Test: Für diesen „Zwei-Finger-Test“ legst Du die zusammengelegten Zeige- und Mittelfinger auf die Lade Deines Pferdes – und zwar genau an die Stelle vom Pferdemaul, an der das Trensengebiss platziert wird. Kannst Du einen deutlichen Druck von der oberen Maullade spüren, wähle das Gebiss in einer Stärke zwischen 14 und 16 mm. Haben Deine Finger hingegen noch genügend Platz, solltest Du ein etwas dickeres Gebiss wählen. Entscheide Dich für eine Gebissstärke zwischen 16–18 mm.

Welches sind die bekanntesten Trensengebisse?

  • Einfach gebrochene Trense
  • Doppelt gebrochene Trense
  • Olivenkopfgebiss
  • Stangengebiss

Achtung: Auch Trensengebisse unterliegen Trends. Es gibt eine regelrechte Gebiss-Mode. Denke immer dran: Die einfach gebrochene Trense hat sich über Jahrhunderte als besonders unkompliziert herauskristallisiert. Vor dem Flug, beim Fahren, beim Reiten in allen seinen Disziplinen.

Es gibt nicht grundsätzlich Gebisse, die mehr Schäden an den Zähnen oder der Lade des Pferdes verursachen. Sie müssen alle passen und richtig verschnallt sein und vor allem richtig angewendet werden. Ein Kunststoffgebiss ist sicherlich weniger scharf, als ein Metallgebiss; ein dickeres Gebiss weniger als ein dünneres; ein normales, doppeltgebrochenes Gebiss weniger als eine Kandare; aber: in der richtigen Reiterhand muss keines der aufgeführten Gebisse ein Problem für das Pferd sein.

Sorgfältige Verarbeitung – wann musst Du das Gebiss wechseln?

Egal für welches Gebiss Du Dich entscheidest: Es muss sorgfältig verarbeitet sein und darf keine Kanten haben. Alle Verbindungsstellen müssen abgerundet sein, so dass dem Pferd in keiner Hinsicht durch mangelhafte Verarbeitung Schmerzen zugefügt werden. 

Unser Tipp: Kontrolliere das Trensengebiss regelmäßig. Denn es zeigt mit der Zeit Gebrauchsspuren. Die Löcher in den Trensenschenkeln beispielsweise, durch welche die Gebissringe führen, schlagen mit der Zeit aus und werden scharfkantig. Solche alten, schon ausgeleierten Gebisse verletzen das Pferd vor allen Dingen an den Lefzen. Das ist schmerzhaft. Wechsel das Gebiss dann aus.

Fazit – Vertrauen und Harmonie

Das Pferd sollte dem Gebiss – nach einer kurzen Gewöhnungsphase – vertrauen und sich weich anlehnen.

Ganz entscheidend bei der Auswahl des Trensengebisses ist auch die Reiterhand. Eine feine Hand kann durchaus mit schärferen Gebissen effektiv und vorsichtig umgehen. Auf jeden Fall muss ein sinnvolles Miteinander von der Trensenzäumung und dem Trensengebiss beachtet werden.

Möchtest Du wissen, welches Reithalfter mit welchem Gebiss am besten korresponiert? Oder was interessiert Dich rund ums Thema Gebiss besonders? Die verschiedenen Formen der Trensengebisse? Die Materialien und Legierungen moderner Trensengebisse?

Wir freuen uns auf Deine Kommentare, denn das Thema Zäume und Reithalfter in Kombination mit Trensengebissen hat entscheidenden Einfluss auf das harmonische Miteinander von Deinem Pferd und Dir!

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