Sattelgurte
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Welchen Sattelgurt wähle ich für mein Pferd?

Der Sattelgurt gehört definitiv zum Basic-Equipment eines jeden Reiters – logisch, denn ohne Sattelgurt kann nicht gesattelt und gegurtet werden. Auf dem Markt ist eine Vielzahl an Sattelgurten in unterschiedlichsten Längen, Formen und Materialien erhältlich. Um einen Überblick über das hiesige Angebot zu verschaffen und die Auswahl zu erleichtern, haben wir alles Wissenswerte zum Thema Sattelgurt in diesem Artikel zusammengestellt.

Der Sattelgurt ist von besonderer Bedeutung

Glücklicherweise wird dem Sattel sehr viel Aufmerksamkeit in Bezug auf Passform geschenkt, da hier die Probleme, die ein nicht passender Sattel mit sich bringt, vielen bekannt sind: falsche Druckverteilung, verspannte oder gar atrophierte Muskulatur oder Schwierigkeiten beim Reiten. Der passende Sattelgurt wird leider oft eher stiefmütterlich behandelt und nebenbei beim Sattelkauf miterworben ohne sich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Der Sattelgurt ist jedoch kein nebensächliches Accessoire, sondern ein Stück Ausrüstung, welches ebenso wie der Sattel mit der Anatomie und der Empfindsamkeit des Pferdes harmonieren sollte.

In erster Linie dient dieser Ausrüstungsgegenstand der Fixierung des Sattels auf dem Pferderücken mit dem Zweck, den Sattel in der optimalen Lage zu halten. Je nach verwendetem Gurttyp, kann der Sattelgurt zur Optimierung der Sattellage beitragen – oder bei falscher Wahl und Anwendung auch kontraproduktiv entgegen wirken. Nicht nur die Sattellage kann in Mitleidenschaft gezogen werden, sondern ein falscher Sattelgurt verursacht Schmerzen am druckempfindlichen Brustbein, stört die Durchblutung der Brustmuskulatur, die Entfaltung des vollen Bewegungspotentials und kann dazu führen, dass das Gurten sich traumatisch manifestiert.

Demnach sollte das Zusammenspiel von Sattel, Sattelgurt und Unterlage als ganzheitliches, ineinandergreifendes System betrachtet werden.

Kurz- und Langgurte

In erste Linie lassen sich Sattelgurte zunächst in zwei Hauptkategorien unterteilen: in Kurz- oder Langgurte. Diese Unterteilung orientiert sich mehr oder weniger an der Länge der Gurtstrippen bzw. was für ein Sattel genutzt wird.

Als Faustregel gilt:

  • Dressursättel zeichnen sich durch ein langes Sattelblatt und lange Gurtstrippen aus. Der Reiter sitzt mit gestrecktem Bein im Sattel. Um den Druck durch das Bein im Bereich der Gurtschnallen zu vermeiden, kommt hier der Kurzgurt zum Einsatz.
  • Springsättel hingegen haben ein kürzeres, nach vorne geschnittenes Sattelblatt und kurze Gurtstrippen. Der Reiter sitzt angewinkelt im Sattel und der durch das Bein entstehende Druck wirkt nicht auf die Gurtlage. Hier wird ein Langgurt benötigt.
  • Bei Vielseitigkeitssätteln richtet sich die Wahl der Gurtlänge nach dem Schwerpunkt der Ausrichtung des Sattels – Dressur (Kurzgurt) oder Springen (Langgurt)

Die unterschiedlichen Gurtformen

Sattelgurte sind in verschiedenen Schnitten erhältlich, deren Wahl sich an den anatomischen Besonderheiten des Pferdes orientiert. Idealerweise sollte der Gurt mit gleicher Sorgfalt gewählt werden wie auch der Sattel, damit beides optimal aufeinander abgestimmt zum Körperbau des Pferdes passt und nichts drückt, scheuert oder verruscht.

Der gerade geschnittene Gurt

Der gerade geschnittene Sattelgurt ist die Standardform und ist durchgehend gleich breit geschnitten. Er eignet sich z.B. gut für Pferde wie Warmblüter und Sportpferde mit ebenmäßigem Körperbau und einer deutlich sichtbaren, ausgeprägten Gurtlage.

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Der anatomische Gurt

Der anatomisch geformte Sattelgurt ist im Bereich der Brust breiter geschnitten und läuft seitlich schmaler zu. Die verbreiterte Auflagefläche am Brustbein sorgt für eine bessere Druckverteilung und die schmaler zulaufenden Enden geben dem Pferd im Bereich der Ellbogen mehr Bewegungsspielraum. Dieser Gurt eignet sich in der Regel für die meisten Pferde mit gut ausgeprägter Gurtlage mit ausreichend Abstand zum Ellbogen. Je nachdem wie das Pferd gebaut ist, sollte zusätzlich darauf geachtet werden, wie viel Raum der Sattelgurt einnehmen darf: es gibt breitere oder schmalere Ausführungen, dessen Einsatz sich danach richtet, wie eng das Pferd steht.

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Der asymmetrische Gurt

Asymmetrisch geformte Gurte sind auf der vorne liegenden Seite anatomisch und auf der hinten liegenden Seite eher gerader geschnitten. Der anatomische Rückschnitt im Ellbogenbereich ist etwas stärker ausgeprägt als beim anatomischen Gurt und das Pferd profitiert von mehr Auflagefläche im Bereich des Brustbreins. Dieser Gurttyp eignet sich für Pferde mit ellbogennaher sowie gering ausgeprägter Gurtlage, bei der ein Sattelgurt dazu neigt, zu weit vorne zum Liegen zu kommen.


Der Mondgurt

Der Mondgurt erinnert – wie der Name bereits verrät – ein wenig an die Form einer Mondsichel.  Diese besondere und im weiten Sinne auch anatomische Form ist sehr gut geeignet für rundrippige und bauchige Pferde, häufig in Kombination mit schmaler Brust, engem Stand und kürzerer Rückenpartie. Die Rippenwölbung beginnt bei diesen Pferden knapp hinter dem Ellbogen. Bedingt durch seine Form ist der Sattelgurt im vorderen Teil kürzer als der hintere und schmiegt sich dadurch sehr gut an den eher „rundlichen“ Pferdekörper an und verhindert ein Vorrutschen. Auch hier gibt es schmalere und breitere Varianten, die sich nach dem Platzangebot der Gurtlage richten.

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Sonderform: Der Stollenschutzgurt

Stollenschutzgurte sind vornehmlich im Spring- und Vielseitigkeitsbereich im Einsatz. Es handelt sich hier also um einen Langgurt mit einem stabilen Bauchlatz, der großflächig aufliegt, den Druck bestens verteilt und in erster Linie das Pferd vor Stollenverletzungen durch die Hufe beim Springen schützen soll. Durch das rasante Anziehen der Vorderbeine im Sprung wird mit dem Stollenschutzgurt vermieden, dass sich das Pferd selbst mit den Stollen tritt und verletzt.

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Mit oder ohne Elastik?

Elastikeinsätze im Sattelgurt tragen dazu bei, dass der Gurt bis zu einem gewissen Grad nachgibt. Diese Eigenschaft ist hilfreich für Pferde, die sich z.B. aufgrund von Sattel- oder Gurtzwang nicht gern gurten lassen oder für junge Pferde, die zunächst ans Satteln gewöhnt werden müssen. Leider verführt die nachgiebige Eigenschaft auch dazu, zu fest zu gurten. Es sollte immer sensibel und mit Bedacht gegurtet werden, damit das Pferd keine negative Einstellung gegenüber dem Angurten entwickelt.

Welches Material ist das richtige?

Wie auch in der Formbeschaffenheit gibt es bei Sattelgurten auch eine Vielfalt an verarbeiteten Materialien. Die meisten Gurte bestehen aus Neopren, Leder oder Kunstleder.

Neopren

Sattelgurte aus Neopren sind beliebt aufgrund ihrer weichen, flexiblen Eigenschaften. Bei empfindsamen Pferden mit sensibler Haut und vermehrter Druckempfindlichkeit ist ein Sattelgurt aus diesem Material eine gute Wahl. Neopren ist des Weiteren unempfindlich gegenüber Schweiß und zudem sehr pflegeleicht.

Leder

Sattelgurte aus Leder sind angenehm im Griff, weich, anschmiegsam und zugleich formbeständig, strapazierfähig und atmungsaktiv. Die Pflege von Ledersattelgurten ist relativ unkompliziert. Da Leder ein natürliches Material ist, punktet es zusätzlich mit hohem Tragekomfort, guter Verträglichkeit und langer Haltbarkeit.

Bei Kieffer kommt übrigens nur feinstes italienisches, vegetabil gegerbtes Leder zum Einsatz. D.h., dass für die Bearbeitung des Leders nur natürliche und ökologisch leicht abbaubare Gerbstoffe zum Einsatz kommen – das schont sensible Haut und auch unsere Umwelt.

SECU®

Bei Kieffer wird ein speziell entwickeltes Kunstleder, welches den Namen SECU® trägt, für mache Sattelgurte verwendet. SECU® verhält sich in Bezug auf Haptik, Optik und Tragekomfort ähnlich wie Leder. Zusätzlich bietet es noch weitere Vorteile: es ist antiallergen, atmungsaktiv und wasserabweisend zugleich. Was die Pflege betrifft, muss hier kein großer Aufwand betrieben werden und es sind keine besonderen Pflegemittel erforderlich: abwischen mit einem feuchten Tuch reicht in der Regel aus.

Gurtlage und -länge ermitteln

Sitzt der Sattel perfekt abgestimmt auf dem Pferderücken, weisen die Gurtstrippen quasi automatisch in Richtung Gurtlage. Ist man sich unsicher, kann man zusätzlich Hand anlegen und versuchen zu erfühlen, wo genau sich die Mulde befindet, an der sich die natürliche Gurtlage orientiert.

Tabelle mit ungefähren Maßen als Richtwert. Die Längen entsprechen dem Wert von Schnalle zu Schnalle gemessen.

PferdetypKurzgurt in cmLanggurt in cm
Shettysattelabhängig50 - 60 cm
Kleines Ponysattelabhängig65 - 75
Pony40 - 5080 - 105
Vollblut50 - 60110 - 120
Warmblut65 - 75125 - 140
Kaltblut80 - 95145 - 155

Um die benötigte Länge des Gurtes zu ermitteln, muss natürlich Maß genommen werden. Wie das geht und worauf zu achten ist, möchten wir an dieser Stelle kurz erklären:

  1. Die Gurtlänge lässt sich am besten ermitteln, indem man am gesattelten und gegurteten Pferd Maß nimmt.
  2. Beide Seiten sollten dabei gleichmäßig gegurtet sein.
  3. Gemessen wird von der einen zur anderen Seite der Unterkante des Sattelblatts.

Wichtig: insbesondere bei Kurzgurten sollten die Schnallen deutlich oberhalb des Oberschenkels liegen, um optimale Leistungsbereitschaft und Bewegungsabläufe zu ermöglichen und zu verhindern, dass das Pferd durch Anstoßen an die Schnallen wehtut oder gar verletzt.

Fazit

Wir hoffen, dass wir mit diesem Artikel einen guten Überblick erstellen konnten. Wenn ihr euch dennoch nicht sicher seid, lasst euch bezüglich der Passform des richtigen Sattelgurts für euer Pferd umfassend von einem Fachmann beraten.

Passt der Sattel allerdings nicht korrekt, nützt auch der beste Sattelgurt nichts um das „System Sattel“ in die richtige Balance zu bringen.