Herbstzeit ist Hustenzeit – Erste Hilfe für Pferde-Bronchien und Pferdelunge

Husten ist die häufigste Erkrankung beim Pferd. Probleme mit den Atemwegen machen mehr als ein Drittel der inneren Erkrankungen des Pferdes aus. Insbesondere der allergische Husten ist dabei auf dem Vormarsch und treibt die Rate der Hustenpferde rasch voran. Aber auch Husten in Folge einer Erkältung kommt gerade jetzt in der nasskalten Jahreszeit häufig vor.

Sind die Atemwege gereizt oder entzündet, hustet das Pferd. Erkältungen oder andere Infektionskrankheiten durch Viren oder Bakterien können ebenso Atemwegsprobleme auslösen, wie beispielsweise Schimmelpilze in Einstreu und Futter, oder Staubpartikel.

Husten als Reaktion auf all diese Auslöser, ist genau genommen keine eigentliche Erkrankung. Er ist zunächst einmal nichts anderes als ein Schutzmechanismus der Lunge: Alles, was nicht in die Lunge gehört, wird durch das Husten reflexartig wieder herauskatapultiert. Schleim, Staub, Pollen, Reizgase oder Futterbestandteile beim Verschlucken werden mittels Hustenreflex aus der Lunge befördert. Dieser Hustenreflex ist lebenserhaltend, um Dein Pferd vorm Ersticken zu schützen und die Lunge möglichst funktionsfähig zu halten

Erkrankt Dein Pferd akut an einer Erkältung, werden die Schleimhäute gereizt. Es kommt zu einer vermehrten Schleimbildung. Das Pferd versucht ihn abzuhusten. Doch häufig wird der Schleim sehr zäh und verbleibt in den Atemwegen, was schlimmstenfalls zu dauerhaften Atmungsproblemen führen kann.

Erkältung mit Husten

Während der nasskalten Jahreszeit leidet auch Dein Pferd häufig an einer Erkältung. Du erkennst eine Erkältung Deines Pferdes unter anderem an einem matten Erscheinungsbild: Dein Pferd scheint abgeschlagen und lustlos, es frisst möglicherweise schlecht. Häufig hat Dein Pferd in Folge der Erkältung auch Fieber (über 38,5 Grad/Celsius). Zudem deuten Nasenausfluss und geschwollene Lymphknoten auf einen akuten Erkältungsinfekt hin. Atemnot und Husten kommen noch hinzu. Ein Tierarzt muss Dein Pferd nun untersuchen und die entsprechenden Medikamente verschreiben. Entzündungshemmer, Schleimlöser und häufig auch bronchienerweiternde Arzneien kommen zum Einsatz. Bei einer ansteckenden Erkältung ist es wichtig, dass Du Dein Pferd von anderen Pferden isolierst, damit nicht der gesamte Pferdebestand erkrankt.

Erste Hilfe bei Husten

Zusätzlich zu der medikamentösen Behandlung durch den Tierarzt kannst Du einiges tun, damit Dein Pferd sich gut von seiner Erkältung erholt und keinen chronischen Husten behält. Diese Maßnahmen gelten auch zur Hustenprophylaxe:

Viel frische Luft

Eine Box mit Außenfenster ist bestens als Frischluftspender und zum Sonne tanken geeignet
Eine Box mit Außenfenster ist bestens als Frischluftspender und zum Sonne tanken geeignet

Zunächst einmal sollte man die Pflichtimpfungen gegen Influenza regelmäßig und termingerecht einhalten. Dann sollten die Pferde auch jetzt in Herbst und Winter möglichst oft raus an die frische Luft. Eine Box mit Außenfenster ist als Frischluftspender geeignet – aber nur dann, wenn diese Luftluke stets (also auch bei schlechtem Wetter) geöffnet bleibt. Frische, feuchte, und vor allem saubere Luft brauchen die Pferdelungen nämlich dringend, um sich immer wieder selber zu reinigen.

Kampf dem Staub

Damit die Luft in Gebäuden möglichst staubarm bleibt und Dein Pferd nicht unnötig belastet, muss beispielsweise der Reithallenboden regelmäßig gesprengt werden. Auch auf der Stallgasse müssen unnötige Staubverwirbelungen vermieden werden. Vor dem Fegen solltest Du die Stallgasse deshalb mit einer Gießkanne anfeuchten, so dass der Staub gebunden wird. Empfindliche oder bereits hustende Pferde stellt man am besten nicht auf Stroh, sondern auf entstaubte Späne oder spezielle Granulate.

Eine optimale Haltung und ein gesundes Stallklima sind Grundvoraussetzung für eine dauerhafte Lungengesundheit beziehungsweise für ein erfolgreiches Vorbeugen von Lungenkrankheiten. Pferde mit chronischer Bronchitis sind  besonders anfällig für eine akute Erkältung. 

Saubere Nahrung

Fertige Atemwohl-Kräutermischungen wie Bronchialkur sind besonders praktisch zu füttern. Darin sind wertvolle ätherische Kräutersamen, z.B. von Anis, Fenchel und Bockshornklee enthalten.
Fertige Atemwohl-Kräutermischungen wie Bronchialkur sind besonders praktisch zu füttern. Darin sind wertvolle ätherische Kräutersamen, z.B. von Anis, Fenchel und Bockshornklee enthalten.

Heu und Stroh und natürlich auch das Kraftfutter müssen von allerbester Beschaffenheit und völlig frei von Staub und allergieauslösenden  Schimmelpilzsporen sein. Das Kraftfutter von Hustenpferden kannst Du entweder mit Wasser oder – doppelt effektiv – mit Hustentee anfeuchten. Dem Krippenfutter kannst Du Hustenkräuter beimischen. Fertige Atemwohl-Kräutermischungen wie Bronchialkur sind besonders praktisch zu füttern. Minderwertiges Heu ist eine der gefährlichsten Hustenquellen überhaupt. Füttere deshalb also nur bestes Heu. Dieses weichst Du in einem Wassertauchbad gut ein. Mische dem Heubad einige Handvoll Viehsalz bei. Eventuell kannst Du alternativ zum Heu auf staubfreie und keimarme Heulage umstellen. Eingeweichte Heucobs kommen als Alternative ebenfalls in Frage.

Abwehr stärken

Wusstest Du schon, dass eine regelmäßige, kleine Gabe von hochwertigem Obstessig ein kostengünstiger und sehr effektiver Abwehrkräfte-Turbo sein kann?
Wusstest Du schon, dass eine regelmäßige, kleine Gabe von hochwertigem Obstessig ein kostengünstiger und sehr effektiver Abwehrkräfte-Turbo sein kann?

Vorbeugen ist besser als heilen. Die Prophylaxe gegen Hustenerkrankungen beginnt mit möglichst viel frischer Luft und möglichst wenig Staub und Ammoniak. Zudem hilft eine intakte Körperabwehr, mögliche Erkältungserreger, die zu Husten führen, in Schach zu halten. Doch die Körperpolizei ist gerade während der nasskalten Jahreszeit häufig nicht ganz auf der Höhe. Ein angeschlagenes Immunsystem nutzen die fiesen Infektionserreger aus, um Dein Pferd zu kränken, und zwar sowohl für eine Infektion als auch für eine beginnende Allergie. Stärken kannst Du die Abwehrkräfte in dem Du der täglichen Futterration je einen kräftigen Schuss Essig beifügst. Hochwertiger Obstessig ist nämlich ein kostengünstiger und dabei sehr effektiver Abwehrkräfte-Turbo!

Zwar brauchen akut erkältete Pferde zunächst Ruhe, das bedeutet aber nicht, dass man sie im kuscheligen Mief ihrer Box stehen lässt und auf Gesundung hofft. Führe Dein Pferd regelmäßig einige Minuten ruhig an der frischen Luft. Später, wenn die akute Erkrankung überwunden ist, wird Dein Pferd leicht gearbeitet.

Beim Fressen mit tiefem Hals und Maultrakt können eventuelle Verschleimungen am besten gelöst werden und fließen gut ab. Deshalb ist das „Grasen lassen“ für Husten erkrankte Pferde auch besonders wichtig! Aus demselben Grund bietet sich auch die Fütterung des Kraftfutters aus einem geeigneten Behälter am Boden an.

Ein effektiver Weg zum Entschleimen ist eine angepasste Bewegungsarbeit, sobald das Pferd dazu fit genug ist und Dein Tierarzt sein Okay gegeben hat.  Insbesondere beim Vorwärts-Abwärts-Reiten im Trab lösen sich hartnäckige Verschleimungen und das Pferd hustet ab. Auch ein Galopp, bei dem das Pferd kräftig durchatmen muss, taugt zur Selbstreinigung der Lunge.

Achtung: Das Pferd zu schnell nach einer Atemwegserkrankung wieder intensiv zu arbeiten, ist ein grober und sehr kurzsichtiger Fehler. Ein unüberlegter Fehlstart führt nicht selten zur chronischen Bronchitis, die bis hin zur Dämpfigkeit führen kann. Deinen pferdesportlichen Ambitionen wird so dauerhaft die Luft genommen.

Chronische Bronchitis durch Überlastung

Nur, wenn die Lunge beim tiefen Durchatmen zur Arbeit angeregt wird, bleibt die Lungenfunktion weitgehend erhalten und der Selbstreinigungsmechanismus kommt in Gange. Warum das so ist? Die Lunge sammelt je mehr Schleim, je weniger sie arbeitet und ventiliert wird. Ohne Arbeitsimpuls für die Lunge versackt der Schleim dort. Aber Achtung: Die Belastung darf nicht in eine Überlastung der geschädigten Lunge ausarten! Kommen hustenkranke Pferde in Atemnot und müssen die Luft in schwer pumpend aus der Lunge pressen, wird der Atmungsapparat Deines Pferdes in erheblichem Maße geschädigt: Es kommt zu einem sogenannten Lungenemphysem. Hierbei verlieren die Lungenbläschen an Elastizität und können die sauerstoffarme Luft nicht mehr ausreichend ausatmen. Während des nächsten Einatmens ist also nicht mehr genug Platz, um mit einem tiefen Luftholen frische Luft in die Lungen zu befördern. Es strömt also nur noch wenig neue, sauerstoffreiche Luft in die Lunge. Dadurch drohen Sauerstoffmangel und Atemnot. Diesen chronischen Krankheitszustand nennt man Dämpfigkeit. Diese Erkrankung ist nicht mehr heilbar und Dein Pferd ist nur noch eingeschränkt einsatzfähig.

Tief durchatmen beim Inhalieren

Nur hochwertige ätherische Öle, z.B. von Thymian, Salbei, Anis oder Fenchel, sollten zum Inhalieren verwendet werden
Nur hochwertige ätherische Öle, z.B. von Thymian, Salbei, Anis oder Fenchel, sollten zum Inhalieren verwendet werden

Zum Schleim lösen und Husten lindern kannst Du Dein Pferd inhalieren lassen. Wenn Du keinen speziellen Inhalator zur Hand hast, kannst Du einfach einen Eimer mit heißem Wasser befüllten und Atemkräuter oder ätherische Öle beimischen. Befestige ein großes Handtuch am Halfter Deines Pferdes und bedecke damit den Eimer. Das Wasser muss dampfen, darf aber nicht zu heiß sein. Beachte also die Reaktion Deines Pferdes während des Inhalierens. Verwende zum Inhalieren nur hochwertige ätherische Öle von Thymian, Salbei, Anis oder Fenchel. Minderwertige Öle können Allergien auslösen. Inhalatoren funktionieren mit einer Kochsalzlösung. Da die heutigen Hightech-Inhalatoren die Luft so mikroskopisch fein verwirbeln, dass sie ganz tief in die Lunge eindringen, sollte hier auf den Zusatz von ätherischen Ölen verzichtet werden.

Hustentee

Je 25 g Thymian, Salbei, Anis, Kamille, Malve, Huflattich, Spitzwegerich, Schafgarbe, Königskerze und Lungenkraut. Brühe etwa eine Handvoll Kräuter in einem Liter kochendem Wasser auf und lasse das Ganze rund zehn Minuten ziehen. Gieße ihn anschließend über das Kraftfutter. Ist er noch zu heiß, verlängere das Gemisch mit ein wenig Wasser, so dass die angegossene Kraftfutterportion handwarm vom Pferd gefressen werden kann.

Husten-Mash

– 1 kg Weizenkleie
– 1 kg Haferschrot
– 200 g gekochter Leinsamen
– 200 g Sonnenblumenkerne
– 200 g Kräutermischung (Hustenmischung)
– 50 g Mineralfutter

Koche die Leinsamen 20 Minuten. Mische die Weizenkleie mit heißem Wasser zu einem Brei und füge die anderen Zutaten hinzu. Lasse das Ganze zirka fünf Minuten ziehen und fülle es schließlich mit kaltem Wasser auf, so dass der Brei nur noch handwarm ist. Verfüttere den leckeren Hustenbrei möglichst sofort.

Gesund gewickelt

Ein altes und kostengünstiges Hausmittel gegen Husten sind feuchtwarme Wickel oder auch Senfumschläge. Für die feuchte Variante weichst du zwei Handtücher in warmem Wasser ein und umwickelst damit die Kehlkopfregion Deines Pferdes. Über die zwei nassen Lagen kommt zur Befestigung ein größeres, trockenes Tuch. Der Senfumschlag für hustende Pferde muss nicht extra umwickelt werden. Hier reicht es, eine Paste aus Senf und Essig außen auf und um den Kehlkopf herum mehrmals täglich aufzutragen.

Lunge unter der Lupe

Aus mehreren Millionen Lungenbläschen besteht die Pferdelunge, durch die während eines einzigen Atemzuges das zehnfache Volumen eines menschlichen Atemzuges strömt. Atmet das Pferd unter körperlicher Belastung, so strömen pro Atemzug rund 20 Liter Luft durch die Lunge. Hochgerechnet auf den Luftumsatz innerhalb einer einzigen Minute ergibt das eine Luftmenge von 1500 Liter Luft, die ein Pferd veratmet.

0 Kommentare zu “Herbstzeit ist Hustenzeit – Erste Hilfe für Pferde-Bronchien und Pferdelunge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.