Ins Maul geschaut – so fühlst Du Deinem Pferd auf den Zahn

Dass Dein Pferd gesunde Zähne hat, ist aus zwei Gründen besonders wichtig: Zum einen ist das intakte Pferdegebiss eine grundlegende Basis für die Gesundheit Deines Pferdes. Zum anderen ist die Zahngesundheit bei Deinem Pferd die entscheidende Voraussetzung dafür, dass Dein Pferd sein Trensengebiss zufrieden annimmt. Wir verraten Dir die wichtigsten Facts rund ums Pferdegebiss und erklären Dir, wie Du erkennst, ob Dein Pferd Probleme mit den Zähnen hat und was Du bei Zahnproblemen genau tun kannst.

Übrigens: Dieser Artikel bildet die fachliche Basis für den folgenden Beitrag „Zufrieden kauen – mit welchem Gebiss sich Dein Pferd besonders wohl fühlt“.

Wie das Gebiss Deines Pferdes aufgebaut ist

Querschnitt des Pferdegebisses – Hier ist die Lücke, durch die das Gebiss geführt wird – das Diastema – gut zu erkennen.
Querschnitt des Pferdegebisses – Hier ist die Lücke, durch die das Gebiss geführt wird – das Diastema – gut zu erkennen.

Erwachsene Pferde haben zwischen 36 und 44 Zähne. Grob unterteilt man die Pferdezähne in Schneidezähne und Backenzähne. Zwischen den Frontzähnen vorne im Pferdemaul und den Mahlzähnen hinten haben Pferde eine auffällig große Lücke. Diese Lücke heißt in der Fachsprache Diastema. Als Reiter kann man sagen: Zum Glück gibt es die breite Lücke zwischen Schneide- und Backenzähnen, denn hier in diesem Freiraum findet das Trensengebiss Platz. Manchmal befinden sich in diesem Zwischenraum sogenannte Wolfszähne. Auch Hengstzähne kommen bisweilen vor. Wolfszähne und Hengstzähne sind nicht dasselbe – auch wenn beide Begriffe häufig verwechselt werden.

Wolfszähne und Hengstzähne – kennst Du den Unterschied?

Rund 80 Prozent aller Pferde haben einen oder mehrere Wolfszähne. Hierbei handelt es sich um kleine, häufig spitze Zähne, die vor dem ersten Backenzahn liegen. Sie sind in der Regel nicht sehr fest im Kiefer verankert. Dadurch wackeln sie schnell. Das bereitet dem Pferd Schmerzen bereitet – vor allem wenn das Pferdegebiss auf die Wolfszähne aufschlägt. Um Problemen vorzubeugen, empfiehlt es sich, den oder die Wolfszähne ziehen zu lassen. Das ist völlig unkompliziert und kann im Rahmen der obligatorischen Zahnkontrolle erfolgen.

Hengstzähne sind Kampfzähne, die üblicherweise nur bei männlichen Pferden vorkommen. Allerdings können auch Stuten kleine Hengstzähne entwickeln. Sie liegen hinter den Schneidezähnen. Hengstszähne werden nicht zum Kauen gebraucht. Sie können im Laufe der Zeit sehr spitz werden und zu Verletzungen der Zunge führen. Als Ansatzpunkt extremer Zahnsteinbildung können sie einen unangenehmen Entzündungsherd im Maul darstellen. Deshalb werden sie vom Pferdezahnarzt abgerundet. Hengstzähne werden anders als Wolfszähne beim Pferd selten gezogen.

Anatomie des Pferdegebisses auf einen Blick


Oberkiefer rechts:
Drei Schneidezähne, Diastema, sechs Backenzähne

Oberkiefer links:
Drei Schneidezähne, Diastema, sechs Backenzähne

Unterkiefer rechts:
Drei Schneidezähne, Diastema, sechs Backenzähne

Unterkiefer links:
Drei Schneidezähnen, Diastema, sechs Backenzähne

Lange Zähne – warum Pferde Probleme mit den Zähnen bekommen

Damit Dein Pferd das Trensengebiss problemlos annehmen kann, muss nicht nur die Lücke zwischen den Schneidezähnen und den Backenzähnen frei sein, die übrigen Zähne müssen auch tipp topp in Ordnung sein. Das ist aber nicht immer der Fall. Viele Zahnprobleme beim Pferd entstehen dadurch, dass die Zähne nicht genügend und nicht gleichmäßig abgenutzt werden. Warum dieser Abrieb so wichtig ist? Weil Pferdezähne anders als beispielsweise die Zähnen von uns Menschen nachschieben, auch wenn die Zähne im Alter von sechs Jahren bereits ausgewachsen sind.

Zu wenig Abrieb – weiches Futter macht Pferdezähne lang

Zwei bis drei Millimeter schiebt ein erwachsener Pferdezahn pro Jahr nach. Anders als vielfach beschrieben, ist das allerdings kein Nachwachsen. Die Pferdezahn schiebt sich tatsächlich Millimeter für Millimeter aus seinem Zahnfach heraus. Dieser Vorgang ist bei Wildpferden auch durchaus sinnvoll. Durch das Abrupfen und Zermahlen von harten Gräsern werden die Zähne stark abgenutzt. Würden die Pferdezähne also nicht nachschieben, hätten Wildpferde zu schnell nur noch kleine Zahnstummel im Maul, so wie das bei ganz alten Pferden auch der Fall ist.

Anders als wildlebende Pferde bekommen unsere domestizierten Pferde heute allerdings hochkonzentriertes und bereits zerkleinertes Kraftfutter. Der Raufutteranteil ist in der Regel portioniert. Die Zähne werden bei der modernen Pferdefütterung also nicht genügend beansprucht. Die Pferdezähne werde einfach zu lang. Das führt zu den typischen Zahnproblemen bei Pferden.

Haken und Kanten – typische Zahnprobleme beim Pferd

An den Backenzähnen bilden sich sogenannte Haken. Sie erschweren die reibungslose Vor-und Rückwärtsbewegung des Kiefers. Es kommt zur Kantenbildung an den Außenseiten der Oberkieferbackenzähne und an den Innenseiten der Unterkieferbackenzähne. Diese Haken und Kanten verletzen die Maulschleimhäute. Das ist extrem schmerzhaft für Dein Pferd. Zudem schränken sie die Seitwärtsbewegung des Kiefers ein.

Werden die Zähne Deines Pferdes nicht regelmäßig und professionell korrigiert, wachsen sich zunächst leichten Zahnprobleme schnell zu wirklichen Komplikationen aus: Es kommt zu Scheren-, Treppen- und Wellengebissen. Die Schneidezähne geraten in Schieflage, Zahnstein sowie Parodontose entstehen und die Kiefergelenke werden extrem strapaziert.

Zahnprobleme – so erkennst Du, dass Dein Pferd Probleme mit den Zähnen hat

Zahnprobleme beim Pferd zeigen sich nicht gleich. Anders als wenn ein Pferd lahmt oder eine Kolik hat, merkst Du die Schwierigkeiten, die Dein Pferd mit seinem Gebiss hat deshalb in der Regel erst, wenn Sie schon ziemlich massiv sind. Der Grund? Pferde leiden „still“. Sie fressen zunächst trotz schmerzhafter Probleme weiter. Erste Anzeichen können geben häufig unzerkleinerte Futterkörner im Pferdekot. Die Pferde nehmen ab. Häufig riechen die Pferde aus dem Maul. Einseitiger Nasenausfluss und deutliche Beulen an Ober- oder Unterkiefer sind dann schon ein echtes Alarmsignal.

Auch beim Reiten machen sich Zahnprobleme bemerkbar: Das Pferd reagiert „maulig“ auf das Gebiss, schüttelt den Kopf häufig, sperrt das Maul auf und nimmt die Zügelhilfen nicht mehr willig an. Darüber hinaus bekommt Dein Pferd deutliche Schwierigkeiten, sich im Genick zu stellen.

Die elf wichtigsten Anzeichen für Zahnprobleme beim Pferd

  • ganze Getreidekörner im Kot
  • während des Fressens fällt viel Futter aus dem Maul
  • Wickelkauen beim Heufressen
  • Abmagerung
  • häufige Koliken
  • Futterverweigerung
  • übler Geruch aus dem Maul
  • einseitiger Nasenausfluss
  • Schwellungen am Ober- oder Unterkiefer
  • Pferd nimmt Gebiss nicht mehr an
  • Rittigkeitsprobleme

Zahnkontrolle beim Pferd – einmal pro Jahr

Wenn Du bei Deinem Pferd also entweder die beschriebenen körperlichen Anzeichen bemerkst, oder es beim Reiten unwillig auf das Trensengebiss reagiert, lass die Zähne Deines Pferdes kontrollieren. Noch besser ist es natürlich, wenn Du diese Zahnkontrolle regelmäßig durchführen lässt – noch bevor solche Komplikationen überhaupt entstehen. Einmal jährlich sollte der spezialisierte Pferdezahnarzt das Gebiss Deines Pferdes kontrollieren und bei Bedarf die Zähne ein wenig in Form schleifen.

Zahnwechsel – wann Dein Pferd seine Zähen verliert

Auch junge Pferde müssen durch den Zahnwechsel. Der Zahnwechsel beim Pferde beginnt ungefähr wenn das Pferd zweieinhalbjährig ist und dauert bis etwa zu seinem fünften Lebensjahr.

Gerade während des Zahnwechsels müssen die Zähne sehr sorgfältig kontrolliert werden. Nicht immer klappt es mit dem Wechseln der Pferdezähne nämlich problemlos.

Es kann zum Beispiel vorkommen, dass eine Milchzahnkappe so verkantet ist, dass sie zwischen den Nachbarzähnen einklemmt. Nun sitzt sie fest und macht dem nachschiebenden bleibende Zahn keinen Platz. Weil die Milchzahnklappe also nicht einfach ausfällt und Raum für den erwachsenen Zahn des Pferdes macht, wächst dieser in die falsche Richtung. Er kann ja nicht durchbrechen und sich wie vorgesehen in der Maulhöhle des Pferdes platzieren. Statt dessen wächst er in den Kiefer hinein. Im Unterkiefer entstehen dadurch nach außen sichtbare Beulen. Im Oberkiefer drücken sich die falsch wachsenden Zähne in Richtung Atemwege und können dadurch die Atmung massiv behindern.

Gebisslose Zäume wie unser Modell Kieffer Ultrasoft® Kendra eignen sich super beim Zahnwechsel oder Zahnproblemen
Gebisslose Zäume wie unser Modell Kieffer Ultrasoft® Kendra eignen sich übrigens super beim Zahnwechsel oder Zahnproblemen

Doch das ist noch nicht alles: Wenn solch ein Zahn also gewissermaßen „fehlgeleitet ist“ und seinen Platz nicht zwischen den anderen Zähnen annimmt, hinterlässt er eine Lücke im Gebiss. Sein Zahn-Gegenspieler hat damit keinen „Partner“ zum Abrieb beim Kauen. Und er wird selbst bei ausreichend Raufutter schnell zu lang. Das stört das gleichmäßige Malen des Futters und das ebenmäßige abreiben der übrigen Zähne. Insgesamt haben die Pferde während des Zahnwechsels immer wieder kleiner Probleme im Bereich des Gebisses und nicht alle Youngster stecken den Wechsel der Zähne komplett ohne Schwierigkeiten weg. Manche haben zeitweise Schmerzen, andere reagieren mit Leistungsabfall und einem etwas angeschlagenen Gesamtbefinden. Darauf solltest Du beim Reiten Rücksicht nehmen. Entweder gönnst Du Deinem jungen Pferd dann einige Tage Pause oder Du reitest Dein Pferd ohne Gebiss.

Bis(s) ins hohe Alter

Alte Pferde haben häufig Probleme mit ihren Zähnen. Insbesondere Pferde-Senioren, bei denen die regelmäßige Zahnkontrolle stark vernachlässigt wurde, leiden unter auffälligen Fehlbildungen im Gebiss. Viele betagte Pferde zeigen eine extrem starke Wellenbildung, die nicht mehr komplett korrigiert werden kann. Da die Zahnlänge des Pferdes trotz des Nachschiebens begrenzt ist nutzen die Zähne nun ab und werden zunehmend kürzer. Pferdegreise haben nur noch Zahnstumpen im Kiefer, mit denen das Futter nicht mehr richtig gemahlen werden kann, weil die Zähne von Ober- und Unterkiefer nicht mehr schließen. Zudem lockern sich die Zähne bei alten Pferden und es kommt immer wieder zu Zahnausfall. Warum sich die Zähne bei älteren Pferden lockern? Der Zahn des Pferdes schiebt sich ja im Verlaufe des Lebens permanent aus dem Zahnfach heraus um den Abrieb auszugleichen. Dadurch verliert der Zahn des Pferdes zunehmend an Halt.

Wichtig ist, die Abstände der Zahnkontrolle bei alten Pferden nun deutlich zu verkürzen: Lass alle drei Monate eine sorgfältige aber schonende Korrektur des Gebisses vornehmen

Entscheidend ist auch: Die altersgerechte Fütterung Deines Pferdes mit eingeweichten Heucobs, speziell angepassten Senioren-Müslis, hin und wieder einer Mash-Kur und der täglichen Zugabe von hochwertigem Öl, wie beispielsweise Leinöl.

Weitere Fragen rund um die Pferdezähne

Nun hast Du einiges über das Pferdegebiss und mögliche Zahnprobleme beim Pferd gelesen. Wenn Du Nachfragen hast oder mehr über die Zähne Deines Pferdes wissen möchtest, schreibe uns gerne einen Kommentar.

Wusstest Du beispielsweise, dass auch Pferde Karies bekommen können? Auch dann muss der Zahnarzt konsultiert werden und die Löcher in den Zähnen Deines Pferdes säubern und füllen… Durch Tritte anderer Pferde können Pferde massive Schäden am Gebiss und am Kiefer erleiden – auch das ist ein Bereich, in denen der auf Zahnheilkunde spezialisierte Tierarzt zum Einsatz kommt.

Welches Trensengebiss am besten zum Gebiss Deines Pferdes passt, und worauf Du beim Auswählen und Anpassen unbedingt achten musst, das beschreiben wir in unserem folgenden Blogbeitrag „Zufrieden kauen – mit welchem Gebiss sich Dein Pferd besonders wohl fühlt“.

Unser Extra Zahn-Tipp: Gib Deinem Pferd regelmäßig Zweige zum Knabbern. Dadurch nutzen die Zähne in natürlichem Maße ab und bleiben kurz.

Hättest Du das gewusst?

… blinde Zähne sind solche, die unter dem Zahnfleisch verborgen unsichtbar im Kiefer ruhen. 

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