Achtung Gewitter – so bringst Du Dich und Dein Pferd bei Blitz und Donner in Sicherheit

Bestimmt kennst Du dieses Gefühl der drückenden Hitze, wenn die schwüle Luft Mensch und Tier ganz schön zusetzt und man sich einen Wetterumbruch geradezu herbei sehnt. Ein befreiendes Sommergewitter soll es richten. Doch: Auch wenn man auf frische Luft und kühlere Temperaturen hofft: Jedes Gewitter birgt für Pferde und Reiter eine Reihe von Gefahren. Wie Du Dich und Dein Pferd bei Gewitter in Sicherheit bringst, erfährst Du in diesem Beitrag.

Neun Millionen Blitze rasen pro Tag auf die Erde. Besonders viele davon im Sommer. Dabei kommt es immer wieder zu folgenschweren Unfällen, bei denen Pferd und Reiter zum Teil tödlich verletzt werden.

Risiko Gewitter – welche Unfälle passieren können

Beim Gewitter können Unfälle passieren, die direkt oder indirekt mit dem tobenden Unwetter in Verbindung stehen. Zu den Unfällen, die beim Gewitter drohen, gehören folgende Gefahren-Situationen:

Direkt-Einschlag

Der Blitz trifft Dich oder Dein Pferd direkt. Solch ein Blitzeinschlag ist in der Regel tödlich.

Überschlag

Du befindest Dich in der Nähe von einem Blitzeinschlag in ein hölzernes Objekt (beispielsweise in einen Baum oder Telegrafenmast) und der elektrische Schlag springt auf Dich über. Das passiert selbst über mehrere Meter. Mittelschwere bis tödliche Verletzungen sind die Folgen. Halte weiträumig Abstand.

Schrittspannung

Als Schrittspannung bezeichnet man die Spannung, der ein Mensch oder Tier ausgesetzt ist, wenn er im Freien in der Nähe eines einschlagenden Blitzes seine Beine auseinander stehen hat, etwa während er einen Schritt macht.

So entsteht die gefährliche Schrittspannung

Schlägt ein Blitz in den Boden, setzt er den umliegenden Untergrund gewissermaßen unter Strom. Weil der Boden für den Strom aber ein schlechter Leiter ist, sucht sich die Hochspannung wenn möglich einen leichten Weg, um sich auszubreiten. Die findet sie in einem Menschen mit „offenen Beinen“.

 „Findet“ der Blitz einen Menschen, der mit auseinander gestellten Beinen den Boden berührt ,so schießt die Elektrizität des Blitzes das eine Bein hinauf und das andere wieder hinunter. Diese Umleitung des Blitzes ist für den Menschen häufig tödlich.

Bei geschlossenen Beinen werden dem Blitz kompaktere Widerstände entgegen gesetzt. Insofern stellt ein Mensch mit geschlossenen Beinen keinen leichten Alternativ-Weg für den Blitz dar und er bleibt im Boden.

Noch gefährlicher als das breitbeinige Stehen oder Gehen bei Gewitter ist das Liegen auf dem Boden. Liegst Du ausgestreckt auf dem Boden, ist die Ausdehnung des Körpers am Boden besonders groß und die Gefahr der Schrittspannung enorm. 

 SCHÜTZE Dich vor der Schrittspannung, indem Du die Beine dicht zusammenstellst und Dich in die Hocke begibst.

Berührungsspannung

Wenn Du Kontakt mit einem metallenen Objekt hast, das direkt oder indirekt vom Blitz getroffen ist, trifft die gefährliche Spannung Dich oder Dein Pferd. Mittelschwere bis tödliche Verletzungen sind die Folgen.

Zu den indirekten Gefahrensituationen beim Gewitter gehören

  • Brand oder Explosion in Folge eines Blitzeinschlags
  • Umstürzende Bäume und Masten

Instinktive Schutzsuche – Pferde spüren das Gewitter kommen

Pferde wittern Blitz und Donner! Sie spüren ein herannahendes Gewitter noch ehe der Mensch selbiges bemerkt. Das jedenfalls behaupten die Biologen, die das Verhalten von Pferden in freier Wildbahn beobachten. Sie führen dazu eine Reihe von Beobachtungen auf.

So konnte man beispielsweise im Rahmen einer Forschungsreise in Italien beobachten, dass eine freilebende Pferdeherde bei schwülem Wetter ihr Weidegebiet am Bergkamm aus für die Forscher zunächst unverständlichen Gründen plötzlich und rasch verließ.

Die Gruppe zog sehr zügig ins Tal. Dort angekommen brach auch schon ein Unwetter mit starkem Gewitter über die Region herein.

Solche Begebenheiten wurden schon des Öfteren von Ethologen beschrieben. Sie vermuten, dass Pferde die Spannung, die vor einem Gewitter in der Luft liegt, spüren und sich instinktiv in Sicherheit bringen. Damit sind Pferde in der Tierwelt natürlich nicht allein. Früher verließen sich gerade die Landwirte auf die „tierischen Meteorologen“.

Falscher Schutz – Gefahr durch einzelne Bäume

Befinden sich Pferde auf einer weitläufigen ebenen Fläche, so suchen sie bei Gewitter gerne ein dichtes Wäldchen auf – das schützt nicht nur vor Sturm und Regen, sondern auch vor der Gefahr, vom Blitz getroffen zu werden. Diese Art des Schutzsuchens kann Pferden – wie übrigens auch Kühen und anderen Weidetieren – allerdings schnell zum Verhängnis werden: Wenn nämlich auf der Weidefläche nur einzelne Bäume oder kleine Baumgrüppchen stehen und die Tiere dort Schutz suchen, begeben sie sich durch ihr Verhalten in akute Gefahr!

Es ist dann nicht so, dass die Tiere dem direkten Blitzschlag erliegen, sondern sie werden Opfer der überspringenden Spannung, welche das Erdreich um den getroffenen Baum umfließt. Hier haben die Tiere offenbar keinen entsprechenden natürlichen Instinkt, der vor der Gefahr dieser besonderen Spannungsübertragung warnt

Hilfe durch Hochleistungsleitungen

Pferde, die auf Weideflächen in der Nähe von Hochspannungsleitungen grasen, sind klar im Vorteil. Die Hochspannungsleitungen ziehen die Blitze an und sorgen so für einen weitreichenden Schutz umliegender Pferdeweiden.

Schutz in Hütte

Wenn Du möchtest, dass Dein Pferd auf der Weide ganz sicher vor Gewitter ist, solltest Du Weidehütten aufstellen und diese mit einem Blitzableiter ausstatten. Ganz wichtig dabei ist, dass die Hütte entweder mit einer offenen Seite oder zumindest mit zwei Türen versehen ist und groß genug für die Anzahl der Pferde bemessen ist. (Informiere Dich hier beim Hersteller.) Nur so können auch die rangniederen Tiere dort Zuflucht finden.

Wenn diese Lösung nicht möglich ist, kann man auf der Weide Blitzableiter aufstellen, so dass diese die Blitze anziehen und die Pferdekörper nicht mehr die höchsten Stellen auf der grünen Ebene bilden. In diesem Fall musst Du aber zusehen, dass die Blitzableiter so abgezäunt sind, dass das spannungsgeladene Erdreich im direkten Umfeld des Blitzschutzes für die Pferde unzugänglich gehalten wird. Wie großflächig hier abgetrennt werden muss, weiß der Hersteller der Blitzschutz-Apparatur. Lass Dich am besten persönlich beraten.

Pferde rechtzeitig in den Stall bringen

Wenn Du Deine Pferde in der Nähe des Stalles hältst, kannst Du die Tiere bei Unwetterwarnung vor dem Gewitter in den sicheren Stall bringen. Das geht bei abgelegenen Zucht- und Sommerweiden natürlich nicht.

Ganz wichtig ist, dass Du Dich aktuell über den regionalen Wetterdienste oder auch den landwirtschaftliche Wetterberichte ganz genau über die Wetterlage informierst. Nur so kannst Du rechtzeitig handeln. Und das ist ganz besonders wichtig!!!

Hole Deine Pferde bei Gewitterwarnung rechtzeitig herein. Wenn das Gewitter schon zu nah ist, sind die Pferde häufig nervös und nicht mehr gut zu händeln. Manchmal sind sie so aufgeregt und unruhig, dass sie beim Hereinholen bei direkt drohendem Gewitter ausbrechen.

Deine Sicherheit geht vor – warum Du die Pferde während des Gewitters nicht rein holen sollst

Wenn das Unwetter bereits tobt, solltest Du die Pferde draußen lassen und nicht versuchen, sie während des Gewitters noch in den Stall zu bringen. Dabei begibst Du Dich selbst in Gefahr:

  • Du setzt Dich selber dem Risiko aus, vom Blitz getroffen zu werden.
  • Außerdem kann bei den Pferden eine Panik entstehen, und sie lassen sich nicht mehr führen, gehen kopflos durch und laufen Dir weg.

Runter vom Pferd – was tun, wenn Du beim Ausreiten vom Gewitter überrascht wirst

Auch wenn es immer wieder vorkommt, dass Weidepferde vom Blitz erschlagen werden, so ist es eher selten, dass Ross und Reiter beim Ausritt vom Blitz tödlich getroffen werden. Es gibt bei uns schließlich nicht so viele Regionen, in denen man als Reiter der höchste Punkt auf weiter Flur ist oder ein Unterstand nicht in erreichbarer Nähe ist.

Steuere das nächste Wäldchen an. Scheunen oder Schuppen bieten ebenfalls Schutz. Freistehende Bäume – egal ob Eichen oder Buchen solltest Du aber unbedingt vermeiden, denn der bekannte Spruch: „Eichen sollst Du weichen – Buchen sollst Du suchen“ ist definitiv nicht korrekt.

Wenn Du aber doch vom Gewitter überrascht wirst und kein passender Witterungsschutz in der Nähe ist, gilt: Runter vom Pferd.

Zum einen, um Deine exponierte Position auf dem Pferd aufzugeben.

Zum anderen, um nicht durch die extreme Schrittspannung des Pferdes verstärkt in Gefahr zu geraten.

Hocke Dich mit geschlossenen Beinen neben das Pferd und umfasse Deine Knie. So bietest Du wenig Angriffsfläche und eine nur geringe Schrittspannung.

Bist Du mit Freunden in einer Gruppe unterwegs, müsst ihr unbedingt einige Meter Abstand voneinander halten! 

Stopp mit Wettkampf – rechtzeitiges Aus auf dem Turnier

Wer auf einem Turnier von einem heftigen Gewitter erwischt wird, sollte seine Pferde schleunigst auf den Pferdeanhänger laden. Der ist nämlich – genau wie das Auto – ein sogenannter Faraday´scher Käfig, der als Abschirmung gegen die elektrische Entladung wirkt. Der Blitz fließt am Metall und Polyester über die Reifen ab in den Erdboden. Da die Energie des Blitzes immer den kürzesten Weg sucht, um in den Boden zu gelangen, nimmt er nicht erst den Umweg über den Pferdekörper. Der Schutz vor dem Blitz ist im Pferdeanhänger immer gegeben – unabhängig davon, ob die Klappe offen oder geschlossen ist.

Ein Wettkampf sollte frühzeitig abgebrochen werden, wenn ein Gewitter in Anmarsch ist. In erster Linie natürlich aus Gründen der Sicherheit. Nicht zuletzt aber auch wegen der Chancengleichheit. In einem tobenden Gewitter kann kein Pferd optimale Leistung bringen zumal viele Pferde – und auch Reiter – einfach aus Angst vor dem Gewitter nicht leistungsfähig sind.

Hufeisen – wann sich beschlagene Pferde bei Gewitter in erhöhter Gefahr befinden

Ob Pferde, die mit Hufeisen beschlagen sind einer höheren Gefahr ausgesetzt sind, vom Blitz getroffen zu werden, fragen sich Pferdehalter immer wieder. Die Antwort lautet: Nein. Ein direkter Blitzschlag trifft beschlagene Pferde genauso wie Pferde ohne Hufeisen

Aber: Wenn Pferde sich beispielsweise in der Nähe eines Baumes befinden, der vom Blitz getroffen wird und sich die Erde drumherum unter enormer Spannung befindet, dann ziehen Pferde mit Hufeisen diese tödliche Energie eher an, als solche ohne Beschlag.

Entfernung abzählen – wie weit ist das Gewitter noch weg

Um zu ermitteln, wie weit das Gewitter noch von Dir und Deinem Pferd entfernt ist, gibt es einen ganz einfachen Trick. Du zählst einfach die Sekunden, die zwischen dem Blitz und dem nachfolgenden Donner vergehen. Als Richtwert gilt die Drei-Sekunden-Regel: Drei Sekunden entsprechen der Entfernung von einem Kilometer.

Beispiel: Kannst Du zwischen Blitz und Donner neun Sekunden stoppen, so ist das Zentrum des Gewitters noch zirka drei Kilometer entfernt.

Tierische Wettervorhersage

Ameisen beispielsweise bringen ihre Eier flugs in den Ameisenhaufen, wenn ein Gewitter naht; Mistkäfer, verlassen ihre Arbeitsstätte, den Misthaufen, und suchen unter Laub Schutz noch bevor der erste Donner grollt und der erste Tropfen fällt.

Nordisch by Nature

Wenn Du in Norddeutschland wohnst bist Du – was das Gewitterrisiko angeht – auf der deutlich sicheren Seite als im Süden der Republik. An zehn Tagen kracht es durchschnittlich im Norden. 35 Gewittertage hingegen zählt man im Durchschnitt in Süddeutschland.

Nun weißt Du, wie Du Dich und Dein Pferd bei Gewitter am besten schützt. Möchtest Du mehr zum Thema Reiten und Pferdehaltung bei Gewitter erfahren? 

Wir empfehlen Dir den weiterführenden Link des VDE (www.vde-blitzschutz.com). Die deutschsprachigen Expertinnen und Experten im Blitzschutz haben die Verhaltensregeln bei Gewitter ausführlich und besonders übersichtlich aufgelistet.

Übrigens: Den meisten Gewittern geht eine große Hitze voraus. Welche coolen Helfer Dir und Deinem Pferd selbst die heißesten Sommertage erträglich machen, erfährst Du in unserem Blogbeitrag Coole Hilfe an heißen Tage – wie die große Sommerhitze Dich und Dein Pferd kalt lässt.

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