Buntes Training im Winter – Nur keine Langeweile

Der Winter steht vor der Tür und damit die Hallensaison. Damit das Reiten in der Halle nicht langweilig wird, geben wir Dir viele tolle Tipps, wie Du das tägliche Training mit Deinem Pferd auch während der langen Monate in der Reithalle so abwechslungsreich wie möglich gestalten kannst.

Ohne Frage, Pferde sind Gewohnheitstiere. Routine gibt ihnen Sicherheit. Häufiges Wiederholen sichert Gelerntes. Aber: Gerade pfiffigen Pferden ist auch schnell langweilig und sie beginnen abzustumpfen. Das bezieht sich nicht nur auf den Geist. Wenn Deinem Pferd zu langweilig wird, dann fehlt ihm auch der notwendige Input leistungsbereit mitzuarbeiten und sich im Training weiter zu entwickeln.

Für die Youngster unter den Pferden gilt genau dasselbe wie für alte Hasen: Nur wer aufmerksam ist, denkt mit und lernt dazu.

Und täglich grüßt das Murmeltier . . .

Vielleicht musst Du schmunzeln, wenn Du die folgende Szene liest. Vielleicht machst Du es ganz anders. Viel besser und abwechslungsreicher. Vielleicht aber erkennst Du Dich und Dein Pferd auch ein bisschen wieder:

Tag für Tag nach Schulschluss oder am Feierabend befreist Du Dein Pferd für eine kurze Stunde aus der langen Boxenruhe. Sauber putzt Du es von vorn nach hinten, erst links dann rechts; Du bandagierst, sattelst und trenst.

Die Stallgasse entlang, geht es nun während ewiger Wintermonate schnurstracks in die schummrige Gemütlichkeit der Reithalle.

Aufsteigen im Mittelpunkt, drei große Runden im Schritt – soviel Zeit muss sein.

Leichtraben: vorwärts, abwärts, ganze Bahn. Zehn Minuten lang immer schön rechts herum, die Bande entlang. Zehn Minuten lang immer schön links herum – auch die Bande entlang. Anschließend das versammelte Programm: Also, eine halbe Stunde mit wohlbekannten Lektionen an den vertrauten Bahnpunkten. Na prima – das klappt doch automatisch. Zügel aus der Hand kauen lassen und täglich grüßt das Murmeltier…

Liebgewonnene Gewohnheit oder tägliche Tristesse?

Routine ist gut, Langeweile nicht. Routine schafft Vertrauen, doch Langeweile stumpft ab. Gewohnheit schafft Gewöhnung, Abwechslung macht aufmerksam. Der Mix macht’s! 

Deshalb: Halte Dein Pferd – und auch Dich selbst – fit. Und zwar nicht nur körperlich, sondern auch geistig. Bringe Farbe ins graue Alltagsallerlei. Stelle für Dich und Dein Pferd ein buntes Arbeitsprogramm zusammen. Und gönne Deinem Vierbeiner auch darüber hinaus einen angenehm reizvollen Alltag.

Abwechslung JA, Chaos NEIN

Das hier ist natürlich kein Aufruf, den eingespielten Pferdealltag komplett aus den Angeln zu heben oder ihn völlig auf den Kopf zu stellen. Abwechslung im Pferdeleben bedeutet nun also nicht, ab jetzt montags dreimal und dienstags fünfmal zu füttern. Du solltest nicht morgen den Galopp fliegend wechseln, wenn Du gestern erst mit der Traversale begonnen, und heute die Piaffe neu ins Repertoire aufgenommen hast. Es geht vielmehr um sinnvolle Variationen des täglichen Trainings. Es geht um ein buntes und im wahrsten Sinne des Wortes eindrucksvolles Pferdeleben – und – es geht nicht um Chaos!

Aufgabe durchziehen

Manchmal muss man eben auch während eines im Grunde vielseitig ausgerichteten Wintertrainings etwas „zu Ende lehren“ und reiten. Zwar ist es auf Dauer langweilig, den blau-weißen Doppeloxer stur von rechts anzureiten, doch solange Dein Pferd beim Anreiten dieses Sprungs auf dieser Hand immer noch zögert, veränderst Du die Aufgabe nicht. Erst, wenn es genau dieses Hindernis auf genau diesem Weg entspannt und routiniert anzieht, beginnst Du mit Varianten. Reite das Hindernis von der anderen Hand an. Tausche die Unterstellteile aus. Reite durch Pylonen auf den Sprung zu. Integriere das Hindernis in einen Parcours, und, und und…

Dressurautomat oder rittiges Pferd?

Schon kleine Veränderungen sorgen bei der dressurmäßigen Ausführung von Lektionen für neue Aufmerksamkeit beim Pferd und Überraschung beim Reiter: Halte doch einmal nicht vorprogrammiert bei X, wenn Du das Halten auf der Mittellinie übst. Lege versuchshalber einen Zwischenstopp bei G ein. Geht dann bei X trotzdem der Pferdemotor aus und stoppt Dein Pferd hier, kannst Du sicher sein: Nicht durchlässige Rittigkeit, sondern schnöde Routine sorgte bislang fürs „Halten am Punkt“. Du wirst Dich wirklich wundern, wie oft tatsächlich die Macht der Gewohnheit die Zügel in der Hand hält, und gar nicht Du als Reiter.

Zu Besuch bei Freunden

Spannend für Pferd und Reiter sind auch immer wieder Ortswechsel. Gerade, wenn Du im Winterhalbjahr wenig auf Turnieren unterwegs bist, fällt Deinem Pferd in der heimischen Halle irgendwann die Decke auf den Kopf. Nimm Dir also die Zeit und arbeite Dein Pferd zwischendurch mal in einer fremden Umgebung.

Abwechslung beim Reiten

Ob geritten oder longiert, freigesprungen oder spazieren geführt wird, ob Du Dressur reitest oder springst, das entscheidest Du mit dem Ziel einen bunten, motivierenden, aber durchaus systematischen Arbeitsplan zu erstellen.

Pferde, die sonst dressurmäßig geritten werden, können während des abwechslungsreichen Trainings auch leichte Springgymnastik machen. Auch Freispringen ist eine tolle Abwechslung und hilft Dressurpferden auf die Sprünge. Achte darauf, dass Du Dein Pferd dabei nicht überforderst. Es soll schließlich Spaß und Abwechslung haben, aber keine gänzlich neue Sportkarriere starten. Springpferde können nun auch mal die ein oder andere Dressurstunde absolvieren. Das kommt letztlich der Rittigkeit zu Gute. Und: Pferde, die sich ausbalancieren und versammeln können, überwinden auch hohe Hürden leichter.

Cavalettis sind wohl jedem bekannt und werden gerne genutzt, um den Trainingsalltag zu bereichern. Darüber hinaus gibt es schier unendliche Möglichkeiten auch mit kleinen Dingen, Abwechslung in die Zusammenarbeit von Pferd und Reiter zu bringen und selbst an sich trockene Trainingsarbeit zum Gymnastizieren Deines Pferdes kurzweilig zu gestalten: Neben Stangen und Cavalettis kannst Du auch mal eine Planke zu Boden legen. Du kannst Kegel und Tonnen verteilen, die Du entweder umkurvst oder in Form einer aufgestellten Gasse durchreitest. So übst Du einerseits das Reiten auf gebogenen Linien andererseits das perfekte Einhalten einer Linie.

Online-Visit bei Experten: lesen, lernen, machen, lachen

Lust statt Frust, so könnte das Motto heißen, mit dem Du und Dein Pferd hochmotiviert und mit viel Spaß an Trainingsfortschritten durch diese Hallensaison reitest. Es gibt es viele interessante Ansätze, und spannende Aufgaben für Dich und Dein Pferd.

Nutze die Zeit, schaue über den Tellerrand und lass Dich inspirieren. Pferdeexperten aus nah und fern liefern Dir bewährte Rezepte gegen das graue Alltagsallerlei und für mehr Spaß am täglichen Training. Der pfiffige Pferdekenner von nebenan kommt mit kreativen Anregungen zu Wort und auch der sympathische Exot darf einige seiner Geheimnisse ausflüstern. Abgestimmt auf die Disziplinen, auf den Ausbildungsstand der Pferde und auf das sportliche Ziel gibt es Ratschläge, Denkanstöße für Reiter und neue Motivationsstrategien fürs Pferd. Also, recherchiere, google, schau Dich in Internetforen und auf Homepages um.

Und Du weißt ja: Unsere Infothek füllt sich wöchentlich. Freue Dich schon jetzt auf vertiefende Beiträge zu den Themen Longieren, Gelassenheitstraining, Bodenarbeit, Reiterspiele, Zirzensik und vielem mehr.

…und nach dem bunten Training

Viele Vierbeiner leiden in der grauen Winterzeit unter gähnender Langeweile. Sie sehnen sich nach ihrem täglichen Auslauf. Also, raus mit Deinem Pferd – es gibt kein schlechtes Wetter – nur die falsche Decke … 😉

Sind Dir die Bodenverhältnisse für unkontrolliertes Toben auf dem Paddock zu riskant, nimm Dir die Zeit zu einem gemeinsamen Spaziergang. Auch kannst Du Dein Pferd zusätzlich zum täglichen Reiten frei in der Halle laufen lassen, frei oder an der Longe.

Belebte Box

Alles, was die zähe Boxenruhe unterbricht, ist Gold wert. Hat Dein Pferd eine Box mit Außenfenster, sorge dafür, dass es zumindest tagsüber regelmäßig geöffnet wird. Öffne die Boxentür zur Stallgasse (in Absprache mit dem Stallbetreiber) und sichere sie mit einem speziellen Türgurt. So kann das Pferd das Geschehen im Stall besser verfolgen und hat, dadurch dass es den Hals nach draußen lang machen kann, eine vergrößerte Box.

Gegen Langeweile in der Box hilft außerdem Spielzeug. Kreativität gepaart mit Sicherheitsdenken kann ebenso für spielerische Abwechslung sorgen. Verpackt man einen ausrangierten Fußball ins Heunetz und legt ihn an die Kette, probt Dein Pferd vermutlich begeistert seine Kopfballstärke. Auch Stofftiere lassen sich freihängend gerne in Bewegung bringen. Natürlich freut sich der Boxenhocker auch über Zweige und Äste. Das Grünzeug kann er nicht nur von einer Ecke in die andere schleppen, sondern dabei noch genüsslich und mit gesundheitsfördernder Wirksamkeit abknabbern. Das Kauen von Zweigen ist gut für die Zähne und versorgt die Pferde zusätzlich mit Vitaminen, Mineralstoffen und ätherischen Ölen.

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