Fellwechsel beim Pferd im Frühjahr – Erste Hilfe in haarigen Zeiten

Tschüss, Winterpelz! Rein geht’s nun ins kurze, glänzende Frühlingsfell. Für Pferd und Pfleger eine ziemlich haarige Angelegenheit. Wie genau Du Dein Pferd beim Wechsel seines Felles am Ende des Winters am besten unterstützt, das liest Du in diesem Blogbeitrag. Denn: Der Fellwechsel ist körperlich wirklich anstrengend für Dein Pferd. Aber: Mit unseren Tipps kannst Du Deinem Pferd den Wechsel vom dicken Winterfell zum leichten Sommerfell wirkungsvoll erleichtern.

Wenn Pferde Haare lassen – wann beginnt der Fellwechsel?

Endlich: Die Tage werden wieder länger, es wird wärmer und die Luft duftet schon so ein wenig nach Frühling. Jetzt ist eine herrliche Zeit zum Reiten. Wenn, ja wenn das tägliche Pferdeputzen momentan nicht zum Haare ausraufen wäre. Sobald die Sonne an Kraft gewinnt, verlieren die Pferde ihr Winterfell in einer veritablen Fell-Lawine. Millionenfach rieselt all das, was gegen eisige Kälte so kuschelig wärmte, zu Boden. Überall Haare. Der dicke Pelz macht Platz für ein dünnes Sommerkleid. Das ist stressig für Ross und Reiter – und dauert schon viel länger als man eigentlich denkt: Denn: Der Fellwechsel beginnt fast unbemerkt meist schon Ende Januar. Grund hierfür: Es ist länger hell und genau dieses Tageslicht ist der eigentliche Auslöser für den Fellwechsel. Die Temperatur spielt nur eine untergeordnete Rolle. Es kann aber sein, dass einige warme Tage im Februar den Fellwechsel ankurbeln und eine späte Kälteperiode im März das Abwerfen der Haare vorübergehend stoppt.

Haare und Hormone – wer gibt das Signal zum Fellwechsel?

Es ist die Zirbeldrüse, die das Kommando zum Fellwechsel gibt. Diese Hormon-Drüse sitzt am Gehirn des Pferdes, produziert Melatonin und steuert unter anderem den Biorhythmus des Pferdes, die Bereitschaft zur Fortpflanzung und eben auch den Fellwechsel. Wenn diese Hirnanhangdrüse die Produktion vom „Schlafhormon“ Melatonin reduziert, „weiß“ Dein Pferd, jetzt ist es Zeit das Winterfell los zu werden.

Haarige Höchstleistung – was passiert im Pferdekörper?

Der Organismus des Pferdes verbringt jetzt eine wahre Höchstleistung. Noch bevor das Winterfell komplett abgestoßen wird, bilden sich unter der Hautoberfläche bereits die Sommerhaare. Die Haarwurzeln des Winterfells werden nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt und die Haarwurzeln lösen sich. So verlieren die Winterhaare ihren Halt und fallen aus.

Die Sommerhaare sind kürzer und feiner als die langen, dicken Winterhaare. Um sie aufzubauen, hat der Pferdekörper nicht nur einen erhöhten Energiebedarf, sondern er benötigt auch ein Plus an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. 

Extra-Bedarf beim Fellwechsel

  • Vitamine der A- und B-Komplexe,
  • Kupfer, Zink und Selen maßgelblich
  • Aminosäuren und ungesättigte Fettsäuren.

Durch das Zufüttern von speziell auf den Fellwechsel abgestimmten Kräutermischungen und Mineral-Futter kann man den Pferdeorganismus effektiv unterstützen. Auch Mash und Leinsamenprodukte, Biotin, Kieselerde und Bierhefe sowie eine extra Portion Äpfel und Möhren geben die nötige Power für die Pferdemauser und das gut gefütterte Pferd kann neue, seidig glänzende Haare produzieren.

Haare ausbürsten – welches Putzzeug hilft beim Fellwechsel?

Ein praktischer Helfer für Fellwechsel und sanfte Massage: das Kieffer Putzwunder mit drehbarem Griff und V-förmigen Gumminoppen
Ein praktischer Helfer für Fellwechsel und sanfte Massage: das Kieffer Putzwunder mit drehbarem Griff und V-förmigen Gumminoppen

Er juckt höllisch, der Fellwechsel. Gegenseitige Fellpflege auf der Weide wäre jetzt gut – aber viele Pferde sind ja eingedeckt…

Also ist der Pferdebesitzer gefragt, der dem Pferd mit speziellem Putzzeug nun ordentlich auf den Pelz rückt. Normale Kardätschen oder Wurzelbürsten und auch der klassische Nadelstriegel verfilzen beim Putzen während des Fellwechsels zu schnell und sehen nach wenigen Bürstenstrichen bereits aus wie „Dschungel am Stiel“. Besser geht es mit Putz-Bürsten mit weit auseinander liegenden Gumminadeln. Solche Putzwunder werden häufig zur Putz-Massage beim Pferd eingesetzt. Auch ein Gummistriegel oder eine normale Plastik-Haarbürste funktionieren prima. An ganz empfindlichen Stellen kann man die längsten Haarbüschel auch ruhig mal mit der Hand auszupfen oder mit einem Handschuh über die juckenden Stellen kreisen. Dazu brauchst Du übrigens nicht unbedingt einen speziellen Massagehandschuh, ein ganz normaler benoppter Gummihandschuh aus dem Haushalt reicht völlig aus.

Massage tut gut – warum eigentlich?

Nicht nur die Reinigung auch die erhöhte Durchblutung der Haut ist ein angenehmes Resultat intensiver Massagemomente. Wenn Du die Durchblutung durch die Massage ankurbelst, wird die Stoffwechseltätigkeit automatisch angeregt. Das führt zu einer besseren Nährstoffversorgung von Haut und Haar und kommt folglich dem Fellwechsel zu Gute.

Wenn Dein Pferd in der gut zwei Monate dauernden Periode des Fellwechsels zeitweise müde und matt wirkt, solltest Du beim Reiten zwischendurch einen Gang zurück schrauben. Sei Dir bewusst: Der Fellwechsel ist für Dein Pferd sehr anstrengend, es kann weniger Leistung bringen und ist anfälliger für Infekte!

Probleme mit dem Pelz – leiden Pferde beim Fellwechsel?

Ältere und kranke Pferde mit einem geschwächten Immunsystem haben häufig große Schwierigkeiten, ihren dicken Winterpelz loszuwerden. Grund dafür unter anderem: Organische Unterfunktionen. Für den Fall, dass auch entsprechende Futterzusätze nicht den erforderlichen Anschub für die Frühjahrs-Mauser bringen, hilft am besten der Griff zur Schermaschine. Sonst steht das Pferd im Hochsommer noch in seinem Winterkleid. Das juckt nicht nur tierisch, der Pferdekörper überhitzt dann viel zu schnell, erhebliche Kreislaufprobleme sind vorprogrammiert.

Ungebetene Gäste

Der Fellwechsel ist für Ektoparasiten, wie zum Beispiel Milben oder Haarlinge, ein gefundenes Fressen. Da diese Plagegeister sich von Hautschuppen, Absonderungen der Hautdrüsen sowie Haarteilchen ernähren, fühlen sie sich auf einem Pferd im Fellwechsel wie im Schlaraffenland. Zu erkennen sind Haarlinge leider sehr schwer, da die Anzeichen für einen Befall nämlich zu Beginn den Symptomen des Fellwechsels ähneln. Ein zunehmend stumpf und struppig wirkendes Haarkleid mit kahlen Scheuerstellen und ein extrem unruhiges Verhalten des Pferdes mit verstärktem Kratzbedürfnis geben Hinweis auf einen Haarlingsbefall. Auch Stecknadel große weißliche Stippen im Fell sind ein Indiz für Haarlinge, die ihre Nissen (Eier) ins Pferdefell kleben. Solch ein Pferd sollte man vorsichtshalber dem Tierarzt vorstellen. Großflächige Waschungen mit arzneiwirksamen Lotionen verschaffen hier Linderung. Ganz wichtig ist penible Sauberkeit im Umgang mit einem befallenen Pferd: Putz- und Sattelzeug dürfen wegen der Ansteckungsgefahr nie für ein weiteres Pferd benutzt werden! Auch sollte man die Pferde kurzfristig von Artgenossen isolieren.

Thermodecke statt Winterfell – wo bleibt der Fellwechsel?

Bei geschorenen Pferden merkt man das Umhaaren kaum: Das nachwachsende Fell tritt eben einfach nicht als dicker Winterpelz sondern als leichtes Sommerkleid hervor. Die Decke muss so lange aufgelegt bleiben, bis nicht nur das Sommerfell komplett vorhanden, sondern auch die Tagestemperatur angenehm wohlig ist.

Tipps:

Haare für die Vögel

Draußen zu putzen ist angesichts der dichten Haarwolken durchaus sinnvoll und entlastet die Atemwege der Pferdepfleger, wenn sie sich nicht gerade in den Gegenwind stellen. Die herumschwirrenden Haarbüschel werden von Vögeln dankend aufgepickt. Sie bauen damit ihre Nester und polstern diese weich aus.

Verstopfte Waschmaschinen

Nicht nur für Ross und Reiter ist der Fellwechsel durchaus mit Stress verbunden, auch die heimische Waschmaschine läuft nun zu Hochtouren auf. Speckige Pferdedecken und verfilzte Schabracken sind der Supergau eines jeden Waschautomaten. Du solltest also alle Ausrüstungsgegenstände schon vorreinigen. Bürste die Haare mit einer Hundebürste oder einer geeigneten Bürste für den Fellwechsel aus. Wenn Du einen Schwamm mit in die Trommel der Waschmaschine steckst, fängt der einen Großteil der umherirrenden Härchen ab, bevor sie das Flusensieb komplett verstopfen. Schwamm und Sieb solltest Du regelmäßig reinigen.

Weg mit den Wollpullis

Wer sich jetzt mit seinem guten Kaschmirpulli dem Stall nähert, ist selber Schuld! Hier findet nämlich jedes Haar halt. Am besten ist, wenn Du beim Putzen Kleidung mit glatter Oberfläche trägst. Der nie aus der Mode kommende, graue Synthetik-Putzkittel bietet den flirrenden Haarwolken am wenigsten Angriffsfläche.

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