Fruchtige Leckerbissen – wie gesund ist Obst für Pferde

Die Weidesaison ist vorbei, frisches Grün rar. Dennoch muss das Futter für Dein Pferd nun nicht nur aus körnigem Krippenfutter und Heu bestehen. Mit Obst kannst Du die Futterrationen gesund aufwerten. Welches Obst sich dafür besonders gut eignet und in welchen Mengen Du es füttern darfst, erklären wir Dir in diesem Blogbeitrag.

Leckere Lieblinge – Äpfel und Bananen

Äpfel und Bananen stehen schon lange auf dem Speiseplan unserer Vierbeiner. Aber auch Birnen, Orangen oder die ein oder andere Weintraube finden den Weg in die Krippe oder werden als Leckerli gereicht. Grundsätzlich sind die kleinen, süßen Vitaminhappen eine willkommene Abwechslung auf dem Speiseplan, die von den Pferden – manchmal nach Gewöhnung – gerne genommen werden.

Achtung beim Verfüttern von Birnen

Aufpassen musst Du unbedingt mit dem Verfüttern von Birnen. Von ihnen ist bekannt, dass sie im Darm nachgären und dadurch schmerzhafte Koliken auslösen. Diese Gefahr wird häufig unterschätzt. Da Birnen – neben den Äpfeln – häufig und ausreichend in den eigenen Obstgärten vorkommen, nimmt man dieses Kernobst gerne als Apfelersatz und füttert analog der empfohlenen Apfelmenge. Das ist zu viel und gefährlich! Also reiche Deinem Pferd Birnen nur stückweise und nicht mehr als zwei oder drei pro Tag.

Süß und saftig

Äpfel und Birnen, Bananen und Weintrauben kennen etliche Pferde. Aber auch Erdbeeren und Kirschen, Pfirsiche oder Pflaumen schmecken vielen Pferden richtig lecker. Sogar Exoten wie Mangos sind absolut beliebt.

Manchmal brauchen die Pferde ein wenig, um sich an eine neue Frucht zu gewöhnen, aber besonders die süßen und saftigen Früchte werden schnell gerne gefressen. Nur bei besonders sauren Zitrusfrüchten streiken einige der vierbeinigen Gourmets. Die vorherrschende Säure scheint ihnen den Geschmack zu verderben. Sind Mandarinen oder Orangen aber süß, dann werden auch sie gerne genascht.

 Tipp-Telegramm:

  • Fallobst, das sehr sandig ist, solltest Du vor dem Verfüttern abwaschen.
  • Die Früchte, die Du auch für Dich schälst, solltest Du immer auch für Dein Pferd schälen. Zwar sind manche Pferde so gierig, dass sie eine Banane in Gänze vertilgen, aber: Biete Bananen, Orangen und Mandarinen immer geschält an!
  • Zerschneide kleine runde Äpfel unbedingt in Stückchen. Wenn die Pferde die kleinen runden Früchte nämlich nicht ruhig kauen, sondern in einem Stück schlucken, besteht die Gefahr einer Schlundverstopfung. Größere Äpfel beißen die Pferde in der Regel selber durch.
  • Füttere die Obstrationen und das körnige Krippenfutter am besten getrennt! Warum Du Obst und Getreide nicht zusammen reichen sollst, ist einfach erklärt: Da Obst nicht so intensiv zerkaut werden muss, wie zum Beispiel Getreidekörner, verleiten Fruchtstücke die Pferde dazu, die Nahrung insgesamt nicht genügend zu zerkleinern. Sie orientieren sich an den bereits zerkauten Früchten und schlucken das Getreide unzureichend zerkaut hinunter. Wenn Du das Getreide als eingeweichten Mash-Brei verfütterst, kannst Du das Obst getrost dazu mixen.

Steine entfernen

Kleines Steinobst musst Du unbedingt entsteinen. Bei Pfirsichen oder Nektarinen spucken manche Pferde den Kern selber aus. Doch gerade hektische Fresser schlucken die Frucht mitsamt Stein. Wird der Stein mit runter geschluckt und eventuell zu viel von dem Steinobst gefüttert, kann das die Darmflora empfindlich aus dem Gleichgewicht bringen. Zum einen, weil Steinobst häufig sehr leicht gärt. Zum anderen, weil die Steine Giftstoffe enthalten.

Wenn der Wurm drin ist…

Äpfel und auch Birnen sind häufig wurmstichig. Wenn das Obst dadurch nicht schon faulig geworden ist, kannst Du die Früchte dennoch verfüttern – sogar ohne dass Du die Würmer entfernst. Denn wenn Du Kiloweise Obst verfütterst, ist die Menge an Würmern so gering, dass Dein Pferd davon keinen Schaden nimmt.

Dosiert verfüttern

Obst – egal welches – gehört nicht zu den Grundfuttermitteln des Pferdes und muss dosiert verfüttert werden. Wichtig ist zudem, die gesamte Obstmenge, die Du Deinem Pferd täglich vorsetzt, im Auge zu behalten.

Hast Du beispielsweise die maximal empfohlene Apfelmenge bereits gefüttert, solltest Du nicht noch einen bunten Eimer an Birnen, Beeren oder Trauben hinterher reichen.

WISSEN: Futterexperten kalkulieren einen normal großen Apfel pro 100 Kilo Körpergewicht Deines Pferds.

Auch die Menge an Rüben, Karotten oder roten Beeten hat Einfluss auf die Größe und Zusammensetzung des täglichen Obstangebots für Dein Pferd.

Leckerei – kein Vitamin-Ersatz

Viele Pferdebesitzer unterliegen dem Irrglauben, dass sie ihren Pferden mit großen Mengen an Obst viel Gutes zu tun. Doch: Obst ist für Dein Pferd tatsächlich nicht mehr als eine kleine sehr wohlschmeckende Leckerei. Du kannst weder den Vitamin- noch den Mineralstoffbedarf Deines Pferdes über die gezielte Obstfütterung positiv beeinflussen.

Ein ganz typisches Beispiel für dieses Futter-Missverständnis sind die Bananen. Sie gelten gerne als Magnesiumlieferant. Das ist im Grunde nicht falsch, gilt aber eher für den Reiter als fürs Pferd. Denn: Um einen etwaigen Magnesiummangel beim Pferd nachhaltig zu kompensieren, müsste das Pferd über einen längeren Zeitraum mehrere Kilo Bananen täglich fressen. Und da überwiegen die negativen Nebenwirkungen das Plus an Magnesium.

Wenn Du Deinem Pferd also so viele Bananen geben würdest, dass ein Magnesium-Mangel ausgeglichen würde, würde es unter anderem einen gesundheitsschädlichen Kaliumüberschuss erleiden. Darüber hinaus bedeuten zu viele Bananen eben auch ein deutliches Zuviel an Zucker! Und auch der Stoffwechsel wäre mit einer solchen Menge an Bananen völlig überfordert.

Achtung: Zucker

Überhaupt ist es der Zucker, der dem Verzehr von Obst die strengste Grenze setzt: Ein Zuviel an Obst stellt in der Regel keine Säure-Problematik, sondern eher eine Zucker-Problematik dar. Und gerade das Zuviel an Zucker macht vielen Pferde heutzutage ganz schön zu schaffen. Etliche Pferde leiden zunehmend unter Stoffwechselerkrankungen und sind insbesondere hinsichtlich Zucker empfindlich. Pferde, die beispielsweise zu Hufrehe neigen, reagieren hier besonders sensibel und können durch zu viel süßes Obst einen Reheschub erleiden. Ihnen solltest Du gerade süße Äpfel wirklich nur als besondere Belohnung reichen. Denn: Je süßer die Frucht, desto höher ihr Zuckergehalt.

Schwankende Zusammensetzung von Vitaminen und Mineralstoffen

Dass Vitamin- und Mineralstoffzufuhr sich nicht gezielt über fruchtiges Futter steuern lassen ist übrigens nicht nur eine Frage der Obstmenge, sondern auch eine Frage des schwankenden Gehalts dieser wichtigen Stoffe im Obst:

Bei der Mineralien- und Vitaminversorgung strebt man ja eine möglichst konstante und gleichbleibende Versorgung an. Im frischen Obst können die Gehalte sowohl nach Sorte als auch nach Reifegrad aber sehr unterschiedlich sein. Deshalb könnte man gar nicht genau wissen, welche Mengen an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenrelementen durch die Obstfütterung ins Pferd gelangen.

Hagebutten-Power

Hagebutte (Quelle: Wikipedia)
Hagebutte (Quelle: Wikipedia)

Eine Frucht straft die vorhergehenden Informationen aber Lügen – die Super-Power-Frucht: Hagebutte…

Hagebutten sind echte Vitamin C-Bomben und die haben es so in sich, dass schon eine tägliche Handvoll Hagebutten, die Gesundheit Deines Pferdes positiv beeinflusst. Fütterst Du täglich eine Handvoll Hagebutten, so stärkst Du die körpereigene Abwehr Deines Pferdes!

Achtung: Wenn Du die Hagebutten selber pflückst, solltest Du diese vorm Verfüttern waschen. Ihnen haften häufig Fuchsbandwürmer an.

Weide kontrollieren – hier lauern Risiken durch Fallobst

Pferde sollten ganz generell nie unkontrolliert Obst fressen! Denn neben der Menge muss man auch den Zustand des Obstes, das das Pferd aufnimmt, im Auge behalten:

  • Viel unreifes Obst kann zu Durchfall und Kotwasser führen und auch faulige oder schimmelige Stücke belasten den Stoffwechsel und steigern das Kolikrisiko.
  • Gerade Fallobst ist häufig von Wespen, Bienen oder gar Hornissen besiedelt. Hier drohen den Pferden schmerzhafte Stiche, die bisweilen einen dramatischen Allergieschock auslösen können.
  • Auch die Kontamination durch Vogelkot, durch den Kontakt mit Milben oder durch den Befall anderer Parasiten, der beispielsweise von der Berührung des Obstes durch Wildtiere herrührt, ist bei Fallobst nicht ausgeschlossen.
  • Ein weiteres Risiko geht von gegorenen Früchten aus: Vielleicht kennst Du die Episode, in der Michel aus Lönneberga sich und sein Schweinchen mit überreifen Kirschen in den Vollrausch versetzt und ja: Auch Pferde können durch den Verzehr überreifer Früchte neben einer Kolik einen tüchtigen Schwipps bekommen!
  • Auch wenn nun Nachtfrost einsetzt, ist Obst nicht ungefährlich. Gefrorene Früchte sind aufgrund ihrer Eiseskälte nicht gut für den Stoffwechsel und die Verdauung des Pferdes. Zudem verderben sie besonders schnell. Die Erklärung dafür: Obst ist sehr wasserhaltig. Bei Frost dehnt sich dieses Wasser aus und lässt die Zellen platzen – den Effekt kennt man von der Wasserflasche, die man im Winter im Auto vergisst… die Früchte faulen in der Folge schnell und werden ungenießbar.

TIPP: So schön beispielsweise eine Streuobstwiese im Frühling auch erscheinen mag, spätestens ab dem Hochsommer birgt sie etliche Risiken.

Trenne die Bäume also weitläufig durch sichere Zäune ab. Ansonsten musst Du das Fallobst regelmäßig absammeln!

Natürliche Kost

Pferde in freier Wildbahn finden in ihrer natürlichen Umgebung allerhand Obstbäume und -sträucher. Nicht nur die Früchte werden gefressen, auch Rinden und Blätter werden verzehrt. Diese Rinden sind in der Regel reich an Calcium, Kalium und Phosphor. Die Baumrinden liefern außerdem auch zahlreiche sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe. Gerade Beerenstrauchblätter finden in der naturbelassenen Kost gern und häufig den Weg in den Pferdemagen: Äußerst geschickt weiden die Pferde Himbeer- und Brombeerblätter aus dem dornigen Gestrüpp und verspeisen sie mit Vorliebe.

Obstbäume – Äste in Maßen

Äste von Obstbäumen werden Pferden gerne zur Beschäftigung in die Box gegeben. Dabei solltest Du darauf achten, dass es sich um nicht gespritzte Äste handelt, an denen Dein Pferd knabbert. Achte auch darauf, dass Dein Pferd nicht Unmengen an Ästen frisst. Ansonsten können die enthaltenen Faserstoffe (Lignocellulose) zu Verstopfungen und somit zu Verdauungsschwierigkeiten und sogar zu Koliken führen .

FAZIT: Obst in der Pferdefütterung ist ein gesundes und leckeres Extra. Nicht mehr und nicht weniger. Obstrationen ersetzen kein anderes Futtermittel und decken in keinen Fall den Vitaminbedarf Ihres Pferdes. Aber: Es bringt frische Impulse in die Pferdefütterung.

0 Kommentare zu “Fruchtige Leckerbissen – wie gesund ist Obst für Pferde

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.