Los geht’s mit dem Fellwechsel – wie Du das Winterfell beeinflussen kannst

Die Tage werden kürzer. Die Temperatur kühlt ab. Der Sommer klingt allmählich aus. Und schon ist es wieder so weit: Der Fellwechsel kündigt sich an. Das leichte und glänzende Sommerfell weicht Schritt für Schritt dem warmen Winterfell. In diesem Blog-Beitrag erfährst Du das Wichtigste rund um den Fellwechsel im Herbst und wie Du ihn beeinflussen kannst.

Sonnenuhr – das Licht bestimmt den Fellwechsel

Wann das Pferd anfängt, sein Winterfell zu schieben, kannst Du als Pferdehalter tatsächlich NICHT beeinflussen – denn das regelt der Organismus Deines Pferdes. Dabei orientiert er sich in erster Linie am Licht! Und erst „in zweiter Instanz“ an den Temperaturen.

Den Startschuss für das Sprießen der dichten Winterhaare gibt also nicht durch die etwas spürbar kühlere Temperatur, die Menschen nun zur Übergangsjacke greifen lässt, sondern in erster Linie durch die „Sonnenuhr“. Sobald nämlich die Tage wieder kürzer werden, schiebt Dein Pferd Winterhaar.

Dieses Winterfell des Pferdes entscheidet sich deutlich vom Sommerfell:

Sommerfell: Kurz, fein, glänzend

Winterfell: Dick, dicht, lang, etwas stumpfe Optik

Zwei-Schicht-Aufbau:

  1. Unterwolle: Wärmeisolation
  2. Oberhaar: Schutz vor Witterung wie Regen/Schnee/Wind

So wird das Winterfell – wie Du die Struktur vom Winterhaar beeinflussen kannst

Du kannst also nicht regeln, dass Dein Pferd anfängt, Winterfell zu schieben. Was Du allerdings beeinflussen kannst, ist: Das Winterfell selber!

Wie dicht und lang das Winterfell Deines Pferdes wird, kannst Du in gewissem Rahmen steuern!

Wenn Pferde frieren, wächst ihnen ein deutlich dickerer Winterpelz als wenn sie sich wohl temperiert fühlen. Auf Basis dieser Aussage kannst Du einiges tun, um zu verhindern, dass Dein Pferd bereits zu Beginn des Herbstes aussieht, als wolle es auf eine Expedition in die Antarktis!!!

Doch wie stellst Du fest, ob Deinem Pferd die Temperatur angenehm ist, oder es bereits fröstelt oder sogar reell friert?

Der Temperatur-Check

Ob es Deinem Pferd warm genug ist, erkennst Du unter anderem an folgenden Kriterien:

  • Aufgestellte Härchen im Hals- und Rumpfbereich weisen darauf hin, dass Dein Pferd fröstelt
  • Zitternd reagieren Pferde bei anhaltendem Frieren
  • Kalte Ohren

Ob dem Pferd kalt ist, kannst Du durch den Ohrentest überprüfen: Fühlt sich das untere Drittel des Pferdeohres kalt an, kann man davon ausgehen, dass Dein Pferd ein Wärmeplus benötigt.

Kein Problem mit Kälte

Pferde haben ein anderes Wärmeempfinden als der Mensch und können Temperaturen von minus 15 bis plus 25 Grad in der Regel gut aushalten. Nässe wird von ihnen als unangenehmer empfunden als Kälte. Die Komfort-Zone des Pferdes liegt bei (trockenen) Temperaturen um die fünf Grad Kälte, also deutlich unter dem Bereich, den wir Menschen als angenehm empfinden.

Kälte-King oder Frostbeule – welche Pferde frieren schnell?

Allerdings – und das wird gerade in der Robusthaltung auf Herbst- und Winterweiden oft vergessen – ist das Kälteempfinden bei Pferden ganz individuell.

Es ist grundsätzlich abhängig von

  • Rasse
  • Alter
  • Gewicht
  • Gesundheitszustand
  • Muskulärer Zustand
  • Gebrauch des Pferdes
  • gewohnten Haltungsform
  • Fütterung

Der Araber mit seinem feinen Winterfell friert schneller als das Shetty, oder der Isländer in seinem molligen Kuschelpelz; den Senior fröstelt es, wenn ein Youngster noch quietschvergnügt durch die Kälte springt und ein dürres Gerippe hat Frost weniger entgegen zu setzten als ein durch eine ordentliche Speckschicht geschützter Moppel.

Übrigens: Anders als das Winterfell von Ponys und Kaltblütern, schützt das der Warmblüter und vieler Vollblüter sie zwar gegen Kälte, aber nicht so gut gegen Nässe.

Nachteil: Dickes Fell

Wenn Du Dein Pferd während der kühlen Jahreszeit regelmäßig intensiv arbeiten willst, solltest Du verhindern, dass es ein zu dickes Winterfell bekommt. Denn unter dem Winterfell schwitzt das Pferd sehr schnell und trocknet dann nach dem Reiten nur sehr langsam. Durch das feuchte Fell kann sich das Pferd dann schnell eine Erkältung oder einen Husten zuziehen. Zudem ermatten die Pferde beim Training in ihrem dicken Winterfell schneller.

Es gibt zwei Wege das lange Fell zu bändigen oder den Wuchs eines sehr dicken Winterfells abzubremsen: Du kannst Dein Pferd scheren oder es insbesondere nachts und an kühlen, feuchten Tagen bereits jetzt rechtzeitig Eindecken.

Wenn Du Dein Pferd sehr früh im Herbst scherst, wirst Du nicht umhin kommen, es während der kalten, dunklen Jahreszeit noch mindestens ein – vielleicht sogar zweimal nachzuscheren. Das ist für viele Pferdehalter der Grund, warum sie versuchen, den Fellwechsel so heraus zu zögern, dass das Pferd möglichst lange im Herbst ungeschoren sportlich genutzt werden kann. Das funktioniert tatsächlich mit einem geschickten Deckenmanagement.

Pferde eindecken – das perfekte Deckenmanagement

Entscheidest Du Dich, Dein Pferd (bereits frühzeitig) einzudecken, musst Du wissen: Das ist eine durchaus künstliche Situation, bei der Du als Pferdehalter nun auf die äußeren Witterungseinflüsse reagieren musst. Du musst Dein Pferd nun bei Wärme oder Kälte, bei Feuchtigkeit oder Wind entsprechend eindecken oder eben auch zeitig genug wieder ausdecken!

Die pferdetypische Thermoregulation ist durch die Decke größtenteils außer Kraft gesetzt.

Du musst entscheiden: Ist die Decke dick genug oder ist es Deinem Pferd nun vielleicht zu warm? Gerade in den Übergangsmonaten ist dies häufig der Fall. Da variiert die Temperatur beispielsweise im Tagesverlauf extrem. Morgens ist es herbstlich frisch und abends kühlt es nun schnell runter. An schönen Tagen ist es aber um die Mittagszeit noch spätsommerlich warm. Hast Du Dein Pferd bereits morgens eingedeckt nach draußen gestellt, fängt es mittags möglicherweise an zu schwitzen. Dann fühlt es sich unter dem „Zweitfell“ – der Decke Deines Pferdes – hitzig und feucht an. Das kann darüber hinaus leicht passieren, wenn das Pferd draußen stark tobt.

Temperatur kontrollieren

Du musst das wirklich gut kontrollieren, denn nichts ist schlimmer als eine nasse Decke auf dem Pferderücken! Hier drohen nicht nur Erkältungen sondern auch muskuläre Schäden.

Wenn Du Dich entscheidest, Dein Pferd frühzeitig im Herbst einzudecken musst Du also Decken in diversen Stärken auf Lager haben und darauf achten, dass jede von ihnen perfekt sitzt und regenfest ist. Du musst zudem auch Deine Zeit im Blick haben. Kannst Du es überhaupt einrichten, tagsüber zu kontrollieren, ob Deinem Pferd möglicherweise unter seiner Decke zu heiß geworden ist?

Das sagt die Expertin

Mal schickt der Herbst seine kühlen Vorboten, mal erinnern laue Lüftchen an den ausklingenden Spätsommer – es herrscht das reinste Temperatur-Chaos… Viele Pferdebesitzer sind nun auf der Suche nach den perfekten Deckenvariationen.

„Aus veterinärmedizinischer Sicht sollten Pferde erst eingedeckt werden, wenn die Temperaturen zwischen 8 und 10 Grad Celsius liegen – wobei es natürlich auch auf die Wetterlage ankommt. Bei Regen und Sturm kann natürlich auch schon früher ein Eindecken sinnvoll sein“, sagt Nadia Merdian, Tierärztin an der renommierten Tierklinik im westfälischen Telgte. Sie sagt: „Auch das Eindecken im Stall ist von den dortigen Haltungsbedingungen abhängig. Stehen die Pferde in einem zügigen und feuchten Stall, so sollte deutlich früher eingedeckt werden, als wenn das Klima trocken aber kühl ist.“ Grundsätzlich wäre es besser, stünden Pferden eher ein wenig kühl, als dass sie unter einer Decke schwitzen. 

„Neben den Haltungsbedingungen spielt natürlich auch die Nutzung Deines Pferdes eine Rolle im Deckenmanagement: Beim Sportpferd, das permanent im Einsatz ist, sollte es das Ziel sein, das Fell möglichst kurz und wenig dicht zu halten, um das Pferd nach der Arbeit schnellstmöglich wieder trocken zu bekommen und nicht verschwitzt in die Stalldecke zu stecken. Hier hilft das frühe Eindecken mit einer Übergangsdecke, um das Haarschieben herauszögern. Zum anderen kann man auch die Struktur des Winterfells so beeinflussen, dass es nicht ganz so dicht sprießt. „Eine Decke verhindert ganz klar das natürliche Fellwechselbild des Pferdes“, so die Expertin und bestätigt damit den Einfluss eines gezielten Deckenmanagements auf den Fellwechsel.

Futter fürs Fell

Auch wenn Du nicht möchtest, dass Dein Pferd bereits in den nächsten Wochen wie ein Plüschteddy aussieht – es benötigt dennoch gerade jetzt ein Extra an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. Denn der Fellwechsel findet ja statt!

Neben den Vitaminen der A- und B-Komplexe, sind Kupfer, Zink und Selen maßgeblich an der Fellproduktion beteiligt, ebenso Aminosäuren und ungesättigte Fettsäuren.

Wir empfehlen, in der Phase des Fellwechsel eigens dafür zusammen gestellte Kombi-Präparate wie beispielsweise Kieselgur zu verfüttern. Darüber hinaus unterstützen Mash und Leinsamenprodukte, Kieselerde und Bierhefe Dein Pferd beim Fellwechsel.

Gepflegte Ausrüstung während des Fellwechsels

Während des Fellwechsels neigen Pferde häufiger als sonst dazu, an einem Hautpilz zu erkranken. Auch bekommen Sie schneller Scheuerstellen. Deshalb ist es sehr wichtig, dass Du bei Deinem Putzzeug und bei der Ausrüstung also bei der Sattelunterlage, beim Sattel und beim Zaumzeug auf Sauberkeit und Hygiene achtest. Wie Du Sättel und Zäume am besten säuberst, so dass sie auch im jetzt, wenn Dein Pferd sein Fell verliert und der herbstlichen Witterung trotzt, optimal gepflegt sind, kannst Du in dem Report Lederpflege – heiße Tipps für kalte Tage hier bei uns im KiefferMAG nachlesen.

Fazit

Es ist sicherlich keine ganz leichte Überlegung, ob Du Dich entscheidest, Dein Pferd früh im Herbst einzudecken, so in seine angeborene Thermoregulation einzugreifen und die Struktur des Winterfells zu beeinflussen. Wirklich empfehlenswert ist das eigentlich nur bei Pferden, die bis in den Spätherbst intensiv gearbeitet und auch auf dem Turnier sportlich genutzt werden. Hier fängt man zunächst mit dem Eindecken während der nun schon kühlen Nächte an. 

Wenn Dich die Themen Fellwechsel beim Pferd oder Pferde scheren interessiert, durchstöbere doch mal unser Archiv bereits veröffentlichter Beiträge. Dort findest Du u.a. wertvolle Infos zu den Themen Fellwechsel beim Pferd im Frühjahr – Erste Hilfe in haarigen Zeiten sowie Herbstliche Scherereien – Pferde scheren oder nicht.

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