Sattelfrei – Pause für Sportpferde

Ab in den Urlaub – Kleine Rosskur zur Entspannung

Auch Pferde brauchen Urlaub. Zumindest die, die regelmäßig gearbeitet und gefordert werden. Auf welchem Niveau spielt dabei keine Rolle. Alle müssen einfach mal abschalten. Das bedeutet nicht, dass Du Dein Pferd jetzt für einen Monat auf die Winterweide stellst und es nicht mehr anschaust. Die Auszeit ist vielmehr eine Phase aktiver Erholung für den Körper und eine Phase, während der Kopf und Nerven einmal zur Ruhe kommen dürfen. Dein Pferd hat nun gewissermaßen Stress frei!

Wie Du gemeinsam mit Deinem Pferd einen Monat aktiv relaxen kannst, um dann hoch motiviert mit dem konsequenten Wintertraining zu beginnen, das liest Du hier:

Bestimmt kennst Du das: Nach anstrengenden Wochen oder sogar Monaten in Schule oder Job bist Du urlaubsreif. Du fühlst Dich ausgelaugt, unmotiviert, lustlos. Und das nicht etwa, weil Du Deine Arbeit nicht magst, sondern, weil Du Dich verausgabt hast und nun etwas Zeit benötigst, um Deine Akkus wieder aufzuladen. Deinem Pferd geht es nach einer kräftezehrenden Turniersaison oder einer sehr intensiven Ausbildungsphase ebenso. Auch Pferde haben so etwas wie ein „Burn-out“. Das Grand Prix-Pferd genauso wie das A-Springpferd, nicht zu vergessen all die braven Schulpferde. Was jeder Vierbeiner also von Zeit zu Zeit braucht, ist: Erholung. Aktive Entspannung mit ganz viel Liebe und Wellness.

Gib Deinem Pferd die Gelegenheit, aufzutanken. Gönne ihm eine Rundum-Kur für Körper, Geist und Seele.

Anstrengende Turniersaison

Eigentlich sollte die Turnierphase grundsätzlich so geplant werden, dass möglichst keine Verschleißerscheinungen auftreten. Deshalb wären Pausen innerhalb der grünen Saison durchaus wichtig. Leider gönnt nicht jeder Reiter seinem Pferd den einen oder anderen Break während der Hauptsaison. Viele Pferde werden zu Dauerstartern und sind jedes Wochenende auf Wettkampf-Tour. Das kann zu physischer Erschöpfung und körperlichen Abnutzungserscheinungen führen. Nicht nur die vielen Starts sondern die häufig damit einhergehende Überforderung des Pferdes bedeutet Stress pur. An den Wochenenden müssen die Pferde im Wettkampf Leistung zeigen. In der Woche werden sie unter enormem Zeitdruck aufs nächste Level getrimmt. Schließlich möchte der Reiter schon bald eine Klasse höher starten.

Junge Pferde unter Stress

Gerade junge Pferde werden zu früh zu oft und auf zu schwierigem Niveau gestartet. Das Sprichwort „Immer langsam mit den jungen Pferden“ wird angesichts von lockenden Championaten zu oft außer Acht gelassen. Das führt nicht selten dazu, dass Pferde – schon in jungen Jahren – Turnierstress erleben, anstatt Turniere als interessante Abwechslung zu empfinden. Leistung und Ergebnisse werden dann häufig unter Druck nur produziert, anstatt sie als Ergebnis sachgerechter Ausbildung zu erringen.

All diese Probleme erfordern zunächst einmal eine entspannende Auszeit!

Eine aktive Pause im Anschluss an die Saison ist sinnvoll, um die Pferde wieder neu zu motivieren und gegebenenfalls geringfügige Gesundheitsbeeinträchtigungen auskurieren zu lassen

Erst Vet-Check, dann Urlaub

Bevor Du Dein Pferd in die erholsame Aktivpause schickst, vereinbare zunächst einen Termin mit Deinem Tierarzt zum genauen Vet-Check. Er kennt das Pferd genau und weiß, mit welchen Problemen es womöglich schon während der Turniersaison zu kämpfen hatte.

Muskulatur und das Herz-Kreislauf-System lassen sich im Rahmen einer Auszeit relativ rasch regenerieren. Da sieht es mit den „Berufskrankheiten“ von Sportpferden anders aus: Sehnenschäden bei Vielseitigkeitspferden, Hufrollenentzündungen bei Springpferden und Gleichbein- und Spatproblematiken an den Hinterbeinen von Dressurpferden treten bei starker Belastung auf und verlangen immer wieder Zeit zum Ausruhen und benötigen eine vernünftiger Regeneration.

Das gilt auch für verborgene aber äußerst häufige Stresssymptome von Pferden! Jedes dritte Sportpferd leidet unter schmerzhaften Magengeschwüren! Psychischer Stress mündet darüber hinaus in nervösen Zuständen und einer angegriffenen Allgemeingesundheit. Gestresste Pferde haben ein schwaches Immunsystem, sind sehr Husten anfällig.

Das alles sind gute Gründe für eine Auszeit, die Deinem Pferd die Möglichkeit gibt, sich rundum zu erholen, zu kräftigen und die körpereigenen Abwehrkräfte zu mobilisieren.

Lange Spaziergänge

Spaziergänge durch Wald und Flur mit dem Pferd an der Hand sind eine schöne Abwechslung zum Reitalltag
Spaziergänge durch Wald und Flur mit dem Pferd an der Hand sind eine schöne Abwechslung zum Reitalltag

Kennst Du das lustige Sprichwort: „Das größte Glück der Pferde, ist der Reiter auf der Erde“? Mit diesem Spruch im Hinterkopf kannst Du einen Großteil der aktiven Auszeit Deines Pferdes planen. Bleib also viel Zeit am Boden und „nimm selber die Beine in die Hand“: Spaziergänge durch Wald und Flur mit dem Pferd an der Hand sind eine schöne Abwechslung zum Reitalltag. Das schont nicht nur den Pferderücken, sondern bringt sie als Reiter konditionsmäßig ordentlich auf Trab. Zum führen kannst Du entweder eine gut sitzende Trense wählen oder ein stabiles Halfter mit Führkette. Auch ein Knotenhalfter eignet sich. Wenn Dein Pferd wirklich artig ist, kannst Du auch mit ihm joggen, oder es als Handpferd mit ins Gelände nehmen.

Balance zwischen Weidegang und Beschäftigung

Warum Du Dein Pferd nun nicht einfach in die Führanlage stellen solltest, um es bei Kondition zu halten? Der Bezug zum Menschen sehr wichtig. Halte deshalb auch während der Trainingspause intensiven Kontakt zu Deinem Pferd.

Dennoch hat sich Dein Pferd jetzt täglich einen mehrstündigen Weidegang verdient. Schicke es also gemeinsam mit Pferden, die es kennt und mag, nun einige Stunden länger an die frische Luft, als bei Euch üblich.

Was Du allerdings nicht machen solltest, Dein (Turnier-)Pferd im Anschluss an die Saison plötzlich Tag und Nacht draußen zu lassen. Dafür ist es nun zu spät, gerade weil die Temperaturen nachts schon unter den Gefrierpunkt sinken.

Beim täglichen Weidegang darf die gewohnte Ernährung des Pferdes nicht zu plötzlich umgestellt werden. Heu und Kraftfutter muss es auch weiterhin geben, denn das Gras ist jetzt im Herbst nicht mehr so nährstoffreich. Bedenke aber: Dass die Kraftfutterration entsprechend der verminderten körperlichen Arbeit reduziert werden muss.

Longieren und Bodenarbeit

Ein Kappzaum - wie der hier abgebildete Kappzaum Kieffer Ultrasoft® - ist ein tolles Hilfsmittel für die Bodenarbeit
Ein Kappzaum – wie der hier abgebildete Kappzaum Kieffer Ultrasoft® – ist ein tolles Hilfsmittel für Übungen an der Longe

Du kannst Dein Pferd nun hin und wieder longieren. Entweder lässt Du es einfach nur am Halfter in ruhigem Tempo an der Longe laufen oder Du zäumst es auf Kappzaum und longierst es vorwärts-abwärts. Auch hier steht die Bewegung ganz allein unter dem Motto „lockere Beschäftigung.“ Hast Du schon mal die Doppellonge ausprobiert? Das ist eine feine Sache und kann Dich auch im Training später ein großes Stück weiter bringen. Vielleicht liest Du Dich nun schon mal in die Thematik ein und buchst vielleicht einen Lehrgang in Deiner Nähe. Bodenarbeit und Gelassenheitstraining bilden des Weiteren eine schöne und interessante Abwechslung während der Aktiv-Erholung Deines Pferdes. Darüber hinaus sind sie eine tolle vertrauensbildende Maßnahme und wirken sich positiv auf die weitere Ausbildung Deines Pferdes aus. Denn es wird insgesamt cooler und bekommt ein stabiles Nervensystem. Es lernt gelassen mit Situationen umzugehen, die ihm früher womöglich Angst eingeflößt haben. Davon profitiert Ihr auf jedem Ausritt, bei jedem Training und auf jedem Turnier.

…und wenn Du es nicht ohne Reiten aushälst?

Wenn Dein Pferd keine Rückenprobleme hat, die es im Rahmen einer kleinen Auszeit aktiv auskurieren soll, kannst Du natürlich von Zeit zu Zeit in den Sattel steigen. Reite viel im Schritt am langen Zügel und trabe und galoppiere nur wenig. Das kannst Du dann ja im Rahmen Deines vielseitigen Wintertrainings nachholen. Geritten wird möglichst im Gelände. Die Hallenwände muss Dein Pferd in den folgenden Monaten noch oft genug sehen. Wenn Du wissen willst, wie Du Dich am besten auf einen herrlichen Herbstausritt vorbereiten kannst, lies gerne unseren Blog-Beitrag hierzu.

Heimaturlaub

Ferien für Dein Pferd – das klingt womöglich nach „in den Urlaub fahren“. Doch dass Du jetzt mit Sack und Pack und Pferd zu fernen Zielen fährst, ist gar nicht notwendig und auch keine wirklich gute Idee: Pferde wollen nicht mal eben nach Mallorca fliegen – also: NEIN zum aufwendigen Kurztrip in ungewohnte Umgebung. Etwas anders sieht das aus, wenn Dein Pferd reif für die Insel ist und beispielsweise die allergiefreie Luft der Nordsee atmen soll. Aber: Dann muss das Ganze längerfristig angelegt sein. Zwei Monate Luftkur in Norddeutschland, das wäre zum Beispiel eine ausreichende Zeit, damit sich die Pferdelunge regenerieren kann. Für zwei Wochen lohnt sich der ganze Reisestress aber wirklich nicht. Pferde gelten als „konservativ“, das solltest Du in Deiner Urlaubsplanung bedenken. Starke Umstellungen stressen sie zunächst einmal. Und genau das willst Du ja jetzt vermeiden. Also: Verzichte in der trainingsfreien Zeit auf zu viele neue Eindrücke. Pferdefreundliche Naherholung ist angesagt mit ein wenig – aber unspektakulärer – Abwechslung.

Zeit zum Impfen

Nutze die arbeitsfreie Zeit, um Deinem Pferd die regelmäßige Wurmkur zu verabreichen, und seine Impfungen auf den neusten Stand zu bringen. Bei Impfungen gegen Herpes, Influenza oder Tollwut handelt es sich um aktive Impfungen. Der Pferdekörper reagiert auf diese Impfstoffe mit der Bildung von Abwehrkräften. Dafür sollte man dem Pferd genügend Zeit lassen und es eben nicht arbeiten. Genau deshalb ist jetzt ein guter Zeitpunkt zum Impfen Deines Pferdes.

Um das Pferd im Allgemeinbefinden zu stärken, kann man das Wellness-Programm übrigens auch auf den Bereich der Ernährung ausdehnen. Viele Pferdebesitzer machen zwischenzeitlich eine „Mashkur“. Das bekömmliche, warm verfütterte Mash besteht aus hochwertigen und sinnvoll zusammen gesetzten Futtermitteln. Es schmeckt Deinem Pferd nicht nur gut, es ist auch besonders leicht verdaulich. Daher eignet es sich hervorragend zur Darmsanierung.

Wieso, weshalb, warum…

Die Zeit der aktiven Erholung soll vor allen Dingen auch der mentalen Erholung des Pferdes dienen. Während des Anti-Stress-Monats soll Dein Pferd eben auch psychisch einen Ausgleich haben und zur Ruhe kommen. Weiterhin soll Dein Pferd physisch in eine gute Verfassung gebracht werden, damit es bei Wiederaufnahme der eigentlichen Ausbildungsarbeit im Rahmen des Wintertrainings körperlich fit und gesund ist.

Nass macht Spaß

Der Aquatrainer ist eine moderne Kombination aus Laufband und Wasserbad und eignet sich hervorragend für Phasen der aktiven Regeneration. Bei nur geringer Belastung von Gelenken, Sehnen, Bändern und Knochen trainieren die Pferde ganz individuell im rund 14 Grad frischen Wasser. Ein gezielter Muskelaufbau und die Kräftigung des Herz-Kreislauf-Systems nach Pfarre Kneipp werden im Aquatrainer erreicht. Anders als zur herkömmlichen Bewegungstherapie im Schwimmbecken wirkt der Aquatrainer gezielt. Die Pferde schwimmen hier nicht unkontrolliert, sondern laufen ganz kontrolliert. Die „Belastungsanforderungen in Entlastung“ werden dabei mittels Wasserpegel reguliert. „Je niedriger der Wasserpegel, desto höher die Belastung“, lautet die logische Faustregel für das moderne Trainingsgerät. Denn, wenn die Wasserbox höher geflutet wird – die Bauchhöhe des Pferdes gilt dabei als Maximum – trägt das Wasser das Pferdegewicht zunehmend. Erleichterungen des Körpergewichts bis zu 85 Prozent können durch entsprechende Fluthöhe erreicht werden. Das Bewegungsprogramm im Aquatrainer ist eine wahre Wohltat für Pferde mit schweren Beinen und verspannten Rücken.

Wozu Du die Zeit noch nutzen kannst…

Der Sattelcheck:

Neben der üblichen Pflege muss ein Sattel regelmäßig vom Fachmann überprüft werden. Nicht nur die Haltbarkeit von Riemen und Nähten sondern auch die optimale Passform für Dein Pferd und Dich muss immer wieder auf den neuesten Stand der Dinge gebracht werden.

Der Sitzcheck:

Wie wäre es denn, wenn Du – während Dein Pferd relaxt – ganz gezielt an Deinem Sitz arbeiten würdest. Sei mutig, nimm ein paar Longenstunden und konzentriere Dich dabei ganz auf das korrekte Sitzgefühl. Dein Pferd wird sich später freuen, mit einem so guten und ausbalancierten Reiter das Wintertraining zu beginnen.

Der Trainingsplancheck:

„Nach der Saison ist vor der Saison“, den Spruch hast Du schon oft gehört. Um also das kommende Jahr jetzt schon gezielt vorzubereiten, arbeite einen effizienten Trainingsplan aus. Dafür musst Du Dir zunächst realistische Ziele setzen, auf die Du systematisch hinarbeiten kannst. Eine sinnvolle Kombination aus Abwechslung und Konsequenz sollte Deinen Trainingsplan auszeichnen. Überlege auch ob und bei wem Du während der Wintermonate Reiterunterricht oder Seminare besuchen willst.

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