Warme Küche im Winter – würden Pferde Mashbrei kochen?

Liebe geht durch den Magen. Das gilt ganz besonders für Dein Pferd. Gibt es ein schöneres Gefühl, wenn es nach dem Reiten zufrieden auf seinem duftenden Heu kaut oder seinen Kopf tief in die Krippe steckt und vor Wonne über das leckerste Futter der Welt laut schmatzt? Besonders während der kalten Wintermonate bieten viele Pferdebesitzer Ihren Vierbeinern eine warme Mahlzeit. Doch: Mögen Pferde ihr Fressen gut temperiert? Und wie sieht es mit einem heißen Schluck Tee aus? Wir gucken für Dich und Dein Pferd einfach mal in die Futterküche…

Brrrrr – ist das kalt draußen

Es stürmt, gießt in Stürmen, Dein Pferd und Du Ihr seid beide nass bis auf die Knochen. Jetzt gilt es schnell trocken und wieder warm zu werden. Ein heißer Kakao für Dich – und für Dein Pferd? Trockenes Heu und bunte Körner in kühler Raumtemperatur? Das lässt Dir erneut einen kalten Schauer über den Rücken laufen und Dir ist klar: Auch Dein Pferd wird nur wieder aufgewärmt, wenn Du ihm sein Futter warm servierst. Gleiches Recht für alle! Doch: Erstens frieren Pferde durchweg weniger als Menschen und zweitens reicht Deinem Pferd ein trockenes Plätzchen und genügend Heu, um innerhalb kürzester Zeit wieder warm zu werden, wenn es denn tatsächlich gefröstelt hat. Das kommt bei trockener Kälte übrigens so gut wie gar nicht vor. Nur wenn Du Dein Pferd beispielsweise auf einem kleinen Paddock ohne Unterstand im strömenden Regen hast stehen lassen, kann ihm durch die Kombination aus Regen, Wind und Kälte schon mal kalt werden. Schließlich ist es den Wetterbedingungen dann schutzlos ausgesetzt, kann sich nicht unterstellen und sich nicht ausreichend bewegen. Du kannst also davon ausgehen, dass ein Ausritt durch Sturm und Regen, dich zwar an den Rande einer Erkältung bringt, nicht aber Dein Pferd.

… ein bisschen wie Hühnersuppe

Warum Du jetzt aber unbedingt noch Mash oder einen warmen Tee kochen musst? Ganz einfach: Weil DIR dabei so richtig warm ums Herz wird. Es fühlt sich nämlich so richtig gut an, einen Eimer mit warmem Futter vorzubereiten, womöglich noch den einen oder anderen Apfel herein zu schneiden und das Ganze mit ein paar Karottenstückchen zu einem warmen, gesunden und äußerst leckeren Winterfutter aufzupeppen. Wie heißt es bei den Menschen so schön: Hühnersuppe für die Seele – Mash ist eben auch gut für die Seele des Pferdes und: Es schmeckt den meisten Pferden tatsächlich gut. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Situationen, die für das Verfüttern von Mash oder auch anderen aufgekochten Futtermischungen spricht. Das ist nicht in erster Linie bei Kälte, sondern eher bei bestimmten Erkrankungen eines Pferdes der Fall

Fressen in freier Natur

Das Futter in freier Natur hat Umgebungstemperatur. Es kommt also nicht aus dem Kochtopf. Das bedeutet: Die Natur Deines Pferdes kennt keine warme Mahlzeit – schon gar nicht wenn es kalt ist. Folglich muss es dem Pferd schon aus ihrer Evolutionsgeschichte heraus möglich sein, sich warm zu halten ohne frisch gekochtes Futter aufzunehmen. Und tatsächlich: Es kommt nicht auf die Temperatur des Futters an, sondern auf dessen Energie-Gehalt. Hochwertiges Heu mit einem 1a Vitamin- und Mineralstoff-Wert ist jetzt im Winter, wo kein frisches nährstoffreiches Gras sprießt, erste Wahl. Schließlich kommt es dem Steppengras, das den Pferden über etliche Jahrtausende als Futter diente, am nächsten.

Heißer Tropfen auf den „Stein“

Wenn Du Dir das Verhältnis zwischen einer Futterportion und Deinem gewichtigen Pferd anschaust, stellst Du fest: Die Futtermenge ist relativ gering. Das, was da an Heizwirkung über das erhitzte Futter aufgenommen wird, ist nicht wirklich relevant, um Dein Pferd tatsächlich über das Futter aufwärmen zu können…

Hier ist eine satte Portion Heu tatsächlich eine effektivere Methode, dem Pferd genau die notwendige Energie zuzuführen, die es benötigt, um seinen Temperaturhaushalt in Schuss zu bringen.

Einen Eimer Tee

Viele Pferde mögen Tee. Und es kann durchaus sinnvoll sein, Deinem Pferd in bestimmten Situationen Tee zu reichen. Beispielsweise, wenn Du sein Futter anfeuchten willst, weil es hustet. Oder wenn es eine Erkältung hat, unter Magenproblemen leidet, oder Du sein Immunsystem boostern willst. Wenn Du hier die jeweilig angezeigten Kräutermischungen als Tee aufkochst und den Sud samt Kräutern übers Futter gibst, tust Du der Gesundheit Deines Pferdes etwas Gutes. Achte darauf, dass der Tee nicht heißer als handwarm ist, nicht dass sich Dein Pferd beim Fressen verbrennt. Tee kann auch ins Trinkwasser getan werden, wenn keine gesundheitlich Problematik vorliegt. Einfach, um das Wasser zu erwärmen. Warum das notwendig sein kann? Viele Pferde mögen das eiskalte Wasser im Winter nicht so gern. Das kann dazu führen, dass sie zu wenig trinken. Wer nun kein modernes Selbstttränkesystem hat, bei dem das Wasser leicht temperiert aus den Rohren strömt, kann mit der Zugabe von heißem Wasser oder eben Tee, für ein leicht angewärmtes Trinken sorgen. Damit beugt er dem Wassermangel und in der Folge möglichen Koliken vor. Welche Sorte Tee Deinem Pferd besonders schmeckt, musst Du einfach austesten. Manche lieben das Beischütten von sanften Kamillentee. Andere bevorzugen einen kräftigen Schuss Pfefferminztees.

Aufgekocht – so wird’s bekömmlich

Die Grundrezeptur des klassischen Mash besteht aus Kleie, Leinsamen, Quetschhafer und ein wenig Viehsalz. Wenn Du auf diese Zutaten schaust, wird Dir schnell klar, warum ein klassisches Mash aufgekocht werden MUSS!

Kleie ist an sich ein extrem trockenes, fast staubiges Futtermittel, das sein Volumen im Wasser vervielfacht. Gerade beim Aufkochen saugt die Kleie sich schnell voll und dehnt sich richtig aus. Damit ein solches Aufquellen nicht im relativ kleinen Pferdemagen geschieht und es hier zu einer Überfrachtung kommt, ist es sinnvoll eine bereits gequollene Kleie zu verfüttern.

Beim Leinsamen ist das Aufkochen sogar aus zweierlei Gründen angezeigt: Zum einen neutralisiert das Abkochen die Blausäure, die in den Leinsamen enthalten. Diese wird zwar nicht „weggekocht“, aber der Kochprozess verhindert eine schnelles Freisetzen im Pferdedarm und beugt damit einer Vergiftung durch die gefährliche Blausäure vor. Leinsamen – an sich ein echtes Superfood – wird so entschärft und: es wird durch das Kochen zu einem absolut sanften Magenheiler: Die Schleimstoffe, von denen jede Menge in den Schalen der Leinsamen sind, sind sehr quellfähig – und können ihr Gewischt bei Wasseraufnahme verachtfachen. Wenn Leinsamen ein bis zwei Stunden köchelt, kommen die Schleimstoffe so richtig hervor und bilden gewissermaßen ein Magenpflaster zum Fressen. Der schleimige Leinsamenbrei kleidet den Pferdemagen aus und unterstützt eine möglicherweise angegriffene Magenschleimhaut effektiv.

Auch dem Quetschhafer kommt das Einweichen oder gar Aufkochen sehr zu Gute, denn hierbei treten ebenfalls jede Menge magenfreundliche Schleimstoffe aus. Du kennst das möglicherweise vom Porridge. Das Trendfrühstück, das früher als „Haferschleim“ bekannt war, ist nicht nur lecker sondern auch ausgesprochen gesund.

Mehr zum Mash

Warme Mahlzeiten wie ein schmackhaftes und mit vielerlei gesunden Extras angereichertes Mash sind die ideale Schonkost für Pferde, die einen empfindlichen Magen haben: Eine diätetische Mischung ist besonders für Pferde geeignet, die zu Koliken und Verstopfungen neigen. Hier regt ein schmackhaftes und vielfältig zusammengesetztes Mash-Futter mit Kräutern Appetit, Verdauung und Stoffwechsel Deines Pferdes an. Inhaltsstoffe und deren ausgewogene Zusammensetzung aktivieren die Darmtätigkeit, regen die Darmperistaltik an und können die Gefahr einer Übersäuerung oder Fäulnisbildung im Darm vermindern. Akut erkrankten und Pferden, die sich in der Rekonvaleszenz befinden, wird ebenfalls häufig Mash gefüttert. Mash in allen Facetten gibt einen Energie-Schub nach einer besonders anstrengenden Leistung wie einem mehrtägigen Turnier und flankiert eine Wurmkur auf sanfte Art und Weise. Schließlich ist es besonders bekömmlich und kann mit speziellen Zusätzen so aufgewertet werden, dass es gezielt bei Erholung und Gesundung unterstützt. Darüber hinaus ist Mash – wie jede Form von weichem, warmen Futter eine wunderbare Seniorenkost. Es ist nicht nur bekömmlich und gut verdaulich, es lässt sich natürlich auch leicht kauen. Bei kranken und alten Pferden spielt der Faktor Temperatur des Futters – anders als bei jüngeren, ganz gesunden Pferden – tatsächlich eine Rolle. Sie haben oft Schwierigkeiten ihren Organismus „warm zu halten“. Hier kann warmes Futter seinen Beitrag leisten. Es liefert ein Plus an Energie, um den Pferdekörper etwas leichter durchzuwärmen und warmzuhalten. Seniorenpferden kann man durchaus regelmäßig warmes Mash füttern. Bei allen anderen empfiehlt es sich, Mash mehrfach die Woche als Kur oder eben je nach Bedarf zu füttern. Es muss jedoch nicht täglich auf dem Speiseplan stehen.

Warme Quelle

Viele der Futtermittel, die zunächst quellen müssen, werden gerne warm angegossen, weil sie im warmen oder gar kochenden Wasser deutlich schneller aufquellen, ihr endgültiges Futtervolumen erreichen und so relativ zügig nach dem Ansetzen verfüttert werden können. Heu-, Luzerne oder Grünmehlcobs werden in der Regel eingeweicht; bei getrockneten Zuckerrübenschnitzel ist das Einweichen absolute Pflicht. Der eigentliche Auslöser für die „Warme Mahlzeit“ ist hier also nicht die Temperatur des Verfütterns sondern: Eine kürzere Zubereitungszeit.

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