Klettern mit Pferd – wie Du in Schräglage trainierst

Vorwärts, seitwärts und rückwärts – das sind die gängigen Richtungen beim täglichen Training Deines Pferdes. Erweitere das Ganze doch mal um eine neue Dimension: Bergauf- und Bergab-Reiten! Warum das Auf und Ab für Dein Pferd eine sinnvolle Ergänzung im Training ist, erfährst Du in diesem Blog-Beitrag!

Das Hinauf- und Hinunter-Reiten ist eine wunderbare Übung für die Balance von Pferd und Reiter und ein echter Konditions-Booster! Also: Nix wie los! Auch diejenigen unter Euch, die nicht im gebirgigen Land zuhause sind, kennen bestimmt einen Hang oder einen Hügel, den man ins Training integrieren kann. Damit Dein Pferd von dem Auf und Ab bestmöglich profitieren kann, musst Du Deinen Sitz auf die Gegebenheiten einstellen, damit Du Dein Pferd in seiner Balance am Berg nicht störst. 

Im leichten Sitz an die Spitze, so reitest Du bergauf

Grundsätzlich reitet man bergauf im Entlastungssitz. Bei Bodenwellen und nur leicht hügeligem Geläuf kannst Du den leichten Sitz in seiner gängigen Form beibehalten.

Beim steileren Bergauf neigt man den Oberkörper je nach Steigungsgrad nach vorne, nimmt das Gesäß aus dem Sattel und verlagert sein Gewicht vermehrt auf Knie und Steigbügel. Zur Stabilisierung des Sitzes kann man die Hände ruhig rechts und links vom Mähnenkamm abstützen.

Richtig bergab reiten – warum Du das selber ausprobieren musst

Auch beim Bergab ist die Sitzposition ziemlich abhängig von der Steigung. Bei sanften Hügeln bleibt man im Schritt in der Regel relativ aufrecht sitzen. Überquert man die sanften Hügel hinunter im Galopp, ist der leichte Sitz angesagt.

Diskutiert wird die richtige Sitzposition beim steilen Bergab: Ob Du den Oberkörper nach hinten nimmst oder Dich sogar leicht entlastend vorlehnst, das musst Du tatsächlich selber ausprobieren. Selbst Experten streiten hier um die beste Sitzposition.

Sitz-Möglichkeit Nummer eins:

Nimm den Oberkörper bei extremer Neigung ein gutes Stück nach hinten und stütze Dich bei Bedarf mit den Händen am Sattelknauf ab.

Vorteil: In dieser Sitzposition bekommt das Pferd seine Schultern frei, so dass es die Vorderbeine leichter auf dem schwierigen Terrain setzen kann. Es gewinnt so also Trittsicherheit. Außerdem verhindert diese Rücklage, dass der Reiter nach vorne aus dem Sattel fällt.

Nachteil: Das Pferd bekommt durch die Gewichtsverlagerung nach hinten noch mehr Druck auf die Hinterhand, als es durch das Unterfußen in Steillage eh schon erhält. Dadurch schiebst Du das Pferd vermehrt in die Tiefe und verhinderst so ein langsames und vorsichtiges Hinabtasten.

Sitz-Möglicheit Nummer zwei

Beuge Deinen Oberkörper wie beim Entlastungssitz leicht vor. Stütze die Hände rechts und links vom Mähnenkamm auf.

Vorteil: In dieser Position nimmst Du Druck von der Hinterhand. Diese kann so leichter und weiter unterfußen, so dass die Hinterbeine den Vorderbeinen ein wenig Last abnehmen.

Nachteil: Die Schulter wird belastet und das Pferd verliert so möglicherweise Trittsicherheit.

Probiere einfach aus, ob Dein Pferd besser mit dem zurückgelehnten Sitz oder mit dem Entlastungssitz klar kommt. Nicht zur Diskussion stehen der stabile Knieschluss und der sichere, abstützende Halt im Steigbügel.

Übrigens: Zum Klettern mit Deinem Pferd solltest Du einen Springsattel verwenden. Hier unterstützen der Vorschnitt des Sattelblatts sowie die Pausche Deine Sitzpostion ideal. Auch die Verwendung von einem gut sitzenden Vorderzeug bietet sich an!

Korrekte Zügelverbindung beim Hinauf- und Hinab-Klettern

Beim steilen Hinauf-Klettern wird der Zügel ein wenig länger gelassen, um dem Pferd größtmögliche Halsfreiheit zu gewähren. Geht es steil in die Tiefe, lasse die Zügel leicht anstehen, um das Pferd von zu eiligen Schritten abzuhalten. Aber: Auch dabei darf die Zügeleinwirkung nicht dominieren, denn der lange Hals als Balancierstange wird unbedingt gebraucht. Wichtig ist, dass Du Dich selber gut ausbalancierst und Dein Pferd nicht durch unkoordinierte Bewegungen aus dem Tritt bringst. Schließlich stellen steile Passagen ohnehin schon besondere Ansprüche an Kraft und Balance des Pferdes.

Natürliches Bodybuilding – Berge von Muckis

Es kostet Kraft, das Bergan-Reiten, doch es macht auch prima Muskeln.

Das Bergauf-Schieben des eigenen Körpergewichts – und das des Reiters – trainiert insbesondere die Muskulatur der Hinterhand, die vermehrt Schub entwickeln. Auch Sehnen und Gelenke werden durch die Trainingsimpulse im Bergauf vermehrt belastet und gekräftigt.

Das Bergabreiten hat einen versammelnden Effekt. Die Hinterhand tritt vermehrt unter den Körper, um das Gewicht des Pferdes abzufangen. Auch die Schultern müssen vermehrt arbeiten, um das Gewicht abzubremsen. Das Bergab stärkt die Hankenbiegung und fördert die Tragkraft.

Darüber hinaus macht sich ein gewisser Ziehharmonika-Effekt beim Wechselspiel von hoch und runter positiv bemerkbar: So erweitert das Pferd beim Bergan seinen Rahmen, die Muskulatur der Oberlinie wird vermehrt gedehnt. Das Pferd wölbt seinen Rücken und senkt bergauf Hals und Nase. Hinunter dann verkürzt sich das Pferd wieder, denn es tritt ja vermehrt unter und wird in sich kompakt. Dieses Wechselspiel wirkt Steifheit und Spannungen entgegen. Die Pferde lockern und lösen sich.

Echter Konditionsschub

Das Reiten im hügeligen Gelände verspricht einen prima Konditionsschub und wird deshalb gern ins Training integriert.

Das Galoppieren mit Steigung strengt an, fordert und fördert nicht nur die Muskulatur, sondern auch das Herz-Kreislauf-System. Solch eine Konditionseinheit kann deshalb auch kürzer ausfallen als das Galoppieren auf einer Ebene. Um zu kontrollieren, ob Dein Pferd mit der extra Belastung des Bergauf gut klar kommt, solltest Du die Atmung im Auge behalten: Weit geblähte Nüstern und pumpende Flanken sind deutliches Anzeichen von körperlicher Höchstleistung. Wenn Du nicht gerade für eine Vielseitigkeitsprüfung im Sternebereich trainierst, solltest Du solch einen Zustand nicht bewusst herbei führen.

Geht es allerdings darum, das Pferd für lange Galopppassagen fit zu machen, können solche Belastungsspitzen beim Training am Berg durchaus gesetzt werden. Dann muss das Cool Down hinterher natürlich besonders sorgfältig ausfallen.

Wusstest Du…

…dass es für Dein Pferd anstrengender ist, steile Anstiege in langsamem Tempo zu absolvieren als einfach hoch zu huschen? Der Trainingseffekt ist entsprechend höher.

TIPP: Die Anstrengung des Bergauf kannst Du auch nutzen, um sehr stürmische Pferde auf natürliche Art abzubremsen. Jedenfalls geht den Pferden bergan deutlich schneller die Luft aus als auf geradem Weg und sie verlangsamen automatisch ihr Tempo. Auf einer ansteigenden Strecke bekommst Du auch ein durchgehendes Pferd schneller wieder unter Kontrolle als auf flachem Bodenprofil.

Steiler Anstieg – anstrengende Kletterpartie

Steilhangklettern ist echt anstrengend. Insbesondere in Sandkuhlen.

Hier tut der tiefe Boden sein Übriges. Deshalb darfst Du Dein Pferd nicht überfordern! Einmal um den Bewegungsapparat nicht zu überlassen und mögliche Verletzungen zu riskieren. Zum anderen aber auch, um keine Stürze zu provozieren. Aufmerksamkeit und Kraft müssen hundertprozentig da sein, um eine optimale Trittsicherheit zu gewährleisten.

Wenn Du Dein Pferd an Böschungen oder steilen Hängen so richtig klettern lässt, werden nicht nur Muskeln und Gelenke besonders gefordert, auch Konzentration und Koordination werden ganz schön auf die Probe gestellt. Hinzu kommen die Aspekte Vertrauen und Gehorsam.

TIPP: Bleibe bergab immer senkrecht zum Hang. Bewegt sich Dein Pferd hier schräg, besteht die Gefahr, dass es den Halt verliert und rutscht oder gar stolpert.

…und ein bisschen Dressur am Hang

Nicht nur für echte Geländereiter bietet die Arbeit im Auf und Ab viele Vorteile. Auch Dressurreiter können die „schräge Ebene“ nutzen, um ihren Lektionen ein tolles Trainings-Plus hinzuzufügen:

Steiler Stopp

Das Halten auf einer Gefällstrecke hört sich leichter an als es ist. Hierbei befindet sich die Hinterhand etwas höher als die Vorhand und genau deshalb muss das Pferd beim Halten die Hinterbeine deutlich weiter unter den Körper schieben als auf gerader Ebene. Bei jedem Halt wandert die Hinterhand in Richtung Vorhand: Das steigert die Fähigkeit zur Hankenbeugung Darüber hinaus lernen die Pferde aus dieser Übung das Halten in geschlossener Haltung.

Rückwärts am Hang – nur für Fortgeschrittene

Für Fortgeschrittene stellt das Bergauf-Reiten im Rückwärtsgang eine anspruchsvolle Lektion dar: Lässt Du Dein Pferd nämlich so hinauf gehen, muss es seine Hinterbeine tüchtig untersetzen und die Hanken beugen. Das ist sehr anstrengend und gelingt am besten aus dem Halt auf abschüssiger Strecke.

Auch Balance und Körperbeherrschung werden hierbei geschult, denn Dein Pferd muss sich bei dieser ungewohnten Bewegungsanforderung besser koordinieren als beim Rückwärtsrichten auf ebenem Profil.

Um das Pferd langsam an diese knifflige Aufgabe heranzuführen, wähle deshalb zunächst nur flache Steigungen aus und richte erst später an steileren Passagen zurück. Hat Dein Pferd die Rückwärtsbewegung am Hang verstanden versuche die Schaukel. Das Hin und Her von vorwärts und rückwärts, bergab und bergan ist ein wirklich anspruchsvoller Workout.

Piaffe – so funktioniert die Königsklasse am Berg

Sie gehört schon im „Flachland“ zur Königsklasse der Dressurreiter: Die Piaffe! Damit Dein Pferd diesen Kraftakt beim nächsten Grand Prix mühelos meistert, übe das Ganze doch mal in Schräglage. Das kostet richtig Kraft! Weil selbst ausgesprochene Dressurreiter über den enormen Trainingseffekt der Piaffe in steilem Geläuf Bescheid wissen, lassen sie auf ihren Anlagen extra Piaffe-Hügel aufschütten. Einfach mal ins Gelände gehen, reicht aber durchaus. Auch hinunter zu piaffieren ist nicht ohne: Hierbei schiebt das Pferd seine Hinterbeine weiter unter den Körperschwerpunkt und verbessert so die Hankenbeugung. Das funktioniert im Grunde nach demselben Prinzip wie beim Halten und Rückwärtsrichten in schräger Ebene.

Seitwärts und schräg

Das Beinekreuzen bei Seitengängen an sich fordert Pferde in ihren Koordinationsfähigkeiten. In hügeligem Geläuf kommt eine Dimension hinzu und der Schwierigkeitsgrad steigt. Wähle die Passagen für Traversale und Co. nicht zu steil. Das Pferd darf in seinem flüssigen Vorwärts nicht gehemmt werden. Ob Schenkelweichen, Schulterherein oder Travers, behalte immer im Kopf, dass auch diese Übung am Berg sehr viel Kraft kostet.

So, jetzt weißt Du, wie Du Berge und Hügel in Dein Training integrierst. Das Training am Hang bietet Dir einen Mehrwert im Hinblick auf Kondition und Koordination. Wir wünschen Dir viel Spaß beim Training in Schräglage!

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