Herbstliche Tradition – so wunderschön ist Jagdreiten

Die grüne Saison neigt sich dem Ende zu, da wird es bunt in der Landschaft. Und es sind nicht nur die Blätter, welche die herbstliche Natur in ein vielfältiges Farbenfroh tauchen. Auch die Jagdreiter, die nun ihre roten Röcke und tannengrünen Samt-Jackets aus dem Schrank holen, setzen leuchtende Zeichen. Landauf landab ertönt das Halali aus ihren Hörnern und mischt sich mit dem frischen Geläut der Hunde und dem zufriedenen Schnauben der Pferde. Spannendes rund um DAS Herbst-Thema Jagdreiten erfährst Du in diesem Blogbeitrag.

Kostüme mit Stil

Jagdreiter haben Stil, das zeigt sich schon an der Kleidung, auf die sie sehr viel Wert legen. Mit gutem Grund, denn wie bei jedem geselligen Ereignis steht das perfekte Outfit im Mittelpunkt des Interesses.

Angefangen vom obligatorischen Sicherheitshelm über das Sakko in schwarz, blau, grün, braun oder kariert. Unten herum kleidet man sich mit farblich passender, weißer oder vanille-gelber Hose. In schwarzen oder auch in edlen braunen Reitstiefeln stecken Füße und Beine.

Die Handschuhe orientieren sich am besten an der Hosenfarbe; den Hals ziert der auch als „Plastron“ bekannte Jagdschal. Er dient im Notfall als erster Verband bei Verletzungen.

Übrigens: Die signalrote Reitjacke trägt nur der erfahrene Jagdreiter und – ganz stilecht – nur mit Jagdstiefeln, die schwarz sind und mit einer rotbrauner Stulpe abschließen.

Adrett und gepflegt

Auch wenn Du Dich nicht kleiden magst wie ein britischer Adeliger, so solltest Du schon aus Respekt vor der Tradition in sauberem und gepflegtem Outfit zur Jagd anrücken. Dein Turnier-Dress reicht hier allemal. Auf Schmuck sollte aus Sicherheitsgründen verzichtet werden. Wehendes Haar findet im Haarnetz oder in einem straff gebundenen Zopf ordentlich Platz. Rüste Dein Pferd mit einem Vielseitigkeitssattel oder einem Springsattel aus. Ein Martingal gibt Dir zusätzlich zur Zäumung ein sicheres Gefühl. Du kannst auch ein Vorderzeug mit integriertem Martingal nutzen. Dein Pferd sollte top geputzt und im Idealfall eingeflochten sein.

Tradition und Moderne

Heute ist die Jagdreiterei längst keine Domäne von Adel und „Herrschaften“ mehr – auch wenn sich gerade in alteingesessenen Meuten nach wie vor eine Reihe von „Freiherren“, „Freifrauen“ und vielen „Von und Zu“ ihr Stelldichein gibt. Im Grunde kann jeder dieser Disziplin frönen – vorausgesetzt Du kennst Dich ein wenig aus im Dickicht der jagdlichen Bräuche. Neben Ausrüstung und Aufmachung sind nämlich eine Vielzahlen von traditionellen Handlungen in die Jagd eingeflochten. Aber gerade diese Traditionsverbundenheit ist es, die neben dem Reiten durch zumeist herrliche Natur den Reiz der Jagdreiterei ausmacht und die – wie Jagdreiter immer wieder gerne betonen – auch zu einer positiven Persönlichkeits-Ausformung führt…

Duftende Schleppe

Bei der sogenannten Schleppjagd simulieren die sogenannten Schleppenjäger das zu verfolgende Wild. Dabei reiten sie der Jagdgesellschaft voraus und tröpfeln aus einem Kanister Duftstoff auf die Strecke. Das ist beispielsweise Fuchslosung, Heringslake oder auch Anis. Die gelegte Spur führt hierbei auf einer vorab festgelegten Jagdstrecke, die teilweise mit Hindernissen bestellt ist. Selbstverständlich werden bei der ausgewählten Strecke die Bodenverhältnisse berücksichtigt.

Die Schleppjagd besteht aus mehreren Schleppen oder „Runs“. Das sind Abschnitte, die durch Schrittstrecken oder auch kürzere Pausen, in denen gerne mal „Prost!“ gesagt wird, unterbrochen werden.

Top in Form

Die Anforderungen der Jagdreiterei sind die eines veritablen Geländerittes und für Anfänger und untrainierte Pferde wahrlich nicht geeignet. Der Ritt führt in mehreren Abschnitten über unterschiedlichstes Geläuf. Dabei geht es im wahrsten Sinne des Wortes über Stock und Stein und zwar auf Wiesen, Stoppelfeldern und im Wald.

Zwar gibt es während einer Jagd die ein oder andere Erholungspause, dennoch muss am Stück Kilometer für Kilometer flott durchgaloppiert werden. Das geht nicht ohne Kondition. Zudem sind die kompletten Strecken mit zehn bis 15 Kilometer eine wirkliche Herausforderung. Pferde, die am Ende des zwei- bis dreistündigen Spektakels müde und schlapp sind, können nicht mehr sicher springen. Daraus ergibt sich ein erhöhtes Verletzungsrisiko für Reiter und Pferd.

Gesitteter Reiter

Dass der Jagdreiter sein Pferd im frischem Galopp in der Gruppe jederzeit unter Kontrolle hält, ist Grundvoraussetzung zur Teilnahme an der Jagd. Wer nicht das Herz oder Können hat, dicke Gräben, Gatter oder Baumstämme zu überwinden, der kann sich für das nicht-springende Feld einteilen lassen. Bei manchen Jagden gibt es sogar ein reines Trabfeld.

Die zugeteilte Position im entsprechenden Feld hält der Jagdgast bis zum Ende ein. Die Positionen werden dem Können des Reiters entsprechend verteilt.

Geritten wird seitlich versetzt auf „Strich und Lücke“. Überholen ist verpönt, den Weg der Mitreiter zu kreuzen ebenfalls.

Kommt es zu einem Sturz, so wird unverzüglich angehalten und der Mitreiter versorgt.

Geritten werden die Galoppstrecken bei der Jagd im Jagdsitz. Das ist eine Form vom Leichten Sitz.

Ist die Jagd erfolgreich absolviert, darf sich der Reiter mit einem kleinen Zweig schmücken, dem sogenannten Bruch. Dieses Stückchen Eichen- oder Tannengrün empfängt er vom Jagdherren und steckt es sich voller Stolz ans Revers. Im Anschluss an die Jagd trifft man sich zum Kesseltreiben. Häufig rundet ein abendlicher Ball das gesellige Geschehen ab.

Läutende Hunde

Für Schleppjagden werden unter anderem Foxhounds, Beagles, Französische Hirschhunde, Bloodhounds, Black and Tans, und Deutsche Bracken eingesetzt. Sie werden in Meuten gehalten und trainiert.

Bei der Jagd folgen die Hunde der Fährte vom Schleppenjäger und zwar mit der Jagdgesellschaft im Schlepptau. Bereits als Welpe trainiert man die künftigen Meutehunde auf die spezielle Fährte, die auch „Sent“ genannt wird. Gegen andere Gerüche, wie beispielsweise den von echtem Wild oder von fremden Hunden werden sie hingegen desensibilisiert. So bleiben sie „wildsauber“ – wie man im Fachjargon sagt.

Jagdhunde erkennt man übrigens nicht an ihrem Gebell sondern am „Geläut“. Dies hört man schon lange bevor man die Meute querfeldein stürmen sieht. Belohnt werden die Spürnasen am Ende der Jagd mit dem – für sie – wohlduftenden „Curée“. Auf Pfiff hin, stürzen sich dann die Hunde auf einen riesigen Pansen und verschlingen diesen mit offensichtlichem Genuss. Die Reiter ziehen vor so viel Appetit und natürlich zum Dank für geleistete Schnüffelarbeit die Kappe.

Die Hunde werden vom Master of Hounds mit seinen Helfern, der sogenannten Equipage,  in Schach gehalten.

Laute(r) Signale

Neben den stimmlichen Anweisungen ertönen bei der Jagd viele Kommandos als musikalische Signale aus dem Jagdhorn.

Schlüsselpositionen – wer trägt die Verantwortung

Der Master führt das Jagdfeld. Er darf von den anderen Reitern nicht überholt werden, da er die Spitze des Jagdfeldes darstellt.

Der Pikör ist derjenige, der dem Master im Jagdfeld hilft alle Reiter zusammenzuhalten. Er achtet zudem darauf, dass sich alle Reiter richtig benehmen. Nicht weil er die Ambitionen eines Superlehrers hat, sondern weil es um die Sicherheit der gesamten Jagdgesellschaft geht.

Der Schlusspikör ist als „Lumpensammler“ – so wird er mit einem leichten Schmunzeln betitelt – unterwegs und hat im Großen und Ganzen die selben Aufgaben wie der Pikör – also Ordnung und Benehmen zu bewahren. Zudem kümmert er sich als letzter Mann um die langsamen Reiter. Durch sein Tun hält er das Jagdfeld zusammen. Die Anzahl der Piköre kann je nach Größe des Jagdfeldes variieren.

Diese Funktionsträger sind auch anhand ihrer Kleidung zu identifizieren.

Keine Hetze

Die Meutejagd auf lebendes Wild ist seit 1934 in Deutschland verboten. In Großbritannien hetzte man Niederwild, also Fuchs oder Hase, noch bis 2005. Hetzjagden auf den König des Waldes, den Rothirsch, sind in Frankreich nach wie vor erlaubt.

Flinker Fuchs

Häufig wird zum Ende der Schleppjagd eine symbolische Fuchsjagd durchgeführt. Dazu trägt entweder der Jagdherr, oder der erfolgreiche „Fuchsjäger“ des Vorjahres einen Fuchsschwanz an der rechten Schulter seines Sakkos.

Ist also die eigentliche Schleppjagd beendet, reitet dieser „Fuchs“ im Galopp vorweg und die anderen Teilnehmer jagen ihn, versuchen ihm die Fuchs-Trophäe von der Schulter zu rupfen. Das Ganze ist ein rasante Spektakel und eine recht wilde Sache die mitunter ganz schön auf die Pferdebeine geht…

Ein solides Jagdpferd sollte Gehfreude und Galoppiervermögen mitbringen. Im Grund kann jedes Pferd das gesund und rittig ist für die Jagd ausgebildet werden. Das Nervenkostüm ist dabei sehr wichtig.

Sieben goldene Regeln für sicheres Jagdreiten

  1. Der Master und seine Piköre dürfen auf keinen Fall überholt werden.
  2. Pferde, die schlagen, werden mit einer roten Schleife an der Schweifrübe gekennzeichnet.
  3. Halte einen Sicherheitsabstand von etwa zwei Pferdelängen zu anderen Pferden ein.
  4. Reite die Hindernisse immer gerade an. Die Lauflinie eines anderen Reiters darf nicht geschnitten werden.
  5. Verweigert Dein Pferd an einem Hindernis, muss der Sprung sofort wieder freigemacht werden.
  6. Wähle Deine Position im Feld Deinem Können entsprechend. Unsichere Springer sollten am Schluss reiten, um andere Reiter nicht zu behindern. Schwierige Pferde gehören an den Rand des Feldes. So kann man notfalls zu einer Volte abwenden, wenn das Pferd zu heftig wird.
  7. Nimm nur dann an einer Jagd teil, wenn Du und Dein Pferd den Anforderungen gewachsen seid.

Gut vorbereitet – Wie Du für eine Jagd trainierst

Dass Du sattelfest bist, um an einer Jagd teilzunehmen, gehört zu den wichtigsten Voraussetzung. Und, dass Du ein fittes Pferd oder Pony hast, ebenso.

Natürlich tun sich gut austrainierte Warm- oder Vollblüter mit den Anforderungen der langen Galoppstrecken leichter als beispielsweise schwere Kaltblüter, aber: Gerade wenn Du eine leichte Jagd auswählst und im nichtspringenden oder trabenden Feld unterwegs bist, können Haflinger, Fjordpferde oder Isländer wunderbare Partner für die herbstliche Jagd sein.

Zum Training gehört die regelmäßige Arbeit in allen drei Grundgangarten – insbesondere  im Gelände und dort über natürliche Hindernisse: Reite durch Wasser, galoppiere bergauf und bergab auf diversen Bodenprofilen. So bekommt Dein Pferd Kondition und wird trittsicher.

Wenn Du nicht planst, die Jagd im springenden Feld zu absolvieren, musst Du zuvor keine Sprünge trainieren. Möchtest Du allerdings bei den springenden Jagdreitern mitreiten, dann musst Du unbedingt feste Natur-Sprünge trainieren. Neben Baumstämmen und Hecken sind das unter anderem Wassergräben, überbaute Gräben, oder auch Steinmauern. Denn es geht bei einer reellen Jagd durchaus „über Stock und Stein“.

Beginne rechtzeitig mit dem Training. Also starte am besten mindestens einen Monat vor der geplanten Jagd und steigere die Anforderungen an Zeit und Tempo allmählich. Denke daran, immer wieder aktive Erholungsphase einzufügen. Auch das Galoppieren in der Gruppe solltest Du üben.

Viele Meuten bieten entsprechende Lehrgänge an, in denen Du das Jagdreiten in all seinen Facetten erlernen kannst. Das ist ohne Frage die beste Art der Vorbereitung auf eine sichere und freudvolle Jagd!!!

[ Auf den Fotos von Anja Wechsler Fotografie zu diesem Beitrag durften wir die Frankenmeute begleiten. Wir bedanken uns für die Möglichkeit und die tollen Motive, die hier entstanden sind. Hier geht es zur Website der Frankenmeute: www.frankenmeute.eu]

 

0 Kommentare zu “Herbstliche Tradition – so wunderschön ist Jagdreiten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.